Die Frage, ab wann jemand in Deutschland als „reich“ gilt, hat zwei Ebenen: Steuerrecht und Einkommensstatistik. Steuerlich markiert ein zu versteuerndes Jahreseinkommen von 66.760 Euro den Einstieg in den Spitzensteuersatz von 42 Prozent; ab 277.825 Euro greift der Höchststeuersatz von 45 Prozent. Entscheidend ist jedoch, dass diese Werte nicht dem Bruttolohn entsprechen, sondern bereits um Freibeträge, Sozialabgaben und absetzbare Kosten bereinigt sind. Für einen alleinstehenden Angestellten führt das dazu, dass der Spitzensteuersatz in der Praxis erst ab etwa 82.000 Euro Bruttojahresgehalt greift, was rund 4.000 Euro netto im Monat entspricht, meldet focus.de.

IW-Studie: Reich ab 5.780 Euro netto für Singles

Ökonomen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) definieren Einkommensgruppen über das bedarfsgewichtete Haushaltsnettoeinkommen. Zur Mitte zählt, wer zwischen 80 und 150 Prozent des mittleren Einkommens erzielt.

Wer mehr als 250 Prozent des Medians im Monat zur Verfügung hat, zählt zur Gruppe der relativ Einkommensreichen“, schreiben Judith Niehues und Maximilian Stockhausen bei iwkoeln.de.

Für alleinlebende Erwachsene heißt das: Mittelschicht beginnt ab 1.850 Euro netto, Reichtum ab 5.780 Euro monatlich. Nur rund vier Prozent der Bevölkerung erreichen diese obere Gruppe. Für kinderlose Paare liegt die Reichtumsgrenze bereits bei 8.670 Euro gemeinsames Nettoeinkommen.

Wahrnehmung und Realität klaffen auseinander

Während statistisch nur ein kleiner Teil als wohlhabend gilt, schätzen viele Deutsche den Anteil der Einkommensstarken deutlich höher. Frühere Befragungen zeigen, dass Bürgerinnen und Bürger im Mittel davon ausgehen, rund ein Viertel der Bevölkerung sei reich, berichtet wiwo.de.

Judith Niehues erklärt: „Reich sind in der eigenen Wahrnehmung zumeist die anderen.“ Viele Gutverdienende ordnen sich selbst eher der Mitte zu, auch wenn ihr Einkommen rechnerisch zur Oberschicht zählt. Ein Grund: Regionale Lebenshaltungskosten, steigende Mieten und Kinderbetreuung mindern das subjektive Gefühl von Wohlstand.

Wer den Spitzensteuersatz tatsächlich erreicht

Nach Daten des IW Köln gehören Alleinstehende mit etwa 4.000 Euro netto im Monat bereits zu den oberen elf Prozent dieser Gruppe. Betrachtet man alle Haushalte, reichen solche Einkommen für einen Platz in den besten 16 Prozent. Die Verteilung ist jedoch stark vom Bildungsniveau abhängig: Nur drei Prozent der Menschen ohne Berufsausbildung erzielen ein zu versteuerndes Einkommen im Bereich des Spitzensteuersatzes.

Mit abgeschlossener Ausbildung und Hauptschulabschluss sind es acht Prozent, mit mittlerer Reife 14 und mit Abitur 17 Prozent. Bei Akademikerinnen und Akademikern kommt rund ein Drittel in diese Größenordnung – gleichzeitig erreichen aber 74 Prozent dieser Gruppe kein Jahresgehalt von 82.000 Euro oder mehr.

Top-Gehälter: C-Level, Medizin, Jura und IT

Wer deutlich über den Schwellen der Oberschicht verdienen will, findet die besten Chancen in einigen klar umrissenen Berufsfeldern. Die Personalberatung Robert Half nennt laut focus.de Mediangehälter von 132.000 bis 166.000 Euro für Vorstandspositionen wie CTO, CSO, CFO oder CIO.

In der Medizin kommen Chefärzte laut Auswertungen von Jobplattformen im Mittel auf knapp 197.500 Euro, Oberärzte auf rund 120.900 Euro. Partner großer Wirtschaftskanzleien erzielen typischerweise etwa 150.000 Euro, Inhouse-Juristen je nach Position bis zu 190.000 Euro. Auch spezialisierte IT-Fachkräfte wie IT-Security-Officer in Banken (rund 106.250 Euro) oder Softwarearchitekten (etwa 95.000 Euro) überschreiten häufig deutlich die Marke, ab der statistisch von Reichtum gesprochen wird.