Deutschlands größte Auskunftei stellt ihr Scoring-System grundlegend um: Ab 17. März gilt ein einheitlicher Bonitätsscore zwischen 100 und 999 Punkten. Statt bislang sechs unterschiedlicher Branchenscores soll es nur noch eine Kennzahl geben, die für Banken, Handel, Telekommunikationsanbieter und den Online-Handel gleichermaßen genutzt wird. Basis sind zwölf klar definierte Merkmale, ausgewählt aus mehr als 250 möglichen Faktoren. Dazu zählen unter anderem Zahlungsstörungen, das Alter von Bankverträgen, Kreditkarten und der aktuellen Adresse, laufende Ratenkredite sowie die Zahl von Anfragen in den vergangenen zwölf Monaten. Nach Angaben des Unternehmens bleibt die Einstufung für 83 Prozent der Menschen unverändert, neun Prozent profitieren, bei acht Prozent verschlechtert sich die Bewertung, meldet Bild.
Ein Score für alle Branchen und fünf Klassen
Künftig sehen Geschäftsbanken, Sparkassen, Händler und Verbraucher denselben Zahlenwert. Die Auskunftei ordnet die Punktzahl in fünf Klassen ein: „Hervorragend“ (776–999 Punkte), „Gut“ (709–775), „Akzeptabel“ (642–708), „Ausreichend“ (100–641) sowie „Ungenügend“, wenn wegen gravierender Zahlungsstörungen gar kein Wert berechnet wird. Rund 62 Prozent der erfassten Personen liegen derzeit in der besten Kategorie, etwa 20 Prozent im Bereich „Gut“ und rund acht Prozent im mittleren Segment, so Angaben auf schufa.de. Etwa zwei Prozent werden in „Ausreichend“ eingestuft, während circa acht Prozent offene Zahlungsstörungen aufweisen und deshalb in die Klasse „Ungenügend“ fallen. Die eigentliche Kreditentscheidung treffen trotz des neuen Modells weiterhin Banken und andere Vertragspartner nach eigenen Kriterien.
Neuer Online-Account mit quartalsweiser Aktualisierung
Parallel zum überarbeiteten Scoring startet ein erweiterter Online-Account. Dort können Nutzer ihre Bonität künftig kostenlos einsehen, inklusive aller gespeicherten Verträge, Kredite, Anfragen der vergangenen zwölf Monate und möglicher Zahlungsrückstände. Die Daten werden im Regelfall vierteljährlich aktualisiert. Der Zugang erfolgt nach Identifizierung, etwa per Online-Ausweisfunktion des Personalausweises oder vergleichbarer eID-Verfahren. Früher war die vollständige Dateneinsicht meist an eine schriftlich angeforderte Kopie oder die Nutzung einer App der Tochter „Bonify“ gebunden. „Mit dem Schufa-Account geben wir Verbrauchern jederzeit die Möglichkeit, ihre Daten zu prüfen […] und im Bedarfsfall zu aktualisieren“, so Vorstandschefin Tanja Birkholz laut Focus. Ein integriertes Erklärtool legt offen, wie viele Punkte jedes der zwölf Kriterien beisteuert und wie sich Änderungen auswirken.
Vorteile und Grenzen der neuen Transparenz
Nach Kritik von Datenschützern öffnet die Gesellschaft ihr bislang intransparentes System und reduziert die Zahl der Einflussgrößen auf nachvollziehbare Merkmale. Brigitte Zypries, frühere Bundesjustizministerin und Ombudsfrau der Auskunftei, betont: „Jeder kann nun nachvollziehen, wie die bei der Schufa gespeicherten Daten den Score beeinflussen und wie die einzelnen Kriterien gewichtet werden.“ Die Kennzahl soll sich zudem schneller verbessern, wenn Rechnungen und Kreditraten pünktlich beglichen werden. Gleichwohl bleibt eine strukturelle Schwäche bestehen: Personen mit wenig Finanzhistorie – etwa Studierende oder Berufseinsteiger – laufen weiterhin Gefahr, wegen dünner Datenbasis vorsichtiger bewertet zu werden, obwohl keine negativen Einträge vorliegen. Das veränderte Modell mildert dieses Problem laut schufa.de, beseitigt es aber nicht vollständig.
So können Verbraucher ihren Score aktiv schützen
Verbraucherschützer raten zu konsequenter Eigenkontrolle. Die Verbraucherzentrale Sachsen empfiehlt, regelmäßig eine kostenlose Datenkopie zu beantragen oder den digitalen Zugang zu nutzen, um fehlerhafte Einträge frühzeitig zu erkennen und korrigieren zu lassen, berichtet Bild. Falsche oder veraltete Informationen sollten umgehend mit Widerspruch und Nachweisen beanstandet werden; kostenpflichtige Drittanbieter sind dafür in der Regel nicht nötig. Eine Befragung im Auftrag des Vergleichsportals Verivox zeigt, dass mehr als die Hälfte der Erwachsenen ihren persönlichen Score noch nie abgerufen hat, meldet Focus. Wer die eigene Einstufung kennt, kann Konditionen von Krediten, Handyverträgen oder Ratenkäufen realistischer bewerten und gezielt an einer besseren Bonität arbeiten – etwa durch pünktliche Zahlungen, maßvolle Kreditaufnahme und das Vermeiden unnötiger Anfragen in kurzer Zeit.