Ob jemand als wohlhabend gilt, hängt stark vom Wohnort ab. Ökonomen orientieren sich dafür häufig am doppelten Median des verfügbaren Haushaltseinkommens. In Deutschland liegt dieser Median laut OECD bei 29.029 Euro im Jahr, woraus eine Schwelle von 58.058 Euro Nettoeinkommen resultiert. Für einen Single entspricht das etwa 104.000 Euro Bruttogehalt jährlich. Damit gehört man hierzulande bereits zu den obersten fünf Prozent der Haushalte. In anderen Staaten reichen jedoch sowohl deutlich niedrigere als auch deutlich höhere Beträge, um statistisch zur finanziell privilegierten Gruppe zu zählen.
Deutschland-Median: In 16 Ländern schon obere Einkommensschicht
Der deutsche Median von 29.029 Euro Nettojahreseinkommen würde in 16 Ländern bereits als Wohlstandsgrenze eingestuft. In der Türkei genügen demnach 3755 Euro im Jahr, in Brasilien 7055 Euro, in China 8589 Euro und in Mexiko 9353 Euro, um zur oberen Einkommensgruppe zu gehören. Auch mehrere osteuropäische Staaten liegen deutlich darunter: In Rumänien liegt die Schwelle bei 15.402 Euro, in Bulgarien bei 16.593 Euro, in Ungarn bei 16.838 Euro. Sogar EU-Länder wie Griechenland mit 23.694 Euro und Portugal mit 28.516 Euro kommen noch nicht an den deutschen Mittelwert heran.
Industriestaaten mit niedrigeren Reichtumsschwellen
Selbst in einigen klassischen Industrienationen ist der Einstieg ins Lager der Gutverdiener günstiger als in Deutschland. Laut Focus reichen in Japan 36.234 Euro verfügbares Einkommen pro Jahr, in Spanien 42.906 Euro und in Italien 46.798 Euro. In Südkorea liegt die Marke bei 49.645 Euro, in Frankreich bei 55.360 Euro. Es handelt sich jeweils um landesweite Mittelwerte, sodass regionale Unterschiede erheblich sein können: Wer etwa in Paris lebt, benötigt faktisch deutlich mehr Budget als in einer kleineren Stadt, um denselben Lebensstandard zu erreichen.
Länder, in denen deutsche Topgehälter nur Durchschnitt sind
Auf der anderen Seite existieren Volkswirtschaften, in denen selbst das deutsche Topniveau nicht automatisch Komfort bedeutet. Israel setzt die Schwelle bei 59.026 Euro verfügbarem Einkommen an, Großbritannien bei 60.824 Euro. In Skandinavien werden noch höhere Beträge fällig: In Finnland sind es 63.828 Euro, in Schweden 63.906 Euro und in Norwegen 84.444 Euro, berichtet infranken.de. Nordamerika liegt ebenfalls vorn: In Kanada sind 79.016 Euro nötig, in den USA 102.499 Euro, um statistisch zu den besonders Wohlhabenden zu zählen. Australien mit 66.074 Euro und Neuseeland mit 70.000 Euro liegen ebenso über dem deutschen Wert.
EU-Durchschnittsgehälter, Kaufkraft und Lebenshaltungskosten
Entscheidend ist, was sich mit dem Einkommen real bezahlen lässt. Die nominalen Vollzeitgehälter schwanken in Europa stark: In Bulgarien sind es im Schnitt rund 1125 Euro im Monat, in Luxemburg 6755 Euro; der EU-Durchschnitt liegt bei 3155 Euro. In Ländern wie Luxemburg, Dänemark, Deutschland, Österreich oder Irland übersteigen die Monatsgehälter 4000 Euro, was im Vergleich zu süd- und osteuropäischen Staaten oft schon ein hohes Einkommensniveau bedeutet. Da Mieten, Lebensmittel und Dienstleistungen jedoch stark variieren, kann ein scheinbar moderater Verdienst in günstigeren Ländern praktisch einen komfortablen Lebensstandard ermöglichen.