Bargeld bleibt trotz Karten- und Smartphone-Zahlungen ein zentrales Zahlungsmittel im Alltag – vom Bäcker bis zum Restaurant. Gleichzeitig warnen Banken inzwischen vor der „Keimfalle“ im Portemonnaie. Scheine und Münzen wandern täglich durch unzählige Hände und Oberflächen, sammeln dabei Mikroorganismen und werden so zum Träger für Bakterien und Viren. Laut wmn.de stützt sich die Warnung unter anderem auf internationale Studien zu Banknoten in den USA und Europa. Für Verbraucherinnen und Verbraucher stellt sich daher eine doppelte Frage: Wie hoch ist das reale Gesundheitsrisiko – und welche Bezahl- und Hygienestrategie ist im Alltag sinnvoll?
Dirty Money Project: Bis zu 3.000 Bakterienarten pro Schein
Forschende der New York University untersuchten im Rahmen des „Dirty Money Project“ zirkulierende 1‑Dollar‑Scheine. Ergebnis: Auf einem einzelnen Schein fanden sie bis zu 3.000 verschiedene Bakterienarten. Dazu gehörten Akne-Erreger, Keime, die mit Magengeschwüren oder Lebensmittelvergiftungen in Verbindung stehen, sowie Staphylokokken, die Infektionen auslösen können. Zudem wurden Gene entdeckt, die mit Antibiotikaresistenzen in Verbindung stehen, sowie DNA-Spuren von Menschen und Tieren. Ein Forschungsüberblick der Universität Marseille zeigte zudem resistente Staphylokokken-Stämme auf Banknoten, wie Handelsblatt berichtete. Für den Alltag bedeutet das: Banknoten sind ein relevanter Kontaktpunkt für Keime, auch wenn daraus nicht zwangsläufig eine Erkrankung entsteht.
Münzen mit Kupferanteil schneiden besser ab
Nicht jedes Zahlungsmittel ist hygienisch gleich problematisch. Untersuchungen der Europäischen Zentralbank und der Ruhr-Universität Bochum während der Corona-Pandemie ergaben, dass Viren auf Münzen deutlich schneller inaktiv werden als auf Scheinen. Besonders Legierungen mit hohem Kupferanteil – etwa das 5‑Cent-Stück – sind für viele Erreger ungünstig. Die Struktur der Baumwollfasern von Banknoten begünstigt dagegen eine längere Haftung; je älter und abgenutzter der Schein, desto stärker die mikrobielle Belastung. Kleinere Nennwerte wechseln zudem häufiger die Besitzerin oder den Besitzer und tragen dadurch überproportional viele Keime. Laut ing.de werden Banknoten in der Eurozone deshalb regelmäßig aus dem Verkehr gezogen und ersetzt, um die Belastung zu begrenzen.
Geldautomat, Kartenterminal, Smartphone: versteckte Keimquellen
Frisches Geld aus dem Automaten wirkt sauber, doch Untersuchungen zeigen: Die eigentliche Keimquelle ist oft die Tastatur des Geräts, nicht die frisch ausgegebenen Scheine. Dasselbe gilt für Kartenterminals, deren Tastenfeld von vielen Händen berührt wird. Hinzu kommt das Smartphone als Bezahl- und Banking-Gerät. Eine Studie der britischen Versicherung „Insurance2go“ ergab, dass Handyoberflächen teilweise stärker mit Bakterien belastet sind als ein Toilettensitz. Laut migrosbank.ch ist die Gefahr einer Virusübertragung über Münzen und Scheine zwar geringer als häufig angenommen, doch die Kombination aus Bargeld, Terminal und Smartphone erhöht die Summe möglicher Kontaktpunkte – ein Thema, das besonders in Grippezeiten relevant ist.
Hygienestrategie im Zahlungsalltag: Was wirklich hilft
Virologen und Notenbank-Vertreter ordnen das Risiko dennoch moderat ein. „Das auf dem Geldstück klebende Virus würde ich mal weitgehend vergessen“, so Christian Drosten im NDR-Podcast. Auch Carl-Ludwig Thiele, früher im Vorstand der Deutschen Bundesbank, verwies darauf, dass Bargeld nicht gefährlicher sei als Zeitungen und wahrscheinlich weniger problematisch als Kartentastaturen. Entscheidend ist daher nicht der komplette Verzicht auf Scheine und Münzen, sondern konsequente Hygiene: Regelmäßiges Händewaschen, Hände nicht ins Gesicht bringen und vor dem Kochen reinigen. In Phasen hoher Infektionszahlen kann kontaktloses Bezahlen mit Karte oder Smartphone die Zahl der Berührungspunkte reduzieren – vorausgesetzt, das Smartphone wird selbst regelmäßig gereinigt und desinfiziert.