Ab wann jemand als reich gilt, hängt nicht nur vom eigenen Gefühl ab, sondern von statistischen Grenzen. Für Alleinlebende lag die Mitte der bedarfsgewichteten Haushaltsnettoeinkommen 2024 bei 2.419 Euro im Monat. Zur Mittelschicht im engen Sinn zählte ein Single mit 1.940 bis 3.630 Euro netto.
Wer mehr als 6.050 Euro hatte, gehörte zu den einkommensreichsten vier Prozent. „Reich sind vor allem die anderen – dieser Eindruck ist nachvollziehbar, kann aber täuschen“, sagte Judith Niehues, Ökonomin beim IW, laut Iwkoeln. Grundlage sind EU-SILC-Daten, die Einkommen nach Steuern, Abgaben und Transfers erfassen.
64.441 Euro brutto im Jahr 2025
Für den Arbeitsmarkt ergibt sich ein anderes Bild, weil dort Bruttoverdienste von Vollzeitbeschäftigten verglichen werden. Der durchschnittliche Jahresverdienst lag 2025 bei 64.441 Euro brutto, der Median bei 54.066 Euro. Im Jahr davor waren es 62.235 Euro im Durchschnitt. Monatlich kamen Vollzeitkräfte auf 4.851 Euro brutto ohne Sonderzahlungen.
Frauen verdienten 2025 nach Bereinigung um Faktoren wie Teilzeitquote und Branche pro Stunde im Schnitt 6 Prozent weniger als Männer. Die höchsten mittleren Bruttojahresgehälter wurden in Hamburg, Baden-Württemberg und Hessen erreicht, die niedrigsten in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.
Paare ohne Kinder erreichen oft höhere Einkommensklassen
Wie stark die Haushaltsform zählt, zeigt der Blick auf Paare ohne Kinder. Ihr mittleres bedarfsgewichtetes Einkommen lag bei 2.667 Euro, bei Doppelverdiener-Paaren sogar bei 3.558 Euro. Knapp 12 Prozent dieser Doppelverdiener kamen auf mindestens 9.070 Euro gemeinsames Nettoeinkommen im Monat und gehörten damit zur Gruppe der relativ Einkommensreichen. Der Grund liegt auch in gemeinsamen Ausgaben: Ein Paar benötigt nach der verwendeten Gewichtung nicht doppelt so viel Geld wie zwei Singles. Viele Kosten für Wohnen und Haushalt fallen nur einmal an.
Bildung, Erwerbstätigkeit und Alter verschieben die Position
Wer in der Verteilung weiter oben landet, hat oft einen hohen Bildungsabschluss und ist erwerbstätig. Menschen mit Hochschulabschluss kamen 2024 auf ein mittleres bedarfsgewichtetes Haushaltsnettoeinkommen von 3.140 Euro im Monat; ihre Armutsgefährdungsquote lag bei 9,2 Prozent. Bei Personen mit höchstens mittlerer Reife lag sie bei 29,3 Prozent.
Erwerbstätigkeit macht ebenfalls einen großen Unterschied: Bei Alleinerziehenden lag das Armutsrisiko insgesamt bei 26,5 Prozent, unter erwerbstätigen Alleinerziehenden aber bei 15,6 Prozent. Über vier Fünftel der relativ Einkommensreichen waren zwischen 25 und 64 Jahre alt.
Mieter und Eigentümer liegen deutlich auseinander
Auch beim Wohnen zeigen sich klare Unterschiede. Rund 53 Prozent der Menschen in Privathaushalten lebten 2024 zur Miete. Mieter kamen auf ein mittleres bedarfsgewichtetes Haushaltsnettoeinkommen von 2.083 Euro im Monat, Eigentümer auf 2.800 Euro, wie WirtschaftsWoche über die IW-Auswertung berichtete.
In der Gruppe der relativ Einkommensreichen lebten mehr als 70 Prozent im Eigentum. Für die persönliche Einordnung empfiehlt Sparkasse den Blick auf den Median statt nur auf den Durchschnitt, weil hohe Einzelgehälter den Mittelwert stärker nach oben ziehen. Das gilt auch beim Vergleich des eigenen Einkommens mit Region, Branche und Haushaltsgröße.