Für viele Menschen reicht die gesetzliche Rente in Deutschland kaum noch für den bisherigen Alltag. Deshalb wächst das Interesse an einem Ruhestand im Ausland, wo Wohnen, Lebensmittel und Dienstleistungen oft günstiger sind. Die deutsche Rente kann grundsätzlich weitergezahlt werden, auch bei einem dauerhaften Umzug. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung gehen derzeit rund 1,7 Millionen Renten ins Ausland, wie infranken.de berichtet. Das betrifft nicht nur deutsche Auswanderer, sondern auch frühere Beschäftigte, die nach dem Arbeitsleben in ihr Herkunftsland zurückkehren.

1,7 Millionen Renten gehen bereits ins Ausland

Innerhalb der EU sowie in Staaten mit Sozialversicherungsabkommen ist der Ablauf meist einfacher. Der Rentenantrag kann oft im Wohnsitzland gestellt werden, die Unterlagen werden dann weitergeleitet. Außerhalb solcher Abkommen muss der Antrag direkt bei der Deutschen Rentenversicherung eingehen, etwa online, per Post oder über eine Botschaft. Wichtig bleibt eine saubere Vorbereitung, weil Fehler die Auszahlung verzögern können. Auch nach dem Umzug endet der Kontakt zu den Behörden nicht: Einmal pro Jahr ist ein Lebensnachweis fällig, teils digital per QR-Code, teils per Formular.

Bulgarien ab 700 Euro, Portugal mit teuren Großstädten

Wer mit etwa 1.000 Euro im Monat plant, findet vor allem in Süd- und Osteuropa günstigere Bedingungen. Bulgarien gilt als preiswertestes Ziel innerhalb der EU, mit monatlichen Kosten für Alleinstehende von rund 700 bis 1.100 Euro. Einzimmerwohnungen sind dort teils schon ab etwa 190 Euro zu haben. Portugal bleibt beliebt, liegt bei den Lebenshaltungskosten im Schnitt rund 30 Prozent unter Deutschland, hat aber ein Problem: In Lissabon kosten kleine Wohnungen inzwischen etwa 1.200 bis 1.600 Euro monatlich. Laut chip.de sind Regionen wie Alentejo oder Região Centro deutlich erschwinglicher.

Ungarn und Thailand locken, Versorgung muss geprüft werden

Auch Ungarn gehört zu den häufig genannten Zielen für einen Ruhestand mit kleinerem Budget. Die monatlichen Kosten für einen Single liegen dort laut Vergleichsdaten bei etwa 900 bis 1.400 Euro, wobei Städte medizinisch besser versorgt sind als ländliche Regionen. Außerhalb Europas bleibt Thailand ein Klassiker, weil Wohnen und seniorengerechte Anlagen oft günstiger sind als in Deutschland. Dazu kommt das warme Klima. Trotzdem sollte niemand nur auf niedrige Preise schauen. Krankenversicherung, Versorgung im Krankheitsfall und Währungsrisiken gehören vor einem Umzug auf die Prüfliste, wie wmn.de hervorhebt.

Fuerteventura: Ruhestand ja, billig längst nicht mehr

Dass ein sonniger Alterswohnsitz nicht automatisch ein Sparmodell ist, zeigt Fuerteventura. Der italienische Rentner Giulio lebt dort seit vier Jahren dauerhaft und widerspricht dem Bild vom günstigen Inselalltag. „Auch ich habe Fuerteventura nach der Rente gewählt, mir geht es gut, aber es gibt nicht nur positive Aspekte. Ich lebe gern hier, aber die Situation wird oft anders dargestellt, als sie meiner Meinung nach tatsächlich ist“, so Giulio laut Focus. Er berichtet von Mieten ab rund 800 Euro, höheren Restaurant- und Benzinkosten sowie einer begrenzteren Auswahl im Supermarkt. Für Ruheständler heißt das: Nicht nur Klima und Kaufkraft zählen, sondern auch Wohnungsmarkt, Infrastruktur und medizinische Versorgung.