Viele Mütter und Väter fragen sich schon im Kreißsaal, wie sich ihr Kind geistig entwickeln wird. Antworten darauf geben nun Daten von mehr als 5000 Neugeborenen aus einer Untersuchung der Ruhr-Universität Bochum. Das Team um Gynäkologe Prof. Arne Jensen nutzte frühe Ultraschallbilder des Schädels und verglich sie Jahre später mit Ergebnissen von Intelligenztests und neurologischen Checks. Entscheidend war dabei nicht ein einzelner Messwert, sondern eine einfache Rechenformel: das Verhältnis von Geburtsgewicht zum Kopfumfang wenige Tage nach der Geburt. Laut wmn.de zeigt dieser Wert einen statistischen Zusammenhang zur psychomotorischen Entwicklung im Alter von vier Jahren.

Ruhr-Uni Bochum: 5301 Säuglinge im Langzeitvergleich

Für die Auswertung analysierten die Forschenden die Daten von 5.301 Babys, darunter 571 Frühgeborene. Fünf bis acht Tage nach der Entbindung wurden Ultraschallscreenings des Kopfes durchgeführt. Im Durchschnittsalter von vier Jahren folgten standardisierte Untersuchungen von Motorik, neurologischem Status und Intelligenzquotient. Die Auswertung ergab: Je höher das Geburtsgewicht in Relation zum Kopfumfang, desto günstiger fiel die Entwicklung der Kinder aus. „Diese Ergebnisse ermöglichen eine frühzeitige Intervention und unterstützen Strategien zur Förderung schulischer Leistungen und des Bildungserfolgs im späteren Leben“, so Arne Jensen, Campus Klinik Gynäkologie, zitiert nach Focus. Veröffentlicht wurden die Resultate im Fachjournal „American Journal of Obstetrics and Gynecology Global Reports“.

Frühgeborene und Untergewicht: erhöhtes Entwicklungsrisiko

Besonders deutlich zeigte sich der Zusammenhang bei Frühchen und Neugeborenen mit niedrigem Gewicht. Unter 2800 Gramm gilt ein Baby als untergewichtig, das übliche Spektrum liegt bei 2800 bis 4200 Gramm. Der durchschnittliche Kopfumfang gesunder Neugeborener bewegt sich zwischen 34 und 37 Zentimetern, Frühgeborene erreichen häufig nur etwa 26 Zentimeter. Wenn bei Kindern mit kleinerem Kopf zusätzlich ein geringes Gewicht vorliegt, häufen sich im Schnitt Defizite bei Motorik und kognitiven Fähigkeiten. So ist die Berechnung „Geburtsgewicht geteilt durch Kopfumfang“ ein einfach anwendbarer Screening-Wert, der auffällige Kinder für eine engmaschige Nachkontrolle markiert – auch dann, wenn sie zunächst äußerlich unauffällig wirken.

Intelligenz fördern: 4 Strategien von Lernforscherin Stern

Neben biologischen Startbedingungen betont Lernforscherin Elsbeth Stern, dass das Umfeld die geistige Entwicklung weiter beeinflusst. Gegenüber Focus nennt sie vier alltagstaugliche Maßnahmen. Erstens: Vorlesen und später eigenes Lesen, weil Sprache, Wortschatz und Konzentration davon profitieren. Studien verknüpfen sogar die Größe der häuslichen Bibliothek mit besseren Testergebnissen. Zweitens: früher Kontakt zu Gleichaltrigen, da Kinder beim Spielen untereinander weniger gehemmt sind, Interessen teilen und Neues ausprobieren – ein wichtiges Training für Denkprozesse. Drittens: Stillen, denn Muttermilch wird in Langzeitstudien mit besseren kognitiven Leistungen in Verbindung gebracht. Viertens: klug dosiertes Lob, das nicht direkt den IQ erhöht, aber die Lernmotivation stärkt.

Elternalltag: Förderung ohne Leistungsdruck

Trotz der klaren statistischen Befunde warnen Fachleute davor, einzelne Messwerte zu überbewerten. Ein ungünstiges Verhältnis von Gewicht und Kopfumfang bedeutet kein festgeschriebenes Schicksal, sondern zeigt vor allem, wann genauer hingeschaut werden sollte. Wichtig bleibt eine geborgene, stressarme Umgebung, in der Fehler erlaubt sind und Lernfreude wachsen kann. Laut wmn.de sollten Mütter sich nicht mit anderen Familien vergleichen, sondern bei Überforderung frühzeitig Unterstützung im sozialen Umfeld oder bei Beratungsstellen suchen. Für die Gesundheitsversorgung eröffnet die Studie neue Möglichkeiten, Kinder mit erhöhtem Risiko frühzeitig in Förderprogramme zu bringen – von Ergotherapie über Sprachförderung bis zu speziellen Vorschulangeboten.