Der Lehrermangel an deutschen Schulen trifft auf eine heikle Gehaltsdebatte. Während Länder und Gewerkschaften Anfang 2026 eine neue Tarifrunde für den öffentlichen Dienst der Länder vorbereiten, blicken viele Pädagogen auf ihre Einstufung in Tarifvertrag und Besoldungstabelle. Je nach Abschluss, Laufbahn und Bundesland variieren Einkommen und Karrierechancen deutlich. Gleichzeitig zeigt ein aktueller OECD‑Bericht, dass deutsche Lehrkräfte international zwar zur Spitzengruppe bei den Gehältern zählen, im Vergleich zu anderen Akademikerjobs im Inland jedoch ins Hintertreffen geraten. Für Berufseinsteiger und Quereinsteiger ist der Überblick über die Vergütung daher ein zentraler Entscheidungsfaktor.
TV-L-Gruppen E9b bis E15: So werden angestellte Lehrer bezahlt
Angestellte Lehrkräfte werden überwiegend nach dem Tarifvertrag der Länder (TV‑L) bezahlt, nur in Hessen gilt ein eigener Vertrag, berichtet t-online.de. Ausschlaggebend sind die Entgeltgruppen und Stufen, die Qualifikation, Verantwortung und Berufsjahre abbilden. Wer „nur“ einen fachbezogenen Bachelorabschluss besitzt, wird in der Regel den Gruppen E9b bis E12 zugeordnet. Lehrkräfte mit Master oder gleichwertigem Lehramtsabschluss können in E13 bis E15 aufsteigen. In der Praxis landen Grund‑, Haupt‑, Real- und Gesamtschullehrer meist in E11, Lehrkräfte der gymnasialen Oberstufe in E12. Die Stufe innerhalb der Gruppe richtet sich nach der einschlägigen Berufserfahrung – Quereinsteiger mit Vorerfahrung aus anderen pädagogischen Bereichen können hiervon profitieren.
A12 und A13: Beamtenbesoldung mit großen Länderunterschieden
Verbeamtete Lehrer werden nicht nach TV‑L, sondern nach den Besoldungstabellen des jeweiligen Bundeslandes bezahlt. Voraussetzung sind ein abgeschlossenes Lehramtsstudium (Bachelor und Master) sowie ein Referendariat. Grund-, Haupt- und Realschullehrer erhalten in der Regel die Besoldungsgruppe A12, Gymnasiallehrer A13 oder höher. Wie Spiegel meldet, liegt das Grundgehalt für A12 in Bayern zwischen 4.527,30 und 6.168,25 Euro monatlich – abhängig von der Erfahrungsstufe. In Bremen fällt das Einstiegsgehalt in A12 etwa 500 Euro niedriger aus. Hinzu kommen typische Beamtenvorteile wie Beihilfe, ein gesicherter Pensionsanspruch und in vielen Fällen geringere Sozialabgaben, was die Netto-Einkünfte gegenüber Angestellten zusätzlich erhöht.
Quereinstieg in den Schuldienst: Chancen und Grenzen
Ein klassisches Lehramtsstudium ist keine zwingende Voraussetzung, um an einer Schule zu unterrichten. Häufig genügt ein Bachelor in den gewünschten Unterrichtsfächern, ergänzt durch berufsbegleitende Qualifizierungen. Viele Bundesländer ermöglichen anschließend einen Master of Education oder ein reines Referendariat, meldet t-online.de. Allerdings ist ohne Masterabschluss nicht überall eine Verbeamtung möglich – Quereinsteiger bleiben dann oft dauerhaft angestellt und damit auf TV‑L-Niveau. Für Bewerber lohnt sich ein genauer Blick auf die landesspezifischen Vorgaben: Während einige Länder gezielt Seiteneinsteiger für Mangelfächer suchen, setzen andere stärker auf klassisch ausgebildete Lehrkräfte. Die Entscheidung zwischen angestellter und verbeamteter Laufbahn beeinflusst langfristig Einkommen, Absicherung und Altersvorsorge.
OECD-Vergleich: Hohe Gehälter, aber Lücke zu anderen Akademikern
Der OECD‑Bericht „Bildung auf einen Blick“ bescheinigt Deutschland bei Lehrergehältern Spitzenwerte im internationalen Vergleich. Kaufkraftbereinigt verdienen Grundschullehrer beim Einstieg über 77 Prozent mehr als der OECD‑Durchschnitt, in der Sekundarstufe I sind es fast 90 Prozent, in der Sekundarstufe II sogar mehr als 91 Prozent, berichtet Spiegel. Dennoch ist der Beruf im Inland nicht automatisch finanziell attraktiv: Grundschullehrkräfte liegen im Schnitt zwölf Prozent unter dem Einkommen anderer Beschäftigter mit Hochschulabschluss außerhalb des Bildungssystems. Die Autoren warnen: „Die Erhöhung der Lehrergehälter kann eine große finanzielle Herausforderung darstellen, da die Personalkosten den größten Teil der Bildungsausgaben ausmachen“, so der OECD‑Report. Angesichts begrenzter Haushalte rücken daher andere Stellschrauben wie Arbeitszufriedenheit, Bürokratieabbau und kleinere Klassen in den Fokus, so das ifo Institut.