Männer gehen deutlich seltener zu Vorsorgeuntersuchungen als Frauen – besonders, wenn es um intime Bereiche geht. Dabei ist Prostatakrebs die am häufigsten diagnostizierte Krebsart beim Mann und die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache. Nach Angaben der Deutschen Krebshilfe nehmen nur etwa 17 Prozent der Männer regelmäßig Termine beim Facharzt wahr, berichten Gesundheitsportale wie stern.de. Urologen sehen ein kulturelles Problem: Jungen lernen im Gegensatz zu Mädchen kaum eine Routine in Sachen Vorsorge. Hinzu kommt Scham vor der körperlichen Untersuchung – ein Hemmnis, das mit modernen Testverfahren weitgehend überflüssig wird.
PSA-Test ab Mitte 40: Zahlen, Intervalle, Risiken
Die klassische Tastuntersuchung der Prostata verliert an Bedeutung. „Die neuen Leitlinien sehen den PSA-Wert als Mittel der Früherkennung vor“, erklärt Urologe Carsten-Henning Ohlmann, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft, in einem Beitrag auf stern.de. Der Blutwert gilt derzeit als sensibelstes Instrument, um frühe Hinweise auf ein Tumorgeschehen zu erkennen. Entscheidend ist ein Ausgangswert etwa ab Mitte 40. Liegt dieser bei 1,5 oder darunter, reicht in der Regel eine Kontrolle alle fünf Jahre. Werte zwischen 1,5 und 3 sind ein Graubereich, hier werden Intervalle von zwei Jahren empfohlen. Ab einem Wert über 3 oder bei raschem Anstieg sollten detaillierte Abklärungen folgen, inklusive weiterer Diagnostik.
Studie mit 160.000 Teilnehmern: 45 Prozent höheres Sterberisiko
Wie stark regelmäßige Prostata-Screenings wirken, zeigt die European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer (ERSPC). Über 20 Jahre wurden mehr als 160.000 Männer zwischen 55 und 69 Jahren in mehreren europäischen Ländern beobachtet. Ein Teil wurde regelmäßig zum PSA-Test eingeladen, ein Kontrollkollektiv nicht. Nach Angaben von t-online.de erschien von über 72.000 eingeladenen Studienteilnehmern etwa jeder Sechste nie zu einem Termin – diese Gruppe hatte ein um 45 Prozent erhöhtes Risiko, an Prostatakrebs zu sterben. Männer, die Screening-Angebote nutzten, verzeichneten dagegen ein um 23 Prozent niedrigeres Risiko als die Kontrollgruppe. Der schwedische Urologe Tobias Nordström betont, die neue Auswertung zeige einen „deutlich größeren Nutzen“ regelmäßiger Untersuchungen, als frühere Analysen nahegelegt hätten.
Hoden-Check unter der Dusche: einfache Selbstuntersuchung
Nicht nur die Prostata ist gefährdet: Hodenkrebs ist der häufigste Tumor bei Männern im erwerbsfähigen Alter, mit rund 4.200 neuen Fällen pro Jahr in Deutschland, meldet swr.de. Urologe Jens Rassweiler hält die Teilnahmequote an Vorsorgeuntersuchungen von höchstens 25 Prozent für „natürlich zu wenig“. Besonders Männer zwischen 25 und 45 Jahren gelten als Risikogruppe, eine zweite Welle tritt ab etwa 60 auf. Rassweiler empfiehlt, die Hoden etwa zweimal pro Jahr bewusst abzutasten – am besten unter der warmen Dusche. Dabei sollten die Hoden von unten umfasst, sanft abgerollt und auf Verhärtungen oder Knoten geprüft werden. Auffälligkeiten sind oft nicht schmerzhaft, können aber auf einen Tumor hindeuten. Auch wenn gutartige Ursachen möglich sind, gehört jede Veränderung rasch in die Praxis.
Behandlung, Folgen und Rolle des Urologen als „Männerarzt“
Wird Hodenkrebs früh entdeckt, reicht häufig die Entfernung des betroffenen Hodens, danach kann der Alltag meist normal weiterlaufen. Fortgeschrittene Tumoren mit Metastasen erfordern dagegen Chemotherapie und teils Lymphknotenoperationen; die Medikamente können die Lungenfunktion einschränken und etwa eine Sportkarriere gefährden, so Rassweiler in einem Interview mit swr.de. Nach der Operation überwachen Ärzte Tumormarker im Blut und ergänzen die Diagnostik durch CT-Untersuchungen von Lunge und Bauchraum. Die Entfernung eines Hodens beeinflusst Sexualität und Potenz normalerweise nicht. Vor einer Chemotherapie raten Fachärzte dennoch zum Einfrieren von Sperma. Urologen verstehen sich zunehmend als umfassende Ansprechpartner für Männergesundheit – sie behandeln nicht nur Tumoren, sondern kümmern sich auch um Erektionsstörungen und erkennen darüber hinaus mögliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen anhand von Durchblutungsstörungen.