Adrian arbeitet 42 Stunden pro Woche als Hausmeister in einem Münchner Sportverein und sucht trotzdem noch einen Nebenverdienst, denn alles wird teurer. "Zum Beispiel beim Einkaufen: Was vorher zwei Euro gekostet hat, ist jetzt doppelt so teuer. Und leider bleibt unser Gehalt fast immer so wie vorher", erklärt er gegenüber dem BR Für Betroffene wie ihn ist die Debatte um Minijobs mehr als ein Detail der Rentenpolitik. Derzeit sind bei dieser Beschäftigungsform bis zu 603 Euro im Monat beziehungsweise 7.236 Euro im Jahr möglich, alternativ als kurzfristige Tätigkeit für höchstens drei Monate oder 70 Arbeitstage. Sozialabgaben fallen meist nicht an, bei der Rentenversicherung gibt es aber eine Besonderheit: Bei Minijobs mit Verdienstgrenze besteht grundsätzlich Versicherungspflicht, von der man sich befreien lassen kann, wie BR berichtet.

603 Euro Grenze und 70 Arbeitstage im Jahr

Die Expertenkommission der Bundesregierung empfiehlt nun, den Sonderstatus von Minijobs abzuschaffen und geringfügige Beschäftigung ohne Opt-out in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. Ausnahmen soll es nur noch für Schülerinnen und Schüler geben. Teil des Pakets sind zudem die Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung und das Ende der Rente mit 63. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas pocht auf die vollständige Umsetzung der 33 Punkte. „Das ist ein Gesamtkunstwerk", so Bärbel Bas laut NDR. Für Verbraucher heißt das: Ein einfacher Nebenverdienst könnte künftig stärker in reguläre Beschäftigung übergehen, dafür mit Pflichtbeiträgen zur Altersvorsorge.

Heike Stoffels: Lebensfähige Rente fast unerreichbar

Kritiker des bisherigen Modells verweisen genau auf diesen Punkt. Heike Stoffels von der IG BAU in Oberbayern hält eine tragfähige Alterssicherung über Jahre im Minijob für kaum erreichbar. Besonders Frauen sind betroffen, weil sie häufiger geringfügig arbeiten. 14 Prozent der Frauen haben ausschließlich einen Minijob, bei Männern sind es acht Prozent. Zusätzlich zu einer sozialversicherungspflichtigen Stelle arbeiten zwölf Prozent der Frauen geringfügig, bei Männern zehn Prozent. „Der Minijob mache es so gut wie unmöglich, eine lebensfähige Rente zu bekommen", so Heike Stoffels laut BR. Wer heute auf Abgaben verzichtet, erkauft sich also oft ein höheres Netto mit geringeren Ansprüchen im Alter.

1,5 Millionen Minijobs in Bayern, 109.000 in Niedersachsens Gastro

Gleichzeitig hängt in manchen Branchen viel Personal an diesem Modell. In Bayern haben knapp 1,5 Millionen Menschen einen Minijob, besonders häufig in Gastronomie mit rund 245.000 Beschäftigten und in der Reinigung mit gut 200.000. Im niedersächsischen Gastgewerbe sind es nach Verbandsangaben rund 109.000. Der Hotel- und Gaststättenverband warnt vor Folgen für Dienstpläne und Öffnungszeiten. „Minijobs sind für Hotellerie und Gastronomie kein Randphänomen, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil der Personalplanung", so Niedersachsens Dehoga-Landespräsiden Dirk Breuckmann laut NDR. Arbeitgeber argumentieren, viele Einsätze umfassten nur wenige Stunden pro Woche und ließen sich nicht einfach in reguläre Jobs umwandeln.

Zwischen Rentenschutz und Einkommenslücke im Alltag

Für Beschäftigte entsteht damit ein Zielkonflikt. Melina aus Mittelfranken arbeitet nach ihrem Vollzeitjob noch als Kellnerin und kommt so auf 300 bis 400 Euro zusätzlich im Monat. Solche Zuverdienste finanzieren oft Urlaub, Rücklagen oder schlicht höhere Lebenshaltungskosten. Politisch gibt es deshalb Widerstand gegen eine vollständige Streichung. Markus Söder mahnte, man müsse „aufpassen, dass man nicht Schaden anrichtet, den man nach einem Jahr wieder korrigieren muss“, wie Morgenpost berichtet. Für Verbraucher läuft die Debatte auf eine nüchterne Frage hinaus: mehr Netto heute oder mehr Rentenanspruch später. Genau daran entscheidet sich, wie teuer ein Nebenjob am Ende wirklich ist.