Viele Paare bleiben aus Routine zusammen, obwohl die Gefühle längst nachgelassen haben. Gerade in langjährigen Beziehungen verschwinden mit der Zeit die berühmten Schmetterlinge, doch emotionale Nähe und Respekt sollten bleiben. Konsum- und Alltagsentscheidungen – vom Wohnkredit bis zur Urlaubsbuchung – hängen unmittelbar daran, ob eine Partnerschaft von Dauer ist.

Es lohnt sich, regelmäßig zu prüfen, ob Zuneigung oder bloße Gewohnheit den gemeinsamen Haushalt zusammenhält. Wer Warnsignale übersieht, riskiert nicht nur seelischen Stress.

Nähe, Körperkontakt und gemeinsame Zeit lassen nach

Ein klassisches Warnsignal: Berührung und körperliche Nähe werden gemieden. Küsse, Umarmungen oder Sexualität werden zur Verpflichtung. Ein kurzer räumlicher Abstand kann klären, ob Vermissen einsetzt oder Erleichterung. Bleibt Letzteres, hat das direkte Auswirkungen auf die Beziehung im Alltag.

Auch wer systematisch Ausreden findet, um alleine auszugehen oder häufiger Überstunden vorzuschieben, zeigt nach innen bereits, dass das gemeinsame Leben an Priorität verliert.

Kommunikation kippt: Von „Wir“ zu „Ich“

Der US-Psychologe Ronald E. Riggio beschreibt in „Psychology Today“, dass Partnerschaften meist nicht abrupt, sondern schleichend enden. Ein deutliches Signal sei der Wechsel von „wir“ zu „ich“. Statt „wir fahren in den Urlaub“ heißt es häufiger „ich habe gebucht“. „Ein subtiles Zeichen für das Scheitern einer Beziehung ist, wenn die Partner anfangen, mehr in 'Ich'-Begriffen als in 'Wir'-Begriffen zu sprechen“, so der Experte.

Emotionale Distanz: Desinteresse, Gereiztheit, Vergleiche

Wenn Witze nicht mehr lustig finden, ständiges Genervtsein, wiederholte Streitereien oder Desinteresse an den Bedürfnissen der anderen Person zum Normalzustand werden, ist die emotionale Bilanz im Minus. Die von Riggio zitierte Faustregel von Paarforscher John Gottman – fünf positive Interaktionen auf eine negative – wird dann klar verfehlt. Häufige Vergleiche mit früheren Beziehungen oder „besseren“ Paaren deuten zudem darauf hin, dass Unzufriedenheit sich längst verfestigt hat.

Interessen driften auseinander

Klaffende Interessen und getrennte Freizeitwelten führen oft dazu, dass größere Anschaffungen, Reisen oder Renovierungen nicht mehr abgestimmt werden – da kann es dann auch zu finanziellen Konflikten kommen. Wer sich innerlich bereits gelöst hat, investiert ungern in gemeinsames Eigentum oder langfristige Projekte. Menschen konzentrieren sich in dieser Phase stärker auf persönliche Ziele und lassen den Partner außen vor. Klare Absprachen zu Miete, Nebenkosten, Auto oder laufenden Abos verhindern Streit, falls aus emotionaler Distanz eine tatsächliche Trennung wird.

Schon längst aufgegeben?

Werden die genannten Warnsignale erkannt, gilt es, rechtzeitig zu handeln: „Beziehungen erfordern eine Menge Arbeit von beiden Seiten“, heißt es von Riggio. Um die Liebe zu retten, müssen beide an einem Strang ziehen: „Ein Schlüssel zu einer erfolgreichen Beziehung ist, dass beide Partner motiviert sind, Zeit und Kraft in die Partnerschaft zu stecken.“

Doch sollte die Beziehung schon längst aufgegeben worden sein, bringen auch Rettungsversuche nichts mehr: „Wenn einer oder beide Partner aufgehört haben, in die Partnerschaft zu investieren, ist das ein sehr schlechtes Zeichen“, so der Experte.