Wer heute im Beruf steht, kann im Alter oft nicht vom gesetzlichen Rentensystem allein leben. Die sogenannte Rentenlücke ist für viele absehbar, immer mehr Beschäftigte legen daher privat Geld zurück. Nach einer aktuellen Auswertung des Deutschen Instituts für Altersvorsorge wollen 41 Prozent der Befragten in den kommenden zwölf Monaten etwas für eine zusätzliche finanzielle Absicherung tun – 2023 waren es 36, im Jahr 2020 noch 25 Prozent. Nur ein Viertel fühlt sich ausreichend abgesichert, rund zwei Drittel rechnen mit einem niedrigeren Lebensstandard nach dem Ruhestand, meldet abendzeitung-nuernberg.com. Finanzberaterinnen wie die tecis-Expertinnen verweisen auf individuelle Strategien, die möglichst früh beginnen sollten.
41 Prozent planen zusätzliche Altersvorsorge
Die gestiegene Bereitschaft zu eigenen Rücklagen hängt unmittelbar mit der Sorge um die Kaufkraft der späteren Rentenzahlungen zusammen. Die Umfrage des Deutschen Instituts für Altersvorsorge, auf die sich die tecis Finanzdienstleistungen AG in einem LinkedIn-Beitrag bezieht, zeigt, dass vor allem Jüngere stärker in Wertpapiere einsteigen wollen. Gleichzeitig sinkt der Anteil derer, die allein auf das umlagefinanzierte System vertrauen. So sieht ein Großteil der Erwerbstätigen die eigene Ruhestandsplanung inzwischen als persönliche Kernaufgabe. Auffällig ist, dass auch Menschen mit mittlerem Einkommen vermehrt nach ergänzenden Bausteinen suchen, etwa Sparplänen oder Betriebsrenten.
ETF-Sparpläne als günstiger Standardbaustein
Für viele Sparerinnen und Sparer werden börsengehandelte Indexfonds zum zentralen Instrument der privaten Vorsorge. Die Verbraucherzentralen empfehlen ETF-Sparpläne auf breit gestreute Weltindizes, weil diese Produkte verhältnismäßig geringe Kosten, hohe Transparenz und große Flexibilität verbinden. Parallel dazu steigt die Akzeptanz von Aktien und Fonds allgemein: 28 Prozent der Berufstätigen bewerten sie laut HDI Berufe-Studie 2025 positiv für den Ruhestand – der höchste Wert seit 2019, berichtet n-tv.de. Entscheidend ist die Anpassung an Risikoprofil, Anlagehorizont und vorhandene Rücklagen; Mischmodelle aus ETF, Tagesgeld und Versicherungen gelten als praxistaugliche Kombination.
Weitere Alternativen: Riester, Rentenversicherung, Immobilie
Wer Wertpapiere scheut, kann andere Wege nutzen. Die Stiftung Warentest nennt unter anderem die Riester-Rente mit staatlichen Zulagen, private Rentenversicherungen mit lebenslanger Zahlung und selbstgenutzte Immobilien, um später mietfrei zu wohnen. Jede Variante bringt eigene Risiken: Bei Riester zählen komplizierte Regeln, bei Policen Kostenstrukturen und lange Bindung, bei Immobilien die Abhängigkeit vom regionalen Markt. Ein Beratungstermin bei einer neutralen Stelle hilft, Fördermöglichkeiten, Steuereffekte und Hinterbliebenenschutz zu klären. Für viele Haushalte ist ein gestufter Aufbau sinnvoll – erst Schuldenabbau und Notgroschen, danach langfristige Anlagen.
Betriebsrente, Kapitaldeckung und politische Debatte
Parallel zur privaten Vorsorge rückt die betriebliche Altersversorgung stärker in den Fokus der Koalition. Bundeskanzler Friedrich Merz will die Betriebsrenten ausbauen und kapitalgedeckte Elemente stärken, meldet mdr.de. In Unternehmen gibt es zwei Grundmodelle: arbeitgeberfinanzierte Zusagen und Entgeltumwandlung mit mindestens 15 Prozent Zuschuss des Betriebs. Gewerkschaften wie die IG Metall kritisieren, die Pläne spielten Finanzinstituten in die Hände, während Millionen Beschäftigte kaum Spielraum zum Sparen hätten. Die Grünen fordern, das aktuelle Rentenniveau von 48 Prozent dauerhaft zu sichern, während Union und SPD über einen erweiterten Kapitalstock und obligatorische Betriebsrenten diskutieren; dabei fällt häufig der Begriff Notwendigkeit von Reformen.