Ob morgens zum Wachwerden oder abends zum „Tag abwaschen“ – die Duschgewohnheiten reichen von einmal täglich bis mehrmals am Tag. Dermatologisch ist aber nicht nur der Zeitpunkt, sondern vor allem die Art des Waschens entscheidend. Zu heißes Wasser, lange Duschzeiten und aggressive Tenside können den natürlichen Schutzfilm der Haut angreifen, was Trockenheit, Juckreiz und Ekzeme begünstigt. Fachärztin Dr. Sarah Bechstein, Mitgründerin des Teledermatologie-Anbieters Formel Skin, warnt im Gespräch mit morgenpost.de, dass gerade im Sommer viele Menschen ihre Haut durch übertriebene Reinigung unnötig belasten.
Morgendusche oder Abenddusche: Rolle von Lebensstil und Allergien
Für die Wahl der Duschzeit spielt der Alltag eine große Rolle. „Wer morgens duscht, tut das oft, um wach zu werden – die Temperaturreize wirken anregend, der Kreislauf kommt in Schwung“, erläutert Bechstein laut morgenpost.de. Für Menschen, die nachts stark schwitzen, kann die Morgendusche helfen, Talg und Schweiß zu entfernen und damit Unreinheiten vorzubeugen. Aus Hautsicht sprechen aber viele Argumente für die Dusche am Abend: Über den Tag lagern sich Feinstaub, Schmutzpartikel und Pollen auf der Oberfläche ab. Werden diese vor dem Schlafen entfernt, profitieren vor allem Allergiker. „Gerade in Pollenzeiten ist es für Allergiepatientinnen und -patienten ratsam, abends zu duschen“, so die Dermatologin – das könne zwischen ruhiger und unruhiger Nacht entscheiden.
Zweimal täglich duschen: Grenzen der Hautbarriere
An heißen Tagen wirkt eine zweite Dusche verlockend. Nach Angaben von Bechstein ist das bei richtiger Durchführung möglich: Wasser allein belastet die Haut wenig. Problematisch wird die Kombination aus sehr warmem Wasser, langem Aufenthalt und stark schäumenden Produkten. Dann leidet die Barriere aus Lipiden und Hornzellen, die Verdunstungsverlust und Keime kontrolliert. Wer morgens und abends unter die Brause geht, sollte einen Durchgang nur mit Wasser planen und auf Duschgel oder Seife verzichten, meldet morgenpost.de. Zudem empfehlen Fachleute kurze Duschzeiten mit lauwarmem Wasser. Im Sommer eignen sich leichte Lotionen besser als reichhaltige Cremes, da sie schneller einziehen und gekühlt zusätzlich für einen Kühleffekt sorgen.
Winterhaut: Angepasste Pflege und milde Reinigung
In der kalten Jahreszeit treffen kalte Außenluft, trockene Heizungsluft und sehr warmes Duschwasser aufeinander – eine Kombination, die Lipide aus der Haut löst. Dr. Bechstein rät, dann seltener und schonender zu duschen. „Im Winter reicht es oft, einmal täglich – oder sogar nur alle zwei Tage – zu duschen, sofern keine körperliche Anstrengung stattgefunden hat.“ Wichtig bleiben kurz gehaltene Duschgänge mit lauwarmem Wasser und seifenfreien Syndets. Anschließend helfen fetthaltige Cremes, den Lipidfilm zu stabilisieren und Beschwerden wie Spannungsgefühl, Juckreiz oder Risse einzudämmen. So lässt sich der Bedarf an therapeutischen Salben bei vorbelasteter Haut mitunter reduzieren.
Hauttypen beachten: Produkte und Inhaltsstoffe gezielt wählen
Nicht jede Haut verträgt dieselbe Intensität der Reinigung. Trockene oder zu Neurodermitis neigende Haut profitiert von kurzen, lauwarmen Duschen und rückfettenden Ölen statt klassischer Duschgele. Bei stark trockener Haut kann sogar zweimal tägliches Eincremen sinnvoll sein. Menschen mit eher fettiger oder robuster Haut sollten ebenfalls auf milde Formulierungen achten, da aggressive Tenside wie Sodium Lauryl Sulfat die Lipidschicht ausdünnen und Reizungen fördern. Bechstein empfiehlt, Duft- und Farbstoffe möglichst zu meiden. Die britische Mikrobiologin Dr. Primrose Freestone betont auf „The Conversation“, dass regelmäßiges, aber maßvolles Duschen Schmutz, Fett und Talg entfernt und so Infektionen vorbeugt – entscheidend ist ein Gleichgewicht aus Hygiene und Erhalt der Hautbarriere.