Weihnachtslichter, Familientreffen, große Gefühle – und gleichzeitig eine Zeit, in der viele Beziehungen ins Kippen geraten. Zwischen Plätzchen, Geschenken und hohen Erwartungen merken Paare plötzlich, wie groß die Distanz geworden ist. Laut „New York Post“ erlebt der New Yorker Scheidungsanwalt James Sexton gerade in den Monaten Dezember und Januar einen Ansturm in seiner Kanzlei. Während andere gute Vorsätze für Fitness und Karriere fassen, planen viele den emotionalen Neuanfang ohne Partner. Sexton spricht offen darüber, warum ausgerechnet die vermeintlich romantischste Zeit des Jahres so oft im Büro des Scheidungsanwalts endet.
James Sexton warnt vor gefährlicher Bequemlichkeit
Für Anwalt James Sexton beginnt das Beziehungsdrama oft ganz leise: mit Nachlässigkeit im Alltag. „Menschen werden bequem, und Bequemlichkeit wird zu Gleichgültigkeit“, erklärt er laut „New York Post“. Die kleinen Gesten, die am Anfang so selbstverständlich waren – Kaffee ans Bett, eine liebevolle Nachricht, das Lieblingsessen kochen – verschwinden. Sexton vergleicht Partnerschaften mit einem Garten: Wer nicht regelmäßig pflegt, lässt alles verwildern. Gerade an den Feiertagen prallen dann Idealbilder von Harmonie auf die Realität aus unausgesprochenem Frust und Enttäuschung. Was lange unter der Oberfläche brodelte, wird plötzlich unaushaltbar.
„Sex ist der Klebstoff“: Wenn Intimität verschwindet
Besonders deutlich wird Sexton, wenn es um körperliche Nähe geht. „Sex ist das, was eine romantische Beziehung von allen anderen unterscheidet“, so der Anwalt. Paare, die Intimität vernachlässigen, fühlten sich irgendwann eher wie Mitbewohner. Er rät sogar dazu, Zeit für körperliche Nähe bewusst einzuplanen – auch wenn das zunächst unsexy wirkt. Wunsch und Begehren seien kein Zufall, sondern Ergebnis von Einsatz und Aufmerksamkeit. Fehlt diese Ebene, verstärken Feiertage mit viel gemeinsam verbrachter Zeit das Gefühl von Fremdheit. Dann wird aus der stillen Nacht schnell eine stille Beziehung.
Social Media, Kinderfokus und der stille Frust
Ein weiterer Punkt, den Sexton anspricht: der Druck durch soziale Medien. „Wir führen unsere Beziehungen auf Social Media, anstatt sie zu leben“, erklärt der Anwalt. Während nach außen perfekte Pärchenfotos gepostet werden, wächst im Privaten die Distanz.
Hinzu kommt der Trend zu kinderzentrierten Partnerschaften. Sexton warnt: Wer sich nur noch über die Elternrolle definiert, steht irgendwann als Paar vor dem Nichts, wenn die Kinder ausziehen. Auch kleine Alltagsärgernisse wie Socken auf dem Boden oder nie erledigter Abwasch seien selten banal – sie stünden für das Gefühl, nicht gesehen und nicht respektiert zu werden.
Untreue, verlorene Identität und Ehevertrag
Untreue ist für Sexton meist nicht der Anfang, sondern das Symptom einer lange schiefgelaufenen Beziehung. Fehlende Nähe, mangelnde Wertschätzung und schlechte Kommunikation bereiten den Boden, bevor jemand fremdgeht.
Gleichzeitig warnt er davor, sich im Partner völlig zu verlieren: Wer Hobbys, Freundschaften und eigene Ziele aufgibt, verliert auch die Anziehungskraft, die einst da war. Überraschend klar äußert er sich zudem zu Eheverträgen. Ein solcher sei nicht unromantisch, sondern Ausdruck von Vertrauen: „Ich vertraue dir genug, um die harten Themen zu besprechen, bevor sie zum Problem werden.“ Solche vorbeugenden Gespräche können viele Trennungen verhindern.
Scheidungsrate in Deutschland
Laut des Statistischen Bundesamtes werden in Deutschland offenbar weniger Ehen geschieden. Demnach gab es 129.300 Scheidungen im Jahr 2024. 2023 gilt bisher als das Jahr, in dem der niedrigste Stand seit der deutschen Vereinigung erreicht wurde. Jedoch geht auch die Zahl der Eheschließungen zurück. Im Jahr 2004 wurde der bisherige Höchststand der Scheidungen in Deutschland erreicht.