Was ein gutes Gehalt ist, hängt stark von Wohnort, Branche und Lebenssituation ab. Trotzdem orientieren sich viele Menschen zunächst am Durchschnittsgehalt. Nach Daten des Statistischen Bundesamts lag es bei Vollzeitbeschäftigten zuletzt bei 4.784 Euro brutto im Monat, also 54.066 Euro im Jahr ohne Sonderzahlungen. Damit ist der Wert seit 2019 klar gestiegen. Gleichzeitig liegt die Kennzahl für viele Beschäftigte zu hoch, denn knapp zwei Drittel erreichen dieses Niveau nicht. Genau deshalb reicht der Blick auf den Durchschnitt allein für eine realistische Einordnung kaum aus.
52.159 Euro Median, 62.235 Euro Durchschnitt
Wichtiger als der reine Mittelwert ist oft der Median. Er markiert genau den Punkt, an dem die eine Hälfte der Vollzeitbeschäftigten mehr und die andere Hälfte weniger verdient. Wie Focus berichtet, lag dieser mittlere Bruttojahresverdienst inklusive Sonderzahlungen zuletzt bei 52.159 Euro. Das arithmetische Mittel kam dagegen auf 62.235 Euro. Der Abstand ist erheblich und entsteht vor allem durch sehr hohe Einkommen am oberen Rand. Für Verbraucher heißt das: Wer seinen Lohn mit dem Durchschnitt vergleicht, schätzt die tatsächliche Einkommensmitte in Deutschland schnell zu hoch ein.
6.279 Euro in Finanzjobs, 3.172 Euro in der Landwirtschaft
Groß sind die Unterschiede auch zwischen einzelnen Wirtschaftszweigen. Laut wiwo.de kamen Vollzeitkräfte in Finanz- und Versicherungsdienstleistungen im Schnitt auf 6.279 Euro brutto im Monat. Im öffentlichen Dienst waren es 4.727 Euro. Deutlich darunter lagen Land- und Forstwirtschaft inklusive Fischerei mit 3.172 Euro sowie Hotellerie und Gastronomie mit 3.185 Euro. Solche Abstände sind für Gehaltsverhandlungen relevant, weil ein Einkommen immer im passenden Marktumfeld bewertet werden sollte. Ein bundesweiter Mittelwert hilft als erste Orientierung, ersetzt aber keinen Vergleich innerhalb der eigenen Branche.
Mecklenburg-Vorpommern bei 47.750 Euro Median
Neben dem Beruf zählt auch der Arbeitsort. Wie wmn.de berichtet, liegen im StepStone-Gehaltsreport die westdeutschen Bundesländer vorn, während mehrere ostdeutsche Länder die hinteren Plätze einnehmen. Mecklenburg-Vorpommern bildet mit einem Mediangehalt von 47.750 Euro das Ende der Liste. Bundesweit nennt der Report einen Median von 53.900 Euro. Hinzu kommt die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen. Der unbereinigte Gender Pay Gap liegt weiter bei 16 Prozent, bereinigt sind es laut Statistischem Bundesamt rund sechs Prozent. StepStone beziffert den bereinigten Abstand auf 4,8 Prozent.
EU-Richtlinie bringt mehr Einblick in Gehaltsdaten
Für Beschäftigte dürfte der Vergleich von Einkommen bald einfacher werden. Bis Juni 2026 müssen die EU-Staaten die Lohntransparenzrichtlinie in nationales Recht umsetzen. Dann sollen Arbeitgeber Gehaltsspannen im Bewerbungsprozess offenlegen, Auskünfte zu Vergütungen in vergleichbaren Positionen ermöglichen und Benachteiligungen nach solchen Nachfragen untersagen. Zusätzlich arbeiten Rechner wie der des IW Köln mit Perzentilen. Wer dort etwa über 70 Prozent der Vollzeitbeschäftigten liegt, verdient mehr als 70 von 100 Vergleichspersonen. Für die private Finanzplanung ist das oft hilfreicher als der Blick auf eine einzige Durchschnittszahl.