Schlechte Mundhygiene ist nicht nur ein kosmetisches Thema, sondern kann Herz und Gefäße schädigen. Entzündungen im Mundraum gelten als oft übersehener Risikofaktor für Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall. Eine im Sommer 2025 veröffentlichte Untersuchung der Universität Exeter mit 75 Erwachsenen zeigt, wie stark der Blutdruck bei älteren Menschen auf Veränderungen der Mundflora reagiert. Parallel dazu rücken Hausmittel wie Rote-Bete-Saft, Knoblauch, Vitamin C und Pfefferminze in den Fokus, während Kardiologen vor überzogenen Erwartungen warnen. Gleichzeitig entwickelt sich mit der gezielten Thermotherapie eine neue Hightech-Behandlung für eine spezielle Form der Hypertonie.

Zwei Wochen Rote-Bete-Saft: Mundflora beeinflusst Gefäße

In der Exeter-Studie tranken ältere Probanden zwischen 67 und 79 Jahren zwei Wochen lang zweimal täglich konzentrierten Rote-Bete-Saft, während Kontrollgruppen nitratfreien Placebo-Saft oder antiseptische Mundspülungen erhielten. Bei den Rote-Bete-Trinkern sank der Blutdruck messbar, gleichzeitig veränderte sich das bakterielle Milieu im Mund: Keime, die die Bildung von gefäßschützendem Stickstoffmonoxid behindern, wurden verdrängt, nützliche Bakterien nahmen zu. Jüngere Teilnehmer zwischen 18 und 30 Jahren reagierten dagegen kaum. „Neu ist der Nachweis, dass die Mundflora dabei eine Schlüsselrolle spielt und dass ältere Menschen besonders profitieren“, sagt Studienleiterin Anni Vanhatalo, zitiert nach Focus.

Nitratreiches Gemüse statt aggressiver Mundspülung

Nitrat aus Gemüse wird im Mund von speziellen Bakterien zu Nitrit umgewandelt, daraus entsteht im Blut Stickstoffmonoxid, das die Gefäße erweitert und Druckspitzen dämpfen kann. Neben Roter Bete gelten Blatt- und Kohlsorten wie Spinat, Feldsalat, Chinakohl, Grünkohl, Radieschen oder Wirsing als besonders nitrathaltig. Laut morgenpost.de zeigte die Studie, dass handelsübliche antiseptische Mundspülungen bei jüngeren Testpersonen die Vielfalt der Mundflora verringerten und die Gefäßreaktion schwächten. Ein zu steriles Milieu im Mund kann die Balance der Mikroben stören und damit den schützenden Nitrat-Nitrit-Stoffwechsel beeinträchtigen. Für den Alltag empfehlen sich daher schonende Zahnpflege, regelmäßiges Putzen und Zahnseide statt dauerhafter Desinfektion.

Expertenrat: Lebensstil ändern, Hausmittel nüchtern bewerten

Gegen ein Glas Rote-Bete-Saft in moderaten Mengen hat Kardiologe Daniel Dürschmied, Direktor der Medizinischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim, keine Einwände. „Als alleinige Therapie zur Senkung des Blutdrucks bei Hochdruck reicht Rote-Bete-Saft aber sicher nicht aus“, betont er nach Angaben von abendblatt.de. Er verweist auf fehlende Langzeitdaten und setzt auf klassische Empfehlungen: Gewichtsabnahme, viel Bewegung, wenig Alkohol und eine mediterran geprägte Ernährung mit reichlich Obst, Gemüse, Fisch und fettarmen Milchprodukten. Ein Schwerpunkt ist Kochsalz: Schon die Reduktion um wenige Gramm täglich kann den systolischen Wert um mehrere mmHg senken. Als Alternative zu Natriumchlorid nennt er kaliumreiche Spezialsalze, die den Druck weniger ansteigen lassen.

Knoblauch, Zitrone, Pfefferminze und neue Hightech-Therapie

Knoblauch wird in Studien eine längerfristig leicht drucksenkende Wirkung zugeschrieben: Eine Übersichtsarbeit fand im Mittel über 8 mmHg weniger systolischen und über 7 mmHg weniger diastolischen Blutdruck bei regelmäßiger Einnahme. Verantwortlich ist vor allem die Schwefelverbindung Allicin. Vitamin C zeigte in einer Analyse von 29 Untersuchungen ebenfalls Effekte: 500 Milligramm täglich über acht Wochen reduzierten den oberen Wert um bis zu 4,85 mmHg. Für eine schnelle Senkung durch Zitronensaft oder Pfefferminztee gibt es dagegen kaum belastbare Belege, da Menthol im Tee nur gering konzentriert vorliegt. Parallel dazu wird eine minimalinvasive Therapie für primären Aldosteronismus erforscht: Die gezielte Thermotherapie zerstört mit Hitze kleine Knoten in der Nebenniere. In einer Studie konnten vier von 28 Patienten ihre Medikamente komplett absetzen, weitere zwölf brauchten deutlich weniger Präparate, meldet Focus.