Anhaltender Frost macht viele Gehwege extrem rutschig, während Streusalz in Baumärkten mancherorts kaum noch zu bekommen ist. Gleichzeitig lockern mehrere Städte ihre bisherigen Einschränkungen beim Einsatz von Tausalz. In Berlin darf auf Gehwegen vorübergehend Salz gestreut werden, die Sonderregelung gilt bis zum 14. Februar 2026, meldet Bild. Auch Hamburg gestattet den Einsatz von Streumitteln mit Salzanteil zeitweise auf Geh- und Radwegen, hier endet die Ausnahmeregel am 13. Februar 2026. Für Anwohnerinnen und Anwohner mit Räum- und Streupflicht stellt sich damit verstärkt die Frage, ob im Notfall auch das Salz aus der Küche eingesetzt werden kann – und ob sich das finanziell überhaupt lohnt.
Berlin und Hamburg erlauben Tausalz befristet
In der Hauptstadt umfasst die Sonderregelung sowohl die Berliner Stadtreinigung als auch Anlieger mit Winterdienstpflicht. Auch in Hamburg reagiert die Verkehrsbehörde auf langanhaltenden Frost und lässt Streusalz auf bestimmten Flächen zeitweise zu. Hintergrund sind die Gefahren durch Glatteis auf stark frequentierten Wegen. Normalerweise ist der Einsatz von Tausalz in vielen Kommunen stark eingeschränkt oder untersagt, weil die Mittel Beläge, Beton und Fahrzeuglacke angreifen können. Hinzu kommen ökologische Probleme: Salz gelangt über Schmelzwasser in Böden und Grundwasser, was Stadtbäume, Zierpflanzen und Tiere belastet. Umweltverbände kritisieren daher großzügigen Salzeinsatz seit Jahren. Die aktuellen Sonderfreigaben sind ausdrücklich befristet und können je nach Wetterlage wieder zurückgenommen werden.
Chemischer Unterschied zwischen Streusalz und Speisesalz
Bei Lieferengpässen landet schnell das Päckchen Tafelsalz im Blickfeld. Chemisch haben beide Produkte denselben Hauptbestandteil: Natriumchlorid. Beim Streumittel liegt der Anteil je nach Produkt bei über 95 Prozent, ergänzt um Calciumsulfat sowie Rieselhilfen, Antibackmittel oder Farbstoffe. Diese Zusätze verhindern Verklumpungen, verbessern die Verteilung und machen das Produkt ungenießbar. Speisesalz ist dagegen meist deutlich feiner und enthält andere, auf Lebensmittel abgestimmte Zusätze. Auch Küchensalz kann Eis schmelzen, da der physikalische Effekt identisch ist: Durch die Salzlösung sinkt der Gefrierpunkt. In der Praxis ist Tafelsalz auf Wegen jedoch weniger effizient, weil es schneller verweht, ungleichmäßig verteilt wird und eher verklumpt, wenn größere Mengen feuchter werden. Zudem spielt der Preis eine wichtige Rolle.
Speisesalz im Winterdienst: teuer und ineffizient
„Speisesalz kann im Notfall auch zum Streuen verwendet werden“, erklärt ein Sprecher des Verbands kommunaler Unternehmen e.V. (VKU). „Es ist dafür aber nicht vorgesehen, weil es teurer, feiner und in der Anwendung weniger effizient ist.“ Für das Sicherhalten von Gehwegen werden relativ große Mengen benötigt. Streusalz kostet je nach Gebinde meist zwischen 20 und 80 Cent pro Kilogramm. Handelsübliches Tafelsalz liegt häufig bei etwa 1 bis 2 Euro für dieselbe Menge. Ein finanzieller Vorteil entsteht also nicht, eher im Gegenteil. Hinzu kommt: Salz wirkt nur, wenn eine gewisse Restfeuchtigkeit vorhanden ist. Bei sehr trockenem, tiefem Frost stößt sogar klassisches Tausalz an physikalische Grenzen. Gerade dann reichen großzügige Mengen aus der Küche weder wirtschaftlich noch praktisch aus.
Alternative Streumittel und rechtliche Grenzen
Der VKU-Sprecher empfiehlt bei Dauerfrost ein kombiniertes Vorgehen: „Nicht nur streuen, das Eis muss aufgebrochen, die Eisstücke entfernt werden. Anschließend dann Sand, Splitt oder Granulat gleichmäßig streuen.“ Solche abstumpfenden Mittel verbessern die Trittsicherheit, ohne Boden und Pflanzen im gleichen Maß zu beeinträchtigen wie Chloridsalze. Für Verbraucherinnen und Verbraucher entscheidend: In vielen Städten verbieten die örtlichen Satzungen generell das Streuen von Salz auf Gehwegen – und dieses Verbot gilt dann sowohl für Streuprodukte aus dem Baumarkt als auch für Speisesalz. Wer Bußgelder vermeiden will, sollte die kommunalen Regelungen prüfen und nur dort Tausalz einsetzen, wo eine ausdrückliche Ausnahme geregelt ist. Praktisch sinnvoll ist es, frühzeitig Sand oder Splitt zu bevorraten, um bei Engpässen beim Streumittel handlungsfähig zu bleiben.