Rund um Weihnachten und Silvester steigt der Konsum von Sekt, Bier und Wein deutlich an – vielen wird erst im neuen Jahr klar, wie viel Alkohol im Alltag zusammenkommt. Der Dry January setzt hier an: Vom 1. bis 31. Januar wird komplett auf Alkohol verzichtet, damit sich vor allem die Leber erholen kann und Gewohnheiten auf den Prüfstand kommen. „Alkohol ist ein Zellgift, das insbesondere die Leber und das Gehirn angreifen kann“, betont der Kölner Allgemeinmediziner Dr. Michael Feld laut fitbook.de. Auch bei ansonsten Gesunden sei das Organ belastet und brauche regelmäßige Pausen zur Regeneration. Ein nüchterner Monat kann dafür ein klarer Startpunkt sein.

Dry January: Ursprünge in Großbritannien und aktuelle Zahlen

Der Dry January entstand 2013/2014 in Großbritannien: Die Organisation „Alcohol Change UK“ rief den Aktionsmonat ins Leben, weil Alkohol dort bei 15‑ bis 49‑Jährigen häufig zur Ursache für Krankheit und Tod wird. Nach Daten der Weltgesundheitsorganisation starben 2019 weltweit 2,6 Millionen Menschen an Folgen des Konsums, der Großteil davon Männer. Inzwischen beteiligen sich Millionen Menschen weltweit an der Challenge, häufig unterstützt durch Apps, die Trinkmengen und alkoholfreie Tage dokumentieren. Befragungen aus Frankreich zeigen: 61 Prozent der Trinkenden kennen die Kampagne, 12 Prozent nahmen 2024 teil, meldet esanum.de. Besonders Personen mit höherem Bildungsniveau und bereits problematischem Konsum fühlen sich angesprochen.

Wie viel Alkohol noch als vertretbar gilt – und wann es kritisch wird

Regelmäßige Pausen gelten aus ärztlicher Sicht als sinnvoll. Der Ernährungswissenschaftler Uwe Knop empfiehlt mindestens zwei bis drei komplett alkoholfreie Tage pro Woche. „Alkohol dient weder der primären Ernährung, noch löscht er den Durst. Es handelt sich um eine legale Droge“, so der Experte laut fitbook.de. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen rät Frauen, pro Tag höchstens rund 0,3 Liter Bier oder 0,1 Liter Wein zu trinken, Männer sollten nicht über 0,6 Liter Bier oder 0,2 Liter Wein hinausgehen. Werden Obergrenzen dauerhaft überschritten, drohen Leberzirrhose, Leberkrebs, Bluthochdruck und Hirnschäden wie das Korsakoff-Syndrom – eine schwere, alkoholbedingte Demenzform. Fachgesellschaften betonen zudem: Eine völlig risikofreie Menge gibt es nicht.

Messbare Effekte: Leber, Blutdruck, Gewicht und Schlaf

Schon wenige Wochen ohne Alkohol zeigen körperliche Resultate. Untersuchungen aus London an moderaten Trinkern ergaben sinkende Blutfett‑ und Blutzuckerwerte, weniger Leberfett (minus rund 40 Prozent) und niedrigeren Blutdruck. Stephanie Eckhardt, Suchtpräventionsexpertin im Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, verweist außerdem auf eine normalisierte Leberfunktion nach einigen Wochen Abstinenz. Viele Teilnehmende berichten zudem von besserem Schlaf, mehr Energie und Gewichtsverlust – nicht zuletzt, weil Alkohol mit 7 Kilokalorien pro Gramm fast an Fett heranreicht und Heißhunger fördern kann. Auch die Haut profitiert, da Alkohol Wasser entzieht und Unreinheiten begünstigt.

Dry January: Langfristige Veränderungen im Trinkverhalten

Eine Studie der University of Sussex mit 800 Dry‑January‑Teilnehmern zeigte, dass der Alkoholkonsum auch Monate nach der Aktion niedriger blieb. Im August tranken die Befragten im Schnitt nur noch an 3,3 statt zuvor an 4,3 Tagen pro Woche und waren seltener betrunken. 93 Prozent empfanden die Teilnahme als Erfolg, 82 Prozent dachten intensiver über ihr Trinkverhalten nach, und 80 Prozent fühlten mehr Kontrolle über Konsummengen. Ein Review von 2025, das zentrale Dry‑January‑Studien auswertete, fand bei länger abstinenten Teilnehmenden anhaltend niedrigere Trinkmengen, bessere Laborwerte und mehr Selbstsicherheit beim Ablehnen von Alkohol. Für Verbraucherinnen und Verbraucher kann der Aktionsmonat damit ein praktikabler Einstieg in einen dauerhaft maßvolleren Umgang mit Alkohol sein.