Traditionelle Rollenbilder erleben online ein Comeback – mit handfesten Folgen für Einkommen und finanzielle Sicherheit. Influencerinnen, die als „perfekte Hausfrauen“ auftreten, und polarisierende Figuren wie Andrew Tate prägen laut Stern die Timeline vieler junger Nutzer. Grundlage sind Ipsos-Daten aus 29 Ländern, befragt wurden 23.000 Menschen ab 16 Jahren, darunter die Jahrgänge 1997 bis 2012. Wenn junge Männer häufiger an Gehorsam der Ehefrau und männliche Ernährerrollen glauben, wirkt sich das direkt auf Erwerbsbeteiligung, Gehaltsverhandlungen und Altersvorsorge von Frauen aus – und auf das Haushaltsbudget insgesamt.
31 Prozent: Gehorsam der Ehefrau und finanzielle Abhängigkeit
Fast jeder dritte Gen‑Z‑Mann (31 Prozent) findet, eine Ehefrau solle ihrem Mann immer gehorchen, berichtet der Stern. Unter jungen Frauen stimmen nur 18 Prozent zu. Bei den männlichen Babyboomern liegt der Anteil bei 13 Prozent, bei Boomer-Frauen bei 6 Prozent.
Solche Einstellungen begünstigen eintraditionelles Alleinverdiener-Modell: Der Mann verantwortet das Einkommen, die Frau übernimmt unbezahlte Care-Arbeit. Ökonomisch erhöht das die Abhängigkeit der Partnerin, schwächt ihre Verhandlungsposition bei Trennung und senkt eigene Rentenansprüche.
Für Familien bedeutet ein einziges Haupteinkommen zudem mehr Risiko bei Jobverlust oder Krankheit des Ernährers.
„Wenn Frauen profitieren, verliere ich“: Konflikte um Einkommen
Rund 29 Prozent der befragten Gen‑Z‑Männer aus Ländern wie Thailand, Mexiko, Südafrika, Italien, Australien, den USA und Japan sehen Probleme, wenn die Ehefrau mehr verdient als der Ehemann. Bei Boomer-Männern sagen das 18 Prozent.
Die Haltung „Wenn Frauen profitieren, verliere ich“ beschreibt Robert Grimm, Leiter Politikforschung bei Ipsos, als Ausdruck von Statusunsicherheit. Finanzpsychologisch entsteht daraus ein Nullsummen-Denken: höheres Gehalt der Partnerin wird nicht als Stärkung des Haushaltsbudgets wahrgenommen, sondern als Bedrohung. Das kann dazu führen, dass Frauen gut bezahlte Jobs oder Beförderungen seltener annehmen – mit langfristigen Einbußen bei Lohnentwicklung, Sparquote und Vermögensaufbau.
Digitale Plattformen als Treiber ungleicher Geldentscheidungen
„Digitale Ökosysteme verstärken die Polarisierung, weil Social-Media-Algorithmen zugespitzte Botschaften belohnen“, so Grimm laut Bild. Finanz- und Lifestyle-Content im Netz propagiert häufig extrem traditionelle oder extrem individualistische Lebensentwürfe.
Für Verbraucherinnen bedeutet das: Wer seine Informationsquellen nicht reflektiert, übernimmt womöglich Rollenbilder, die die eigene wirtschaftliche Unabhängigkeit schwächen. Bleibt etwa die Frau länger in Teilzeit, während der Mann Vollzeit arbeitet und Vermögen aufbaut, entsteht ein wachsender Wohlstandsunterschied innerhalb der Partnerschaft.
Für Paare empfiehlt sich daher, Gehälter, Sparziele und Investitionen transparent zu planen – etwa durch gemeinsames Haushaltsbuch, paritätische Rücklagen und individuelle Notgroschen.
Deutschland: breite Unterstützung für faire Aufgabenteilung
Die Ipsos-Daten zeigen für Deutschland ein differenzierteres Bild: Nur rund 10 Prozent glauben, Frauen hätten Vorteile, wenn Männer an traditionellen Männlichkeitsnormen festhalten, meldet der Stern. Das ist der niedrigste Wert unter den 29 untersuchten Staaten.
Zugleich wünschen sich hierzulande rund drei Viertel eine gleichmäßige Verteilung von Kindererziehung (73 Prozent), Erwerbsarbeit (75 Prozent) und Haushaltstätigkeiten (77 Prozent).
Für die Finanzplanung eröffnet das Potenziale: Wer tatsächlich beide Partner in bezahlte Arbeit einbindet und unbezahlte Aufgaben teilt, kann Risiken breiter streuen, zwei Rentenansprüche aufbauen und Spielräume für gemeinsames Sparen und Investieren schaffen – etwa für Wohneigentum, Bildungskosten oder private Altersvorsorge.