Die Frage, ob die eigene Rente für ein Leben in der Mittelschicht reicht, lässt sich nicht mit einer einzigen Zahl beantworten. Maßgeblich ist vor allem, welche Definition zugrunde gelegt wird und ob nur die gesetzliche Rente oder das gesamte Haushaltseinkommen zählt. Für viele Ruheständler ist genau dieser Unterschied relevant, weil neben der gesetzlichen Zahlung oft auch Betriebsrenten, private Vorsorge, Mieteinnahmen oder Kapitaleinkünfte eine Rolle spielen. Damit wird die Einordnung schnell komplizierter als der bloße Blick auf den Rentenbescheid.
IW-Grenze: 1850 bis 3470 Euro netto im Monat
Wie mainpost.de berichtet, ordnet das Institut der deutschen Wirtschaft einen alleinlebenden Ruheständler der Mittelschicht im engeren Sinn zu, wenn das bedarfsgewichtete Haushaltsnettoeinkommen zwischen 1850 und 3470 Euro im Monat liegt. Grundlage sind ausgewertete Zahlen aus dem Jahr 2022. Wichtig ist dabei der Begriff Haushaltsnettoeinkommen: Er meint nicht nur die gesetzliche Rente. Eingerechnet werden je nach Fall auch Pensionen, Einkünfte aus Vermietung oder Verpachtung, Kapitalerträge sowie Leistungen aus privater oder betrieblicher Altersvorsorge.
OECD-Modell: 3260 bis 8692 Euro brutto monatlich
Deutlich strenger fällt die Einordnung nach dem OECD-Ansatz aus. Danach zählt zur Mittelschicht, wer 75 bis 200 Prozent des nationalen Medianeinkommens erreicht. Für Deutschland ergibt sich daraus ein Bereich von 3260 bis 8692 Euro brutto im Monat. Nach dieser Messlatte dürften nur wenige Rentner in diese Einkommensgruppe fallen. Der Abstand zur IW-Grenze erklärt sich vor allem durch unterschiedliche Basisjahre sowie durch den Vergleich von Netto- und Bruttowerten. Für Verbraucher ist deshalb zentral, welche Rechengröße eine Studie tatsächlich verwendet.
1647 Euro aus Renten und Pensionen reichen meist nicht
Bei alleinlebenden Ruheständlern liegt der Median, wenn nur Renten und Pensionen betrachtet werden, bei 1647 Euro monatlich. Damit wird die IW-Schwelle für die Mittelschicht verfehlt. Zugleich zeigt eine weitere Auswertung, wie knapp viele Haushalte an dieser Grenze liegen: Das mittlere Einkommen eines Singlehaushalts im Ruhestand beträgt 1849 Euro und damit nur einen Euro weniger als der genannte Wert. Laut wmn.de lag das Medianeinkommen alleinstehender Rentner zuletzt sogar bei rund 1954 Euro pro Monat, wobei dort ebenfalls das gesamte Haushaltseinkommen betrachtet wird.
Median zählt mehr als der Durchschnitt
Für die Einordnung ist der Median aussagekräftiger als ein Durchschnittswert. Er markiert genau die Mitte aller Einkommen und reagiert weniger empfindlich auf besonders hohe oder besonders niedrige Ausreißer. Wer unter dem Median liegt, gehört zur einkommensschwächeren Hälfte, wer darüber liegt, zur einkommensstärkeren Hälfte. Bei Alleinstehenden im Ruhestand kommt ein weiterer Punkt hinzu: Das Armutsrisiko liegt bei rund 27 Prozent, bei erwerbstätigen Singlehaushalten dagegen bei etwa 13 Prozent. Für die Altersvorsorge folgt daraus ein nüchterner Befund: Die gesetzliche Rente allein reicht oft nicht für eine Einordnung in der Mitte.