Erst häufen sich Überstunden, dann fehlt jede Kraft: Burnout entsteht selten von einem Tag auf den anderen, sondern baut sich oft über viele Monate auf. Laut einer McKinsey-Studie von 2023 zeigt etwa jede fünfte berufstätige Person in Deutschland typische Erschöpfungssymptome. Die Folgen reichen von Konzentrationsproblemen, Dauermüdigkeit und Kopfschmerzen bis hin zu depressiven Verstimmungen und schwerer Antriebslosigkeit. Fachleute unterscheiden heute verschiedene Formen, darunter den schleichenden „stillen Burnout“, bei dem Betroffene lange funktionieren – und innerlich dennoch ausbrennen. Gerade deshalb sind klare Warnhinweise entscheidend, um rechtzeitig gegenzusteuern.
5 frühe Anzeichen im 12-Phasen-Modell
Das 12-Phasen-Modell nach Herbert Freudenberger und Gail North beschreibt einen typischen Verlauf von der anfänglichen Überforderung bis zur totalen Erschöpfung. Am Anfang steht meist übermäßiger Einsatz: Überstunden werden normal, eigene Bedürfnisse treten zurück, erste Beschwerden wie Schlafstörungen, Verdauungsprobleme oder Gewichtsschwankungen treten auf. Es folgen Verdrängung und zunehmende Fehler, verpasste Termine und Konflikte am Arbeitsplatz. Danach ziehen sich viele aus ihrem sozialen Umfeld zurück, selbst kurze Nachrichten wirken belastend. Später berichten Betroffene von innerer Leere und dem Gefühl, nur noch wie eine Maschine zu funktionieren; kleinste Entscheidungen überfordern. Am Ende können Depression und völlige Erschöpfung stehen, warnt die Psychologin Petra Beschoner von der Akutklinik Bad Saulgau laut sueddeutsche.de.
Stiller Burnout: Fassade nach außen, Erschöpfung innen
Beim stillen Burnout bleiben äußere Signale lange unauffällig. „Die Betroffenen verdrängen oft die Symptome und wollen es gar nicht wahrhaben, dass irgendwas nicht passt“, erklärt die Psychologin Brigitte Bösenkopf, berichtet utopia.de. Nach außen wirken sie leistungsstark, innerlich fühlen sie sich jedoch permanent erschöpft und leer. Häufig treten Reizbarkeit, Nervosität und innere Unruhe auf, ohne dass klare körperliche Beschwerden vorhanden sind. Typisch ist auch eine erhöhte Sensibilität für Lärm, grelles Licht oder Berührungen, die als kaum erträglich erlebt werden. Viele setzen eine fröhliche Miene auf, obwohl ihnen jede Kraft fehlt – ein psychischer Kompensationsmechanismus, den auch die Psychotherapeutin Christina Jochim beschreibt. Ohne Gegenmaßnahmen verstärken sich diese Signale schrittweise und können in eine behandlungsbedürftige Depression münden.
Warnsignale im Alltag: Schlaf, Stimmung, Rückzug
Ein zentrales Alarmsignal ist gestörter Schlaf: Einschlaf- oder Durchschlafprobleme, häufiges Grübeln in der Nacht und das Gefühl, morgens erschöpft statt erholt aufzuwachen. Schlechter Schlaf verstärkt Reizbarkeit und Nervosität am Folgetag. Hinzu kommen oft Zynismus und Sarkasmus, die vorher untypisch waren, Stimmungsumschwünge wegen Kleinigkeiten sowie das dauerhafte Zurückstellen eigener Bedürfnisse. Erschöpfung zeigt sich auch durch häufige Fehler bei Routineaufgaben, Gedächtnislücken oder das Gefühl, selbst einfache Tätigkeiten nur mit großer Mühe zu bewältigen. Viele ziehen sich von Freunden, Familie und Hobbys zurück, Terminausfälle werden als Erleichterung empfunden. Körperliche Beschwerden wie Kopf- oder Nackenschmerzen, Magen-Darm-Probleme oder Tinnitus ohne organischen Befund gelten ebenfalls als Warnzeichen.
Was jetzt hilft: Handlungsplan bei Verdacht auf Burnout
Wer solche Signale bemerkt, sollte sie ernst nehmen und strukturiert vorgehen. Fachleute empfehlen zunächst eine Bestandsaufnahme, etwa durch ein Tagebuch: Welche Situationen kosten besonders viel Energie, wo entstehen wiederkehrende Konflikte? Parallel helfen kurze Pausen, Atemübungen, Entspannungsverfahren und die bewusste Planung von „Kraftspendern“ wie Bewegung, Natur oder Treffen mit vertrauten Personen. Wichtig ist, innere Antreiber wie „Ich muss perfekt sein“ zu erkennen und zu hinterfragen, betont Psychotherapeutin Jochim laut utopia.de. Bei anhaltender Erschöpfung ist ein Termin in der Hausarztpraxis sinnvoll, um körperliche Ursachen auszuschließen und gegebenenfalls zu spezialisierten psychotherapeutischen Angeboten weiterverwiesen zu werden, so sueddeutsche.de. Je früher professionelle Unterstützung einsetzt, desto größer ist die Chance, den Erschöpfungszustand zu stoppen, bevor längerfristige Krankheitsphasen und schwere Folgeerkrankungen entstehen.