Immer mehr Menschen im Rentenalter beziehen staatliche Hilfe. In Berlin ist die Zahl der Älteren mit Grundsicherung binnen neun Jahren um rund 50 Prozent gestiegen. Ende 2024 waren mehr als 60.000 Menschen betroffen, 2016 waren es noch rund 41.000, wie rbb24 berichtet. Der Anteil liegt mit 8,8 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 4,1 Prozent. Für Verbraucher ist das mehr als eine Statistik: Die Daten zeigen, dass selbst nach einem langen Erwerbsleben das Einkommen im Alter für viele nicht reicht.
Berlin: Mehr als 60.000 Ältere mit Grundsicherung
Zur Grundsicherung im Alter kann es kommen, wenn Einkommen und Vermögen den Lebensunterhalt nicht decken. Als Faustregel gilt laut den Angaben im Ausgangsmaterial ein monatliches Gesamteinkommen unter 1.148 Euro. Parallel dazu hat sich in Berlin auch die Zahl älterer Wohngeldempfänger stark erhöht: von 2015 bis 2024 auf gut 33.000, also fast auf das Vierfache. Das verweist auf ein zweites Problem neben der Rente: die Wohnkosten. Für viele ältere Haushalte wird die Miete damit zu einer zusätzlichen finanziellen Belastung.
1.446 Euro gelten als Schwelle für Altersarmut
Besonders auffällig sind die Zahlen zu niedrigen Renten trotz langer Versicherungszeiten. Viele Menschen mit 40 Jahren Erwerbsbiografie und mehr liegen unter 1.446 Euro, einer Marke, die als Indikator für Altersarmut gilt. In Berlin betrifft das gut 30 Prozent der Männer und fast 50 Prozent der Frauen. Frauen sind insgesamt deutlich häufiger betroffen. Das hat auch mit Erwerbsunterbrechungen, Teilzeit und niedrigeren Löhnen zu tun. Selbst eine lange Zeit im Beruf schützt also nicht automatisch vor knappen Einnahmen im Ruhestand.
Johannes Geyer: Zahlen nur eingeschränkt vergleichbar
Die Entwicklung ist jedoch nicht nur mit wachsender Armut zu erklären. Seit 2021 gelten höhere Freibeträge, sodass mehr Menschen überhaupt Anspruch auf diese Leistung haben. 2024 lag der maximale Freibetrag bei 281,50 Euro. Hinzu kamen statistische Effekte durch geflüchtete ältere Ukrainer. Johannes Geyer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung warnt deshalb vor vorschnellen Schlüssen. "Abgesehen von den Flüchtlingen und den Effekten durch die Freibeträge sehe er keine große Veränderung bei der Altersarmut, so die Sueddeutsche. Gleichzeitig geht das DIW davon aus, dass 50 bis 60 Prozent der Berechtigten Hilfen gar nicht beantragen.
Berlin zahlt 2025 mehr als 521 Millionen Euro
Die Entwicklung trifft nicht nur die Betroffenen, sondern auch die öffentlichen Kassen. Die Ausgaben für die Grundsicherung im Alter in Berlin stiegen von gut 287 Millionen Euro im Jahr 2020 auf mehr als 521 Millionen Euro im Jahr 2025. Aus Sicht der Linksfraktion wächst damit das Risiko weiter. „Droht über die Hauptstadt in der Zukunft eine noch viel größere Welle der Altersarmut hereinzubrechen", so Pascal Meiser laut rbb24. Auch in Bayern zeigen die Daten Handlungsbedarf: 2025 bezogen dort 2,6 Prozent aller Rentner diese Leistung, im Bund waren es drei Prozent.