Ob Slip, Pyjama oder nackt: Nachts sind die Vorlieben sehr unterschiedlich – und rund um die Schlafkleidung kursieren etliche Mythen. Häufig geht es um die Frage, ob Schlafen ohne Unterhose unhygienisch sei oder ob Nacktschlafen gesundheitliche Risiken birgt. Fachleute aus Urologie, Gynäkologie und Schlafmedizin betonen, dass vor allem Hautklima, Temperatur und persönliche Bedürfnisse zählen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher lohnt ein genauer Blick auf Material, Passform und Pflege der Bettwäsche, um Infektionen, Hautreizungen und Erkältungen vorzubeugen.

Prof. Merseburger: Wann der Slip im Bett sinnvoll ist

Der Urologe Prof. Dr. Axel Merseburger vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein weist darauf hin, dass ein Slip nachts für manche Menschen ein Gefühl von Wärme und Schutz vermittelt. „Bei nächtlichem Ausfluss, Inkontinenz oder starker Schweißproduktion kann eine Unterhose das Bettzeug etwas schützen“, so Merseburger laut apotheken-umschau.de. Wer aus hygienischen Gründen lieber Textilien zwischen Körper und Matratze hat, kann zu lockerer Baumwollwäsche greifen. Wichtig ist, dass die Kleidung nicht einengt, da Reibung und Hitze die Haut belasten. Besonders bei empfindlicher Haut kann eine weiche, nicht scheuernde Unterhose Beschwerden reduzieren.

Dr. Eder: Bessere Belüftung ohne Unterhose

Die Gynäkologin Dr. Stephanie Eder aus Gräfeling betont, dass weniger Stoff am Körper die Belüftung der Haut verbessert. Ohne Slip kann Feuchtigkeit schneller verdunsten, was das Risiko für Pilz- und Bakterienwachstum reduziert. „Mit einer Unterhose im Bett kann es zu einem feucht-warmen Milieu im Intimbereich kommen, das beispielsweise Pilzinfektionen begünstigt“, erklärt Eder. Für Männer hat Luftzirkulation zusätzlich den Vorteil, dass der Hodensack kühler bleibt – eine Temperatur, die für die Spermienreifung als optimal gilt. Enge, synthetische Unterwäsche kann dagegen Reibung, Mikroläsionen und womöglich eine verminderte Fruchtbarkeit begünstigen.

Markus Specht: Temperatur, Schlafphasen und Erkältungsrisiko

Der Diplom-Psychologe Markus B. Specht, Leiter eines Zentrums für interdisziplinäre Schlafmedizin, warnt davor, Nacktschlafen pauschal als schlaffördernd anzupreisen. Im Traumschlaf sei die Temperaturregulation eingeschränkt, erklärt er laut focus.de. Wer stark schwitzt, kann dann nicht nur die Kleidung, sondern die gesamte Decke durchnässen und sich unbewusst aufdecken – gerade im Winter steigt so das Erkältungsrisiko. Specht empfiehlt ein Schlafzimmer mit 17 bis 21 Grad. Im Sommer kann unbekleidetes Schlafen gut funktionieren, bei Zugluft durch offene Fenster jedoch ebenfalls zu Auskühlung führen. Entscheidend ist eine Kombination aus Raumtemperatur, Bettdecke und gegebenenfalls leichter Nachtbekleidung.

Hygiene, Materialien und praktische Empfehlungen

Einig sind sich die Expertinnen und Experten darin, dass regelmäßiger Wäschewechsel zentral ist. Wer nackt oder ohne Slip schläft, sollte Bettwäsche mindestens einmal pro Woche waschen, bei starkem Schwitzen auch häufiger; bei Schlafkleidung reichen etwa zwei Wochen. Baumwolle gilt als „Goldstandard“, weil sie atmungsaktiv ist, Feuchtigkeit aufnimmt und die Haut wenig reizt. Auch Modal, Bambusviskose, Merinowolle und Leinen sind geeignet. Synthetik wie Polyester oder Nylon im Intimbereich ist ungünstig, da diese Stoffe Wärme stauen. Für erholsamen Schlaf empfiehlt Specht lockere, als angenehm empfundene Kleidung – denn unbequeme Nachtwäsche kann selbst zum Auslöser von Schlafstörungen werden.