1.381 Euro netto im Monat markieren für Alleinlebende eine wichtige Schwelle: Wer darunter liegt, gilt statistisch als armutsgefährdet. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lag dieser Wert auf Basis von EU-SILC 2024 bei 16.571 Euro netto im Jahr, also 1.381 Euro monatlich. Für Menschen im Ruhestand ist diese Zahl wichtiger als einzelne Rentenmeldungen. Denn eine kleine gesetzliche Rente allein sagt noch wenig darüber aus, ob tatsächlich Altersarmut vorliegt oder ob weitere Einkünfte das verfügbare Einkommen erhöhen.

7,9 Millionen unter 950 Euro sind nicht automatisch arm

Für Aufsehen sorgte zuletzt die Zahl von 7,9 Millionen Menschen mit weniger als 950 Euro gesetzlicher Rente im Monat. Laut Focus verzerrt diese Angabe jedoch die Lage, wenn daraus direkt Armut abgeleitet wird. Der Grund: Erfasst wird dabei nur die gesetzliche Rente, nicht das gesamte Einkommen. Die Bundesregierung hält dazu fest: Allein aus der Höhe einer Altersrente der gesetzlichen Rentenversicherung kann grundsätzlich nicht auf Bedürftigkeit in der geschlossen werden. Viele Ruheständler verfügen zusätzlich über Betriebsrenten, Mieteinnahmen, Ersparnisse oder das Einkommen des Partners.

19,4 Prozent der Älteren gelten als armutsgefährdet

Wie hoch das Risiko wirklich ist, zeigt die offizielle Statistik. Nach Daten von Destatis waren 2024 rund 19,4 Prozent der Menschen ab 65 Jahren armutsgefährdet. Bei Frauen über 65 lag die Quote sogar bei 21,4 Prozent, bei Männern bei 17 Prozent. Besonders relevant ist dabei der Unterschied zwischen relativer Armut und Existenzminimum. Armutsgefährdung orientiert sich an 60 Prozent des mittleren Einkommens. Die Grundsicherung im Alter deckt dagegen nur das sozialrechtliche Minimum ab und lag zuletzt bei rund 934 Euro monatlich.

Frauen trifft die Lücke besonders hart

Dass Seniorinnen häufiger betroffen sind, hat mehrere Ursachen. Viele haben wegen Kindererziehung, Pflege von Angehörigen oder Teilzeitarbeit geringere Rentenansprüche aufgebaut. Hinzu kommen niedrigere Löhne im Erwerbsleben. Der Gender Pension Gap lag 2025 bei rund 24,2 Prozent. Damit fallen die Alterseinkünfte von Frauen im Schnitt um knapp ein Viertel niedriger aus als die von Männern. Gerade deshalb ist der Blick auf das gesamte Haushaltseinkommen wichtig: Zur Berechnung zählen gesetzliche Rente, Betriebsrente, private Vorsorge, Hinterbliebenenrenten, Wohngeld und Kapitaleinkünfte.

690.000 beziehen Grundsicherung – viele verzichten auf den Antrag

Wer im Alter mit seinem Einkommen das Existenzminimum nicht erreicht, kann Grundsicherung beantragen. Tatsächlich bezogen diese Leistung zuletzt nur knapp 690.000 Menschen. Gleichzeitig gehen Forschende davon aus, dass viele Anspruchsberechtigte keinen Antrag stellen. Laut t-online wird die Armutsgrenze oft mit der Höhe der gesetzlichen Rente verwechselt. Sinnvoll ist daher ein nüchterner Kassensturz: alle monatlichen Netto-Einnahmen addieren, Wohnkosten prüfen und bei zu geringem Einkommen Grundsicherung oder Wohngeld bei der Kommune berechnen lassen. Gerade bei kleinen Renten kann ein Antrag mehrere hundert Euro im Monat ausmachen.