Mit 30 ein Jahresgehalt, mit 40 drei, mit 50 fünf oder sechs: Solche Richtwerte zur privaten Altersvorsorge wirken eingängig, weil sie den Sparstand schnell einordnen. Für Deutschland taugen sie aber nur als grobe Orientierung. Denn hier zählt nicht nur, wie viel Vermögen bis zum Ruhestand aufgebaut wird, sondern auch, was aus der gesetzlichen Rente kommt und wie hoch die eigenen Ausgaben später ausfallen. Wer nur auf eine einzige Formel schaut, läuft Gefahr, die eigene Versorgungslücke zu falsch einzuschätzen.

50.000 Euro Gehalt: Diese Zielmarken gelten mit 30, 40, 50 und 60

Wie futurezone.de berichtet, empfiehlt Fidelity bei 50.000 Euro Bruttoeinkommen bis 30 ein Polster von 50.000 Euro, bis 40 dann 150.000 Euro. Mit 50 Jahren sollen 300.000 Euro erreicht sein, mit 60 rund 400.000 Euro. Zum Renteneintritt nennt der Finanzdienstleister sogar das Zehnfache des Jahresgehalts. Die bekannte Greene-Formel liegt ab 50 etwas niedriger. Wichtig ist dabei: Für viele Menschen in Deutschland endet das Erwerbsleben regulär nicht mit 65, sondern mit 67 Jahren. Schon dieser Unterschied verschiebt die Rechnung.

53,3 Prozent Nettoersatzrate: Die gesetzliche Rente reicht oft nicht aus

Für Berufseinsteiger mit vollständiger Erwerbsbiografie auf Durchschnittslohn liegt die Nettolohnersatzrate aus der gesetzlichen Rente in Deutschland bei 53,3 Prozent, meldet de.finance.yahoo.com unter Verweis auf OECD-Daten. Mit ergänzender privater Vorsorge von vier Prozent des Einkommens steigt der Wert auf 68 Prozent. Wer im Alter auf 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens kommen will, muss also selbst zusätzlich vorsorgen. Genau hier liegt die Schwäche einfacher Faustregeln: Sie nennen Sparziele, berücksichtigen aber nicht automatisch, wie groß die individuelle Lücke nach Abzug gesetzlicher Ansprüche wirklich ist.

44 Prozent unter 10.000 Euro: Viele starten mit wenig Reserve in den Ruhestand

Ein weiterer Realitätscheck kommt aus einer Forsa-Umfrage unter 1.507 Senioren im Auftrag von Heimkapital. Laut springerprofessional.de hatten 44 Prozent der Befragten beim Renteneintritt weniger als 10.000 Euro Ersparnisse, jeder Zehnte gar nichts. 25 Prozent verfügten über 50.000 Euro oder mehr. Ohne Wohneigentum fällt das Finanzpolster oft kleiner aus. Zudem spart im Ruhestand nicht jeder weiter: 17 Prozent legen gar nichts mehr zurück, 37 Prozent weniger als 100 Euro im Monat. „Sparen muss man lernen. Das erfordert eine gewisse Disziplinierung, weil man auch Verzicht üben muss“, so Ex-Banker Helmut Jonen laut springerprofessional.de.

1.333 Euro im Monat: Was 400.000 Euro privat tatsächlich bringen

Große Summen wirken auf den ersten Blick beruhigend. Rechnet man sie in ein Monatseinkommen um, fällt das Ergebnis nüchterner aus. Bei einer Entnahme von vier Prozent pro Jahr liefern 400.000 Euro rund 16.000 Euro jährlich, also etwa 1.333 Euro im Monat vor Steuern und Kosten. Dazu kommt die gesetzliche Rente. Wer eine Standardbiografie mit 45 Beitragsjahren auf Durchschnittsverdienst erreicht, landet netto bei gut 1.600 Euro gesetzlicher Leistung. Zusammen ergibt das knapp 3.000 Euro monatlich. Für Verbraucher heißt das: Erst Renteninformation prüfen, dann Sparziel festlegen, danach Depot, betriebliche Vorsorge und mögliche Förderung aufeinander abstimmen.