Ein linksextremistischer Anschlag auf ein Umspannwerk hat in Berlin gleich mehrere Stadtteile lahmgelegt – Tausende Haushalte sitzen im Dunkeln. Der Vorfall löst bundesweit Debatten über die Sicherheit der Stromversorgung aus und lenkt den Blick auf andere Regionen, vor allem auf Bayern. Während ein Sprecher der Bundesnetzagentur betont, die deutsche Stromversorgung sei statistisch sehr zuverlässig, mahnen Fachleute zur Vorsicht. Politikwissenschaftler und Energiesicherheitsexperte Dr. Frank Umbach spricht von einer realen Verwundbarkeit der kritischen Infrastruktur und fordert, Politik und Wirtschaft müssten deutlich mehr in Schutzmaßnahmen investieren, wie Bild berichtet.
Dr. Frank Umbach kritisiert mangelnden Schutz
Energierechtler und Sicherheitsexperte Dr. Frank Umbach arbeitet als Forschungsleiter des Europäischen Cluster für Klima-, Energie- und Ressourcensicherheit an der Universität Bonn. Im Gespräch mit Bild erklärt er, die Verwundbarkeit der Stromnetze sei keineswegs ein Berliner Einzelfall. Anlagen und Leitungen seien vielerorts unzureichend geschützt, obwohl die Privatwirtschaft für einen Großteil der sensiblen Einrichtungen verantwortlich ist. „Politik und Wirtschaft schrecken vor den hohen Kosten zurück“, so Umbach. Er fordert, zentrale Stromtrassen wie den Nord-Süd-Link unterirdisch zu verlegen – auch wenn dies deutlich teurer ist. Früher sei dies vor allem aus Gründen des Landschaftsschutzes geschehen, heute stünden sicherheitspolitische Motive im Vordergrund.
Bayern-Professor Gebbeken warnt vor Expertenangriffen
Auch aus Bayern kommen mahnende Stimmen. Der Ingenieur und Katastrophenschutz-Experte Prof. Gebbeken sieht laut br.de ein strukturelles Problem: Viele Bundesländer warteten auf klare Vorgaben aus Berlin oder Brüssel, obwohl sie im Zivil- und Katastrophenschutz selbst aktiv werden könnten. Zwar habe sich nach früheren regionalen Blackouts im Raum München einiges verbessert, die Infrastruktur sei heute widerstandsfähiger und mehrfach abgesichert. Dennoch bleibe ein Restrisiko. „Wenn jemand Expertenwissen hat, ist er trotzdem in der Lage, ein Infrastruktursystem großflächig auszuschalten“, warnt der Fachmann. Die Gefahr liege weniger in der Technik als in der gezielten Ausnutzung von Schwachstellen.
Stadtwerke München setzen auf Redundanz und Notfallpläne
Die Stadtwerke München betonen auf Anfrage von br.de, man stehe in engem Austausch mit Sicherheitsbehörden und passe die eigene Schutzstrategie laufend an die aktuelle Bedrohungslage an. Konkrete Details zu Sicherheitskonzepten werden aus nachvollziehbaren Gründen nicht öffentlich gemacht, um die kritische Infrastruktur nicht zu gefährden. Klar ist jedoch: Das Münchner Stromnetz ist so aufgebaut, dass beim Ausfall eines Netzteils andere Bereiche die Versorgung übernehmen können. Diese redundante Struktur soll verhindern, dass ein einzelner Angriff oder technischer Defekt große Teile der Stadt lahmlegt. Für den Ernstfall existieren detaillierte Notfallpläne, in denen Stadtwerke, Stadtverwaltung und Feuerwehr eng kooperieren.
Nürnberg setzt auf Leuchttürme für den Katastrophenschutz
Nicht nur München, auch andere bayerische Städte bereiten sich auf mögliche Störungen vor. Nürnberg verfügt über einen eigenen Notfallplan und hat 43 sogenannte „Katastrophenschutz-Leuchttürme“ eingerichtet, wie Bild meldet. Dabei handelt es sich etwa um Feuerwehrgerätehäuser und Polizeistationen, die im Krisenfall als zentrale Anlaufstellen dienen. Dort soll die Bevölkerung Informationen erhalten und bei Bedarf mit Wasser oder Nahrungsmitteln versorgt werden. Die Erfahrungen aus Gewitterstürmen und regionalen Stromausfällen zeigen, wie wichtig solche Strukturen sind. Bundesweit rät das Bundesamt für Bevölkerungsschutz zudem dazu, dass auch Privathaushalte Vorräte und Ausrüstung für einen längeren Stromausfall bereithalten.