Hohe Einstiegsgehälter galten lange als starkes Argument für Jobs in Finanzen, Recht und Autoindustrie. 2026 fällt die Bilanz beim Lohnwachstum jedoch ernüchternd aus. Nach Angaben aus dem aktuellen Gehaltscheck von Kununu zählen genau diese Bereiche zu den schwächsten beim Gehaltsplus in Deutschland. Für Beschäftigte ist das vor allem bei Wechseln, Beförderungen und Gehaltsgesprächen relevant: Wer nur auf den bekannten Namen einer Branche schaut, übersieht schnell, dass die Einkommensentwicklung über Jahre deutlich flacher verlaufen kann als in dynamischeren Sektoren, wie wmn.de berichtet.

Automobilindustrie: Nur 0,1 Prozent mehr Gehalt

Am schwächsten schneidet die Automobilindustrie ab. Das Plus liegt bei gerade einmal 0,1 Prozent und damit praktisch auf Stillstand. Hintergrund sind hohe Investitionen in Elektromobilität, schwächere Verkäufe, vor allem in China, sowie wachsender Preisdruck durch asiatische Wettbewerber. Dazu kommen Überkapazitäten und Sparprogramme in vielen Konzernen. Für Arbeitnehmer bedeutet das einen sehr kleinen Spielraum bei Verhandlungen. Hinzu kommen Jobverluste: Bis Ende des dritten Quartals 2025 gingen zehntausende Stellen verloren, so businessinsider.de. Gerade für Fachkräfte wird damit wichtiger, wie stabil der Arbeitgeber finanziell aufgestellt ist.

Rechtsbranche: 1,3 Prozent trotz hohem Gehaltsniveau

Auch in Kanzleien und Rechtsabteilungen bleibt das Lohnwachstum mager. Der Zuwachs liegt bei 1,3 Prozent, obwohl das allgemeine Gehaltsniveau in der Branche weiterhin vergleichsweise hoch ist. Ein Grund ist der stärkere Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Standardaufgaben wie Recherchen oder Vertragsprüfungen lassen sich zunehmend automatisieren. Das trifft besonders Tätigkeiten, die bislang oft von Berufseinsteigern übernommen wurden. Viele Arbeitgeber setzen deshalb eher auf Boni oder variable Vergütung statt auf breite Erhöhungen. Für Berufsanfänger zählt damit nicht nur das Einstiegsgehalt, sondern auch, welche Aufgaben langfristig gefragt bleiben.

Finanzsektor: 2,4 Prozent und weniger Dynamik

Im Finanzsektor fällt der Anstieg mit 2,4 Prozent zwar höher aus als in den beiden anderen Bereichen, bleibt aber ebenfalls unterdurchschnittlich. Banken und andere Finanzunternehmen kämpfen seit Jahren mit strengeren Regeln, Digitalisierung, Filialabbau und automatisierten Prozessen. Dazu kommt, dass Spitzengehälter in einzelnen Funktionen laut den ausgewerteten Daten bereits rückläufig sind, während stärker in Nachwuchskräfte investiert wird. Für Beschäftigte heißt das: Solide Einkommen sind weiterhin möglich, große Sprünge werden jedoch seltener. Wer auf eine schnelle Gehaltskarriere setzt, findet in anderen Wirtschaftszweigen teils mehr Bewegung.

Karriereplanung: Branche nicht nur nach Einstiegslohn bewerten

Für die eigene Laufbahn ist deshalb der Blick auf die Gehaltsdynamik mindestens so wichtig wie das erste Angebot im Arbeitsvertrag. Ein attraktives Anfangsgehalt verliert an Wert, wenn über Jahre kaum Aufschläge folgen. Gerade in stagnierenden Bereichen kann das die Einkommensentwicklung merklich bremsen. Sinnvoll ist daher ein Vergleich mehrerer Faktoren: Entwicklung der Branche, Automatisierungsrisiken, Zahl der Entlassungen und Perspektiven für Weiterqualifizierung. Wer flexibel bleibt und den Sektor nicht nur nach Prestige auswählt, kann mit einem moderateren Einstieg langfristig finanziell besser fahren als in einem einstigen Top-Bereich mit kaum wachsendem Lohn.