Steigende Mieten, teure Lebensmittel und höhere Energiekosten belasten viele Haushalte. Selbst Menschen mit regulärem Job kommen zunehmend ins Grübeln, ob ihr Einkommen noch reicht. In einem wohlhabenden Industrieland wie Deutschland wird Armut jedoch anders gemessen als in Staaten mit extremer Not. Entscheidend ist nicht nur ein leeres Portemonnaie, sondern der Abstand zum mittleren Einkommen der Bevölkerung. Wer deutlich darunter liegt, kann seine Ausgaben für Wohnen, Energie, Mobilität und Grundversorgung oft nur noch mit Abstrichen bestreiten – mit Folgen für Lebensqualität und finanzielle Sicherheit.

60-Prozent-Regel: Wie Armut statistisch erfasst wird

Im deutschen Wohlstandskontext wird Armut überwiegend relativ bestimmt. Maßstab ist das sogenannte Medianeinkommen – also der mittlere Verdienst, bei dem die eine Hälfte der Menschen mehr und die andere weniger Einkommen hat. Liegt das verfügbare Nettoeinkommen eines Haushalts unter 60 Prozent dieses Werts, gilt er als einkommensarm oder armutsgefährdet, erläutert die Bundeszentrale für politische Bildung laut wmn.de. Eine Auswertung zeigt, dass mehr als 16 Prozent der Bevölkerung unter diese Schwelle rutschen. Statistisch bedeutet das: Rund jede sechste Person lebt mit einem Budget, das deutlich unterhalb des gesellschaftlichen Mittels liegt und finanziell nur begrenzten Spielraum lässt.

Absolute Armut: Wenn das Überleben auf dem Spiel steht

Neben der relativen Betrachtung gibt es den Begriff der absoluten Armut. Hier geht es nicht um Abstände zum gesellschaftlichen Durchschnitt, sondern um das Minimum zum physischen Überleben. Die Weltbank setzt die Grenze für „extreme Armut“ bei 1,90 US‑Dollar pro Tag an – wer weniger zur Verfügung hat, kann grundlegende Bedürfnisse wie Nahrung, Kleidung und Unterkunft oft nicht decken. In hochentwickelten Volkswirtschaften tritt diese Form zwar seltener auf, sie bleibt aber ein internationaler Vergleichsmaßstab. In Deutschland ist dagegen eher entscheidend, ob Einkommen und Unterstützungsleistungen reichen, um an Bildung, Wohnraum, Gesundheitsversorgung und sozialem Leben teilzunehmen, wie mainpost.de berichtet.

Konkrete Armutsgrenzen: Nettoeinkommen nach Haushaltstyp

Wie niedrig ein Einkommen sein muss, um statistisch als arm zu gelten, hängt stark von der Haushaltsform ab. Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) nennt für 2021 folgende monatliche Nettoschwellen: Singles fallen bei weniger als 1.074 Euro unter die Armutsgrenze. Alleinerziehende mit einem Kind unter 14 Jahren gelten ab unter 1.396 Euro als arm. Paare ohne Kinder liegen bei weniger als 1.611 Euro in diesem Bereich. Für Paare mit zwei Kindern über 14 Jahren liegt die Grenze bei 2.869 Euro, mit zwei jüngeren Kindern bei 2.255 Euro. Haben Paare zwei Kinder unter 14 und ein älteres Kind, markiert 3.007 Euro Netto die Schwelle, Alleinerziehende mit zwei jüngeren Kindern liegen bei 1.836 Euro.

Besonders gefährdete Gruppen: Alleinerziehende, Studierende, Erwerbslose

Statistiken zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen. Alleinerziehende sind mit Abstand besonders gefährdet: Mehr als 41 Prozent von ihnen leben mit Einkommen unterhalb der Armutsmarke, nur Erwerbslose trifft es mit 48,8 Prozent noch häufiger. Auch Studierende geraten zunehmend in Bedrängnis. Für 2021 wird bei rund 37,9 Prozent ein erhöhtes Risiko ausgewiesen, bei Studierenden, die allein oder nur mit anderen Studierenden wohnen, sogar bei 76,1 Prozent. Zwei von fünf konnten ungeplante Ausgaben nicht stemmen – und das noch vor Energiepreissprung und hoher Inflation, meldet das RedaktionsNetzwerk Deutschland nach Angaben von wmn.de. Damit wächst der Druck auf private Haushalte mit ohnehin knapper Kasse.