Hohe Mieten, Energiepreise und teurer Alltag sorgen dafür, dass viele Haushalte trotz Job nur knapp über die Runden kommen. Entscheidend ist dabei nicht der Kontostand am Monatsende, sondern der Abstand zum mittleren Einkommen. Fachleute sprechen von relativer Armut, wenn Menschen deutlich weniger Geld zur Verfügung haben als der Durchschnitt der Bevölkerung. Nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung gelten Personen als arm oder armutsgefährdet, wenn ihr verfügbares Einkommen unter 60 Prozent des Medianeinkommens liegt. Laut Auswertungen von Statista betrifft das mehr als 16 Prozent der Bevölkerung – rechnerisch also etwa jede sechste Person in Deutschland.

1.378 Euro netto: Schwelle für armutsgefährdete Singles

Das Statistische Bundesamt berechnet für jedes Jahr ein Medianeinkommen, aus dem dann die Armutsgefährdungsschwelle abgeleitet wird. Für 2024 liegt dieser Wert bei 1.378 Euro netto im Monat für alleinlebende Erwachsene: Wer weniger verdient, gilt als armutsgefährdet, meldet wmn.de. Für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren liegt die Grenze bei 2.893 Euro netto monatlich. Wichtig ist: Es geht um das Haushaltsnettoeinkommen nach Sozialabgaben und Steuern, nicht um das Bruttogehalt. Neben der relativen Misere gibt es auch absolute Armut. Die Weltbank spricht von „extrem arm“, wenn einer Person weniger als 1,90 US‑Dollar pro Tag zur Verfügung stehen – dieser Betrag gilt global als Existenzminimum.

WSI-Zahlen: Konkrete Grenzwerte nach Haushaltstyp

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) hat bereits für 2021 detaillierte Schwellenwerte berechnet, auf deren Basis sich das Risiko für verschiedene Haushaltstypen ablesen lässt. Singlehaushalte galten demnach ab weniger als 1.074 Euro netto im Monat als arm. Für Paare ohne Kinder lag der Wert bei 1.611 Euro. In Familien verändern Kinder die Berechnung deutlich: Zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren galten unterhalb von 2.255 Euro monatlich als einkommensarm, wie wmn.de berichtet. Bei zwei Kindern ab 14 Jahren stieg der Schwellenwert sogar auf 2.869 Euro. Bei Paaren mit drei Kindern – zwei jünger als 14, eines älter – lag die Grenze bei 3.007 Euro. Für Alleinerziehende mit zwei jüngeren Kindern wurde 1.836 Euro angesetzt.

Jede fünfte Person von Armut oder Ausgrenzung bedroht

Die amtliche Statistik zeigt, wie weit verbreitet das Problem ist. Für 2024 weist das Statistische Bundesamt aus, dass rund 20 Prozent der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht waren. Etwa jede sechste Person galt als armutsgefährdet. Besonders häufig betroffen sind Alleinerziehende: Mehr als 41 Prozent von ihnen leben demnach mit sehr knappen finanziellen Spielräumen. Noch höher ist das Risiko bei Erwerbslosen, wo fast jede zweite Person statistisch in prekären Verhältnissen lebt. Studierende trifft es ebenfalls hart. 2021 waren rund 37,9 Prozent von ihnen armutsgefährdet; wer allein oder nur mit anderen Studierenden wohnte, kam sogar auf ein Risiko von 76,1 Prozent.

Senioren, Niedriglöhner, Familien: Wer besonders aufpassen muss

Einige Gruppen sind überdurchschnittlich gefährdet, unter das statistische Minimum zu rutschen. Bei Senioren steigt das Risiko mit dem Alter, besonders bei Frauen über 65, die oft geringere Rentenansprüche haben. Bei Vollzeitbeschäftigten bekam 2024 rund jede sechste Person einen Niedriglohn, also weniger als zwei Drittel des Durchschnittseinkommens. Ob daraus Armut entsteht, hängt von Haushaltsgröße und weiteren Einnahmen ab. Kinderreiche Familien und Alleinerziehende geraten schnell in finanzielle Engpässe, weil ein Elternteil oft weniger arbeiten kann. Laut Bundeszentrale für politische Bildung liegt das Armutsrisiko für größere Familien in Ost- und Westdeutschland deutlich über dem Schnitt. Gleichzeitig zeigt eine IW-Analyse: Wer als Single mehr als 5.780 Euro netto im Monat verdient, gehört zu den einkommensstarken Gruppen; ab rund 1.850 Euro netto beginnt statistisch die Mittelschicht.