Die geplante Rentenreform könnte den klassischen Minijob grundlegend verändern. Nach den Vorschlägen der Rentenkommission soll der bisherige Sonderstatus geringfügiger Beschäftigung weitgehend entfallen. Künftig würden damit deutlich mehr Nebenjobs in die Sozialkassen einbezogen. Für Beschäftigte ist das vor allem eine Rentenfrage: Wer ab dem ersten Euro einzahlt, sammelt Ansprüche bei Rente, Krankheit und im Krisenfall. Gleichzeitig wächst die Sorge in Hotels, Restaurants und Cafés, dass das Modell für viele Aushilfen finanziell an Reiz verliert und Schichten schwerer zu besetzen sind.

Dehoga im Saarland spricht von „Frontalangriff„

Der Hotel- und Gaststättenverband im Saarland kritisiert die Pläne scharf. Gerade im Gastgewerbe seien flexible Aushilfen unverzichtbar, weil sie Wochenenddienste, Veranstaltungen oder das Frühstücksgeschäft abdeckten, wie sr.de berichtet. Nach Angaben des Verbands arbeitet im Saarland rund die Hälfte des Gastro-Personals in geringfügiger Beschäftigung. Der Dehoga warnt deshalb vor Folgen für den Betriebsalltag. Wenn Minijobs unattraktiver würden, könnten Dienste unbesetzt bleiben. Der Verband verlangt ein Ersatzmodell für Nebentätigkeiten, damit zusätzliche Arbeit nicht steuerlich oder finanziell an Attraktivität verliert.

NGG verweist auf fehlende Absicherung in der Corona-Zeit

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Region Saar hält die Kritik für zu kurz gegriffen. Aus ihrer Sicht geht es nicht um ein Verbot von Nebenjobs, sondern um die Einbeziehung in die sozialen Sicherungssysteme. Während der Corona-Pandemie habe sich gezeigt, wie unsicher diese Beschäftigungsform sein kann. Weil viele Betroffene keine Beiträge zahlten, hatten sie auch keinen Anspruch auf Kurzarbeit. Die Folge seien „reihenweise Kündigungen" gewesen, viele Beschäftigte seien „einfach vor die Tür gesetzt„ worden. Die NGG nennt die Reform einen „notwendigen Schritt hin zu mehr Fairness".

Verdi warnt vor Altersarmut bei Frauen mit einzigem Nebenjob

Auch Verdi unterstützt seit Langem ein Ende des bisherigen Sonderstatus. Die Gewerkschaft verweist darauf, dass Minijobs oft nicht nur ein Zuverdienst seien. Gerade Frauen hätten sie vielfach als einzige Erwerbsarbeit ausgeübt und dadurch zu wenig in die Rentenkasse eingezahlt. Das erhöhe das Risiko von Altersarmut. Verdi rechnet damit, dass viele dieser Jobs in sozialversicherungspflichtige Teilzeitstellen übergehen könnten, mit mehr Absicherung und mehr möglichen Arbeitsstunden. Für Verbraucher ist genau das der Kern der Debatte: kurzfristig weniger Netto, dafür mehr Schutz bei Krankheit, Arbeitsausfall und im Alter.

Bochumer Gastronomen fürchten weniger Netto und Personalmangel

Aus der Praxis kommt scharfer Gegenwind. Lars Martin vom Dehoga Westfalen warnt laut www1.wdr.de: „Wer den Minijob faktisch abschafft, nimmt den Gastronomen genau die notwendige Flexibilität", so Martin laut www1.wdr.de. Der Bochumer Gastronom Seran Bahtijari verweist auf bereits hohe Lohnnebenkosten von bis zu 32,5 Prozent und befürchtet fehlende Stundenkräfte zu Stoßzeiten. Auch Schichtleiter Jan Klöpper hält den Vorschlag für unattraktiv, weil vom Zusatzverdienst mehr Abgaben abgingen. Für Beschäftigte läuft die Abwägung damit auf einen klaren Konflikt hinaus: mehr soziale Sicherheit gegen weniger sofort verfügbares Einkommen.