Homeoffice ist seit der Corona-Pandemie in vielen Betrieben fester Teil des Arbeitsalltags. Für Beschäftigte bringt das mehr Flexibilität, für Arbeitgeber aber auch die Frage, wie konsequent die Arbeitszeit genutzt wird. Genau dazu liefert eine Umfrage neue Zahlen. Demnach erledigen viele Menschen während der Arbeit von zu Hause aus auch private Dinge. Für Arbeitnehmer und Unternehmen ist das relevant, weil es nicht nur um Vertrauen geht, sondern auch um Arbeitsorganisation, Erreichbarkeit und die realistische Bewertung hybrider Modelle, wie wmn.de berichtet.

5.000 Beschäftigte in fünf Ländern befragt

Grundlage ist eine YouGov-Umfrage im Auftrag des Onlinehändlers Galaxus. Befragt wurden europaweit rund 5.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich und der Schweiz. Das zentrale Ergebnis: Rund 80 Prozent gaben an, während der Arbeitszeit im Homeoffice schon private Angelegenheiten erledigt zu haben. Genannt wurden Telefonate, Social Media, Sport und Online-Shopping. Für Verbraucher ist das auch deshalb interessant, weil Homeoffice in vielen Firmen ein bis zwei Tage pro Woche umfasst und damit für große Teile des Büroalltags relevant bleibt.

Frankreich bei mehr als zwei Stunden pro Tag vorn

Beim Ländervergleich fallen vor allem Frankreich und Italien auf. In Frankreich sagten 17 Prozent der Befragten, täglich mehr als zwei Stunden für private Dinge aufzuwenden. Weitere 29 Prozent nannten ein bis zwei Stunden pro Arbeitstag. In Italien lag der Anteil bei mehr als zwei Stunden täglich bei 13 Prozent, weitere 16 Prozent verbrachten ein bis zwei Stunden mit nicht beruflichen Aufgaben. Damit liegen beide Länder in der Erhebung klar vor Deutschland. Für Firmen mit internationalen Teams sind solche Unterschiede bei Regeln und Erwartungen an mobile Arbeit nicht unwichtig.

In Deutschland geben nur 6 Prozent lange private Zeiten an

Deutschland schneidet in der Befragung vergleichsweise zurückhaltend ab. Nur rund sechs Prozent erklärten, mehr als zwei Stunden ihrer Arbeitszeit für andere Dinge zu verwenden. 31 Prozent sagten sogar, noch keine einzige Minute für Privates genutzt zu haben. In Frankreich und Italien lag dieser Wert laut wmn.de jeweils nur bei rund 10 Prozent. Das lässt deutsche Beschäftigte in der Selbstauskunft disziplinierter erscheinen. Für die Praxis bedeutet das aber nicht automatisch, dass hierzulande tatsächlich strenger gearbeitet wird als in anderen Ländern.

Selbsteinschätzung setzt der Aussagekraft enge Grenzen

Gerade dieser Punkt ist der blinde Fleck der Erhebung. Die Daten beruhen ausschließlich auf Selbstauskünften und nicht auf objektiven Messungen. Ob Befragte ihre Nutzung der Arbeitszeit vollständig und ehrlich angeben, lässt sich daher nicht prüfen. Auch soziale Erwartungen können Antworten beeinflussen, etwa wenn Beschäftigte disziplinierter wirken wollen. Die Zahlen eignen sich damit eher als Stimmungsbild zum Umgang mit Homeoffice als als harter Nachweis für Fehlverhalten. Für Unternehmen spricht das gegen vorschnelle Schlüsse und für klare Regeln, was im mobilen Arbeiten als akzeptabel gilt.