Fettleber ohne Alkohol gilt in Deutschland inzwischen als häufigste Lebererkrankung, Millionen Menschen sind betroffen – oft unbemerkt, weil das Organ lange keine Schmerzen verursacht, meldet tagesschau.de. Die Leber lagert überschüssige Kalorien aus Zucker und Fett als Depot ein, schwillt teils bis auf die doppelte Größe an und kann sich entzünden. Fachleute sprechen heute von „metabolischer Fettleber“, um den gestörten Stoffwechsel in den Mittelpunkt zu stellen. Gefährlich wird es, wenn aus der Verfettung eine Entzündung mit Fibrose entsteht – dann drohen Zirrhose und Leberkrebs. Umgekehrt zeigt sich: Wer Ernährung, Fastenzeiten und Alltagsbewegung kombiniert, kann das Organ messbar entlasten.
Professor Stefan: Intervallfasten senkt Leberfett um ein Drittel
Diabetologe Norbert Stefan von der Uniklinik Tübingen untersucht, wie Intervallfasten Leberfett abbaut. In einer Studie aß eine Patientin nur zwischen 8 und 16 Uhr, danach folgte eine 16-stündige Pause. Innerhalb von vier Wochen verlor sie vier Kilo – das MRT zeigte zugleich einen Rückgang des Leberfetts um ein Drittel. „Dieses Fett in der Leber zu reduzieren, ist wirklich schwierig. Dass sie das erreicht hat, mit dem Intervallfasten, begeistert mich“, so Stefan laut swr.de. Fachlich dahinter steht Autophagie: In längeren Esspausen sinken Blutzucker und Insulin, gespeicherte Fettsäuren werden freigesetzt und in der Muskulatur verbrannt – auch aus der Leber.
Ernährungs-Expertin Schrempf: Zuckerfallen meiden, früh essen
Ernährungswissenschaftlerin Elisabeth Schrempf rät dazu, bei Leberproblemen vor allem versteckten Zucker zu reduzieren. Trockenfrüchte im Fertigmüsli – Datteln, Feigen, Rosinen – liefern viele schnell verfügbare Kohlenhydrate. Beeren wie Heidelbeeren seien die bessere Wahl, weil sie deutlich weniger Zucker enthalten. Wichtig sind ausreichend Eiweiß und Ballaststoffe, damit das Sättigungsgefühl anhält und Fastenphasen leichter fallen. Sinnvoll ist ein früher Essensbeginn und ein Ende der letzten Mahlzeit am Nachmittag: Die Zeit bis zum Schlafengehen lässt sich für Bewegung nutzen, wodurch Glukose und Insulinspitzen wieder abgebaut werden und weniger Fett in die Leber eingelagert wird.
Abnehmspritze Semaglutid: Chance mit klaren Grenzen
Für Menschen mit Adipositas, Typ-2-Diabetes und Fettleber kann die Abnehmspritze mit Semaglutid ein zusätzlicher Baustein sein. Endokrinologe Matthias Blüher von der Uniklinik Leipzig berichtet von Patientinnen und Patienten, bei denen sich unter der wöchentlichen Injektion nicht nur Gewicht und Blutzucker, sondern auch die Leberwerte besserten. Semaglutid wirkt als Darmhormon, steigert die Insulinfreisetzung, verzögert die Magenentleerung und sendet Sättigungssignale, wodurch die Kalorienzufuhr sinkt. Gleichzeitig warnt Blüher vor unkritischer Anwendung: Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen sowie seltene Pankreas- oder Gallenblasenentzündungen gehören zu den bekannten Risiken. Für ihn ist die Therapie „immer eine Risiko-Nutzen-Abwägung“, die in ärztliche Hand gehört.
Resmetirom: Erstes gezieltes Medikament bei MASH
Neu ist der Wirkstoff Resmetirom, der bei metabolischer Steatohepatitis (MASH) mit Fibrose eingesetzt wird. Laut tagesschau.de hat die EMA das Mittel für Europa zugelassen; es bindet in der Leber an den Schilddrüsenrezeptor THR-ß, kurbelt den Fettstoffwechsel an und senkt Triglyceride. In der Phase-III-Studie MAESTRO-NASH erreichten nach 52 Wochen rund 30 Prozent der Patienten mit 100 Milligramm Resmetirom eine Auflösung ihrer MASH, bei Placebo waren es etwa zehn Prozent. Gleichzeitig besserte sich bei etwa einem Viertel der Behandelten die Fibrose um mindestens ein Stadium. Häufige Nebenwirkungen sind Durchfall, Übelkeit und Juckreiz. Leitlinien sehen weiterhin Gewichtsreduktion, regelmäßige Bewegung, Stresspausen, moderaten Kaffeekonsum sowie den Verzicht auf späte, üppige Mahlzeiten als Basis – Medikamente ergänzen diese Strategien, ersetzen sie aber nicht.