Die internationale Bewertung der Altersvorsorge zeigt, dass Deutschland weit von der Spitze entfernt ist. Im aktuellen Mercer Global Pension Index erreicht die Bundesrepublik 67,8 von 100 Punkten und rutscht von Rang 20 auf 22 ab. Während die Struktur der gesetzlichen Rente solide ist, schwächelt das System vor allem bei der langfristigen Finanzierbarkeit und beim Umgang mit demografischen Risiken. Parallel wird in Berlin über eine Rente mit 70 gestritten, obwohl ein Großteil der Bevölkerung dieses höhere Rentenalter ablehnt. „Deutschland steht vor der großen Aufgabe, sein Rentensystem widerstandsfähiger gegenüber dem demografischen Wandel zu machen“, so Mercer-Experte Michael Sauler laut Focus.

Niederlande mit 85,4 Punkten an der Spitze

Spitzenreiter im Mercer-Index sind die Niederlande mit 85,4 Punkten. Kern ist eine staatliche Basisrente, auf die jeder Anspruch hat, finanziert aus Sozialabgaben und Steuern. Für jedes Jahr Wohnsitz oder Arbeit im Land entstehen zwei Prozent Rentenanspruch, nach 50 Jahren gibt es den vollen Satz. Hinzu kommen umfangreiche Betriebsrenten, in die Arbeitgeber und Beschäftigte zwischen 15 und 25 Prozent des Bruttolohns einzahlen. Nach rund 40 Erwerbsjahren erreichen Niederländer so 70 bis 75 Prozent ihres letzten Nettoeinkommens. Die Altersarmutsquote liegt bei etwa fünf Prozent und damit deutlich unter dem deutschen Niveau, wie dasinvestment.com berichtet.

Island und Dänemark kombinieren Grundrente und Pflichtvorsorge

Island erzielt 84,0 Punkte und setzt auf eine steuerfinanzierte Grundrente von bis zu rund 900 Euro im Monat, ergänzt um obligatorische Pensionskassen. Arbeitgeber zahlen 11,5 Prozent des Lohns ein, Beschäftigte mindestens vier Prozent, freiwillig bis zu sechs Prozent. Eine zusätzliche private Vorsorge wird steuerlich gefördert. Viele Ruheständler erreichen so 80 Prozent und mehr ihres letzten Nettoeinkommens. Dänemark kommt auf 82,3 Punkte und nutzt ein ähnliches Mehrsäulenmodell mit Volkspension, verpflichtender betrieblicher Vorsorge und privaten Versicherungen. Das Regelalter steigt bis 2030 auf 68 Jahre und wird danach automatisch an die Lebenserwartung gekoppelt.

Singapur und Israel: hohe Pflichtbeiträge, niedrige Altersarmut

Singapur setzt auf radikale Eigenverantwortung: Der Central Provident Fund (CPF) bündelt bis zu 37 Prozent des Bruttolohns von Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf individuellen Konten. Die staatliche Verwaltung garantiert je nach Kontoart bis zu fünf Prozent jährliche Verzinsung. Aus dem Guthaben werden im Alter monatliche Zahlungen geleistet, zusätzlich kann es für Gesundheit, Wohnen und Bildung genutzt werden. Israel kombiniert eine eher niedrige Grundrente von kaufkraftbereinigt rund 600 Euro mit einer verpflichtenden betrieblichen Vorsorge von 18,5 Prozent des Lohns. Damit erreichen langjährig Versicherte bis zu 70 Prozent Rentenquote, allerdings mit vergleichsweise höherem Risiko für Altersarmut.

Was Deutschland von den Top-Ländern lernen kann

Im Allianz Global Pension Report liegt Deutschland im Vergleich von 75 Staaten zwar auf Platz 14, doch die Autoren kritisieren, dass zu stark auf die aktuelle Rentnergeneration geschaut wird und zu wenig auf künftige Beitragszahler. Besonders gut schneiden Länder ab, die eine steuer- oder beitragsfinanzierte Grundversorgung mit einer starken kapitalgedeckten zweiten Säule verbinden. Dänemark und Niederlande erreichen bei der Rentenhöhe deutlich bessere Werte als die deutsche Nettoersatzquote von laut OECD 70,2 Prozent für Durchschnittsverdiener. Experten fordern daher mehr kapitalgedeckte Vorsorge und eine breitere Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung, um die gesetzliche Umlage-Rente zu entlasten und das System robuster zu machen.