Nach reichlich Alkohol an den Feiertagen nutzen viele den Januar für einen klaren Schnitt. Die internationale Aktion Dry January ruft dazu auf, 31 Tage auf Alkohol zu verzichten und das eigene Konsumverhalten zu überdenken. Gestartet wurde die Kampagne 2013 von der britischen Organisation Alcohol Change UK, inzwischen beteiligen sich Menschen weltweit daran.

Mehr Konsum seit 2020: Psychologe warnt vor Folgen

Nach Angaben des NIAAA, dem National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism, stieg der Alkoholkonsum während der Pandemie zwischen 2020 und 2022 deutlich an, berichtet „bannerhealth.com. Der Psychologe Toby Sanchez nennt dafür mehrere Auslöser: Jobverlust, steigende Belastungen in Familien und soziale Isolation. „Das passt zu den tiefgreifenden Veränderungen während der Pandemie“, so Sanchez, „erschwerte Lebensumstände und verschlechterte psychische Gesundheit haben intensiveren Alkoholkonsum begünstigt“.

Medizinischer Check vor dem Einstieg in Dry January

Wer regelmäßig oder in größeren Mengen trinkt, sollte den Stopp medizinisch begleiten lassen. „Wenn jemand nach häufigem oder starkem Konsum abrupt aufhört, kann ein Alkoholentzug auftreten, der ernst und in seltenen Fällen lebensbedrohlich ist“, erklärt Sanchez. Zu den Risiken zählen Krampfanfälle; nach seinen Angaben erlebt etwa jede zehnte Person mit ausgeprägter Abhängigkeit unbehandelt solche Entzugsanfälle.

Schon vier oder mehr Drinks in zwei Stunden bei Frauen und fünf oder mehr bei Männern erhöhen Gesundheits- und Sicherheitsrisiken. Entzugssymptome wie Angst, Schlaflosigkeit, Zittern oder Halluzinationen sollten ärztlich abgeklärt werden.

Doch auch wenn keine Suchterkrankung vorliegt, ist der Dry January in jedem Fall ein Vorteil für den körperlichen Gesundheitszustand.

Spürbare Effekte: Besserer Schlaf, weniger Pfunde, entlastete Leber

Bereits ein Monat ohne Alkohol kann Körper und Alltag messbar verändern. Alkohol wirkt zwar einschläfernd, stört aber die erholsame Tiefschlafphase. „Viele Menschen sagen, Alkohol helfe beim Einschlafen, doch der Schlaf ist dann nicht erholsam und seltener wirklich tief“, erklärt Sanchez. Nach einigen Wochen ohne Drinks berichten Teilnehmende von mehr Energie, stabilerer Stimmung und besserer Konzentration.

Gleichzeitig entfallen „leere“ Kalorien aus Getränken und die typische Hemmungssenkung, die zu Snacks und späten Mahlzeiten verleitet. Das kann das Gewicht positiv beeinflussen. Die Leber, die den Hauptanteil des Abbaus leistet, profitiert besonders: Alkohol-assoziierte Lebererkrankungen treffen Millionen.

Alkohol dehydriert den Körper

Bei Verzicht auf Alkohol wird nicht nur das Risiko auf Herz-Kreislauf-Probleme und chronische Entzündungen gemindert, auch Kopfschmerzen und Migränen können seltener auftreten, da Alkohol dehydrierend auf den Körper wirkt, so „Women's Health“. Weil sich der Flüssigkeitshaushalt stabilisiert, sieht auch das Hautbild gleich viel besser aus und lässt den Teint strahlen.

Finanzieller Effekt und neue Sicht auf Genuss im Alltag

Neben gesundheitlichen Vorteilen spielt auch der Geldbeutel eine Rolle. Restaurantaufschläge, Barbesuche und regelmäßige Einkäufe von Wein, Bier oder Spirituosen summieren sich – ein trockener Monat spart je nach Trinkgewohnheit schnell dreistellige Beträge. Spezielle Apps helfen, eingesparte Kosten und gesundheitliche Fortschritte zu dokumentieren.

Ebenso wichtig sind neue Routinen: Wer Freunde und Familie einbindet, alkoholfreie Alternativen wie Sprudel mit Früchten, Kombucha oder Mocktails ausprobiert und Auslöser für Trinklust notiert, erleichtert sich den Verzicht.