Wer mit Anfang oder Mitte 50 ernsthaft mit Vermögensaufbau und Altersvorsorge startet, muss Zeitknappheit und hohes Sicherheitsbedürfnis unter einen Hut bringen. Laut Stiftung Warentest lassen sich mit einem strukturierten Finanzplan jedoch noch wichtige Weichen stellen – vom Immobilienkauf über den gezielten Depotaufbau bis zur Absicherung für Pflegekosten. Parallel erläutert Bitpanda-Co-CEO Lukas Enzersdorfer-Konrad, wie ein Portfolio aus Aktien, ETFs und Kryptowährungen für Späteinsteiger aussehen kann. Entscheidend ist ein klarer Anlagehorizont: Wie viele Jahre bleiben bis zur Rente und soll Kapital vor allem wachsen oder hauptsächlich erhalten werden?
Finanzplan 50 plus: Vier Modellfälle und Versicherungs-Check
Die Verbraucherorganisation Stiftung Warentest hat einen „Finanzplan 50 plus“ anhand von vier typischen Lebenssituationen entwickelt: drei Paare und eine alleinstehende Frau. In den Beispielen geht es um den Kauf einer selbst genutzten Immobilie, den systematischen Vermögensaufbau mit Wertpapieren und die finanzielle Vorsorge für den Pflegefall. Ergänzend analysieren die Tester Depotstrukturen und bewerten, welche Onlinebroker für Menschen im fortgeschrittenen Erwerbsalter besonders kostengünstig sind. Ein Schwerpunkt liegt auf Versicherungen: genannt werden Policen, die als unverzichtbar gelten, sowie Verträge, die nur ergänzenden Schutz liefern und deshalb genau geprüft werden sollten.
Bitpanda-Chef: Fokus verschiebt sich zu Vermögenserhalt
"Allerdings verschiebt sich ab 50 der Fokus. In dem Alter geht es nicht mehr nur um Vermögensaufbau, sondern zunehmend auch um Vermögenserhalt. Investieren lohnt sich weiterhin, aber mit klarer Vorstellung über Anlagehorizont und Ziele“, so Lukas Enzersdorfer-Konrad laut morgenpost.de. Als Basis empfiehlt er breit gestreute ETFs auf große Indizes wie den MSCI World oder regionale Märkte in den USA oder Europa. Wer an das globale Wirtschaftswachstum glaubt, könne so kostengünstig partizipieren. Hinzu kommen je nach Risikobereitschaft Einzelaktien oder alternative Anlagen. In risikoreiche Bereiche wie Kryptowährungen sollten nach seiner Einschätzung nur etwa drei bis 15 Prozent des Gesamtportfolios fließen, immer abhängig vom persönlichen Profil und der Verlusttoleranz.
Portfolioaufteilung ab 50: Konkrete Faustregeln
Für Anleger mit rund 15 Jahren bis zur Rente nennt Enzersdorfer-Konrad eine Beispielaufteilung: 60 bis 70 Prozent des Vermögens in breit gestreute ETFs, 20 bis 30 Prozent in ausgewählte Einzelaktien oder andere Anlageklassen und davon wiederum etwa zehn bis 15 Prozent in sehr schwankungsanfällige Werte wie Bitcoin oder Ethereum. Der MSCI World könne als Kerninvestment dienen, ergänzend sei eine stärkere Gewichtung von US-Technologieaktien, europäischer Industrie oder Wachstumsregionen in Südostasien denkbar. Wichtig sei eine bewusste Entscheidung, welche Wirtschaftsregionen langfristig die besten Chancen bieten. Eine starre Einheitslösung gibt es nach Einschätzung des Experten jedoch nicht.
Sparplan oder Einmalanlage: Typische Fehler vermeiden
Viele Menschen über 50 verfügen bereits über Ersparnisse. Für regelmäßige Beträge aus dem laufenden Einkommen hält der Bitpanda-Manager Sparpläne auf ETFs oder andere Wertpapiere für „einfach und effektiv“. Bei größeren Summen aus Erbschaft oder Verkauf eigne sich dagegen eher eine durchdachte Einmalanlage mit klarer Streuung über verschiedene Anlageklassen. Ein häufiger Fehler sei der Versuch, den perfekten Einstiegszeitpunkt abzupassen. „In den meisten Fällen ist es besser, überhaupt zu investieren, als auf den idealen Moment zu warten“, betont Enzersdorfer-Konrad. Wer neu startet und unsicher ist, sollte nach seiner Empfehlung mit kleinen Beträgen beginnen und so schrittweise Markterfahrung sammeln.