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Rund 500.000 Steuerpflichtige könnten bundesweit von einem neuen Verfahren profitieren: Das Finanzamt erstellt die Steuererklärung weitgehend selbst. Thüringen gehört neben Hessen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein zu den fünf Ländern, die das Projekt 2026 starten. Laut datenbank.nwb.de läuft das Angebot unter dem Namen „Die Steuer macht jetzt das Amt für Sie". Für viele Menschen mit einfachen Einkünften aus Arbeit oder Rente bedeutet das: weniger Formulare, weniger Eingaben und schneller ein Steuerbescheid.
40.000 Thüringer kommen zuerst infrage
In Thüringen könnten nach Angaben aus dem Projekt zunächst etwa 40.000 Menschen profitieren, die ihre Erklärung bislang ohne Steuerberater oder Lohnsteuerhilfe erstellt haben. Die ersten 6.000 Schreiben wurden bereits in Erfurt und Ilmenau verschickt. Wer einen vorbereiteten Festsetzungsvorschlag erhält, muss ihn nur noch prüfen, unterschreiben und bis Ende Juli zurücksenden. Ehepaare müssen dem Vorschlag aktiv zustimmen. Wenige Tage später folgt der Bescheid. Niemand ist verpflichtet mitzumachen; eine eigene Abgabe über ELSTER bleibt weiterhin möglich.
80 Prozent reichen schon digital ein
Der Vorstoß hat einen einfachen Hintergrund: Viele Daten liegen den Finanzämtern längst digital vor. Dazu zählen Lohnsteuerbescheinigungen, Renteninformationen und gemeldete Versicherungsbeiträge. „Warum sollen Bürger diese Daten noch einmal in Formulare übertragen?", so Maik Kowalleck laut ad-hoc-news.de. In Thüringen kommt hinzu, dass rund 80 Prozent ihre Steuererklärung bereits digital einreichen. Das erleichtert die Umstellung. Das Projekt ergänzt ELSTER, ersetzt es aber nicht. Passend dazu heißt es aus dem Umfeld der Finanzverwaltung: „Elster und Amsel widersprechen sich nicht".
Kassel lieferte 2025 die ersten Ergebnisse
Die Blaupause kommt aus Hessen. Dort begann das Modell 2025 im Finanzamt Kassel mit zunächst 6.000 ausgewählten Fällen. Die Bilanz fiel deutlich aus: Rund 75 Prozent stimmten dem Vorschlag zu, nur ein kleiner Teil machte nachträglich Änderungen geltend oder reichte doch noch eine eigene Erklärung ein. Der große Rest ließ das Amt arbeiten. „Wir treten anders auf", sagte Amtsvorsteher Jörg Schlemmer laut zdfheute.de. Gemeint ist ein Rollenwechsel: weg vom reinen Prüfapparat, hin zu einer Verwaltung, die konkrete Arbeit abnimmt und Verfahren vereinfacht.
Zusätzliche Kosten weiter selbst prüfen
Trotz des Komforts bleibt die Kontrolle wichtig. Wer Werbungskosten, Handwerkerleistungen, Spenden oder hohe Krankheitskosten geltend machen will, sollte den Vorschlag genau prüfen. Gerade bei individuellen Ausgaben kann eine selbst ergänzte Erklärung finanziell günstiger sein als die reine Zustimmung. Der Bund der Steuerzahler begrüßt das Modell als Schritt zum Bürokratieabbau, verweist laut steuerzahler-thueringen.de aber ebenfalls auf die Prüfungspflicht. Praktisch heißt das: Vorschlag nicht blind unterschreiben, sondern Belege mit den übernommenen Daten abgleichen und fehlende Posten vor der Zustimmung ergänzen.