Das Einkommen steigt im Berufsleben nicht automatisch Jahr für Jahr. Ausbildung, Berufserfahrung, Qualifikation, Branche, Position und Arbeitgeber wirken zusammen und sorgen dafür, dass Gehaltsverläufe sehr unterschiedlich ausfallen. Für Beschäftigte ist das vor allem bei Karriereplanung, Familienphase und Altersvorsorge relevant. Denn wer von einem stetigen Plus bis zur Rente ausgeht, kalkuliert womöglich zu optimistisch. Nach Informationen von wmn.de liegt der durchschnittliche Gehaltshöhepunkt früher, als viele vermuten, und er fällt je nach Lebenslauf sehr unterschiedlich aus.
Stepstone-Daten: Mit 52 Jahren liegt das Gehaltsmaximum
Einer Stepstone-Studie aus dem April 2021 zufolge, die von der Wirtschaftswoche zitiert wird, erreichen Arbeitnehmende ihr höchstes Gehalt im Durchschnitt mit 52 Jahren. Der Wert liegt bei rund 58.539 Euro. Stepstone-Experte André Schaefer erklärt den späteren Knick so: „Es gibt viele Menschen, die sich zwischen 50 und 60 etwas zurückziehen, sich weniger stressige Positionen suchen und dann auch entsprechend weniger verdienen", so André Schaefer laut wiwo.de. Für Verbraucher ist das mehr als eine Statistik. Wer Arbeitszeit reduziert oder auf einen Wechsel verzichtet, muss mögliche Folgen für Sparquote, Rentenpunkte und finanzielle Reserven mitdenken.
Frauen erreichen den Höchstwert schon mit 41
Auffällig ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Frauen erreichen ihr Gehaltsmaximum bereits mit 41 Jahren, also deutlich früher als Männer. Als mögliche Gründe nennt der Bericht unterschiedliche Karrieremuster und familiäre Rollenverteilungen. Zugleich bleibt die Lohnlücke groß: Die Gender Pay Gap lag 2023 bei 18 Prozent und veränderte sich 2024 kaum. Damit wird für viele Arbeitnehmerinnen ein doppeltes Problem sichtbar: ein früherer Höhepunkt beim Einkommen und zugleich ein geringerer Verdienst über viele Berufsjahre hinweg. Das wirkt sich langfristig auf Rücklagen, Vermögensaufbau und spätere Ansprüche aus.
48.000 Euro bis 25 Jahre Erfahrung, danach 47.250 Euro
Auch aktuelle Zahlen stellen die klassische Vorstellung vom immer weiter steigenden Lohn infrage. Im Stepstone-Gehaltsreport 2025 liegt das Bruttomediangehalt bei 48.000 Euro, wenn Beschäftigte auf 11 bis 25 Jahre Berufserfahrung kommen. Ab 25 Jahren Berufserfahrung sinkt der Median jedoch auf 47.250 Euro. Die zweite Karrierehälfte bringt also nicht automatisch mehr Geld. Besonders wichtig ist dabei der Blick auf Branche und Bildungsweg. Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und viele Führungskräfte starten oft später und erreichen ihren Spitzenwert daher später. Wer eine Ausbildung absolviert hat, steigert sein Einkommen häufig bis zum Renteneintritt, allerdings meist auf moderaterem Niveau.
45 Prozent der Frauen haben nie mehr Gehalt verlangt
Ein weiterer Befund betrifft das Verhandeln selbst. 57 Prozent der Frauen in Deutschland sind mit ihrem Gehalt unzufrieden. Trotzdem haben 45 Prozent hierzulande noch nie eine Gehaltserhöhung gefordert, weltweit sind es 53 Prozent. 23 Prozent fürchten negative Konsequenzen. Dabei sind die Erfolgsaussichten hoch: 83 Prozent der Forderungen werden bewilligt, in 40 Prozent der Fälle gibt es sogar die volle gewünschte Erhöhung. Für Beschäftigte heißt das: Nicht nur Alter und Berufserfahrung prägen das Einkommen, sondern auch die Bereitschaft, Ansprüche klar zu formulieren. Wer das unterlässt, verschenkt unter Umständen Geld über viele Jahre.