Ab 2027 endet für neue Verträge das bisherige Riester-System. Laut bundesregierung.de soll die private Altersvorsorge mit einem neuen Fördersystem, flexiblen Auszahloptionen und einem Altersvorsorgedepot neu aufgestellt werden. Der politische Druck ist hoch, weil die Riester-Rente für viele Sparer zu teuer und zu renditeschwach war. Daniel Saurenz nennt sie in seiner Kolumne bei t-online.de eine „Milliardenvernichtung“. Für Bestandsverträge gilt jedoch: Sie laufen weiter. Die Reform betrifft vor allem alle, die künftig neu vorsorgen oder einen Abschluss aufschieben.
120 Euro Mindestbeitrag, 3 Garantie-Stufen
Kern der Reform sind drei Beitragsgarantien: 0 Prozent, 80 Prozent oder 100 Prozent. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung sollen damit Produkte entstehen, die besser zu unterschiedlichen Risikoprofilen passen. Hinzu kommt ein Mindestbeitrag von 120 Euro pro Jahr. Anders als im alten Riester-Modell soll die starre Garantiepflicht nicht mehr jede Anlage ausbremsen. Genau dort lag ein Hauptproblem: Anbieter mussten Sicherheit teuer einkaufen, was Rendite kostete. Das neue Modell setzt deshalb stärker auf Wahlfreiheit bei Sicherheit und Auszahlung.
ETF-Depot mit 0,15 bis 0,3 Prozent Kosten
Besonders auffällig ist das neue Altersvorsorgedepot. Laut Finanztip soll damit gefördertes ETF-Sparen ohne Garantiepflicht möglich werden. Das ist für Anleger relevant, weil breite Indexfonds auf MSCI World, S&P 500 oder Dax oft nur 0,15 bis 0,3 Prozent jährliche Gebühren kosten. Viele klassische Riester-Produkte lagen deutlich darüber. Saurenz kritisiert zudem, „der Plan vollkommen unverständlich ist, dass der Staat ausgerechnet in der Säule der privaten Altersvorsorge ein Standardprodukt anbietet“. Die Debatte dreht sich daher längst auch um Wettbewerb und staatliche Eingriffe.
Millionengehälter und alte Vertriebsanreize
Die Kritik an Riester zielt auch auf den Vertrieb. Nach Recherchen von finanz-szene.de erhielten 2023 bei den 100 größten Kommunalinstituten 86 Beschäftigte eine Gesamtvergütung von mehr als einer Million Euro. Solche Summen erklären sich nicht allein mit Riester, zeigen aber, wie lukrativ provisionsgetriebene Produkte in großen Häusern sein konnten. Saurenz beschreibt die öffentliche Ernüchterung drastisch und spricht vom Ende eines Albtraums. Sein Verweis auf hohe Vorstandsgehälter macht deutlich, warum kostengünstige ETF-Lösungen für viele Sparer politisch und wirtschaftlich attraktiver wirken.
2026 prüfen, 2027 neu entscheiden
Für private Vorsorge zählt jetzt ein nüchterner Vergleich. Bestehende Riester-Verträge sollten auf Kosten, Zulagen und garantierte Leistungen geprüft werden; Kündigungen sind wegen möglicher Rückzahlungen oft riskant. Wer erst neu abschließen will, sollte laut Finanztip und bundesregierung.de die Details des neuen Modells abwarten und besonders auf Gebühren, Garantie-Stufe und Auszahlregeln achten. Wichtig ist auch der Anlagehorizont: Je länger die Laufzeit bis zur Rente, desto eher kann ein ETF-Depot ohne Garantie Renditevorteile bringen. Kurz vor dem Ruhestand wiegt Sicherheit meist stärker.