Die Reform der privaten Altersvorsorge sollte für mehr Vertrauen sorgen, doch viele Menschen reagieren anders. Laut Bild sagen 62 Prozent der Befragten, dass ihnen die Altersvorsorge mehr Angst macht als zuvor. Vor den Beschlüssen waren es 54 Prozent. Grundlage ist eine YouGov-Umfrage im Auftrag der AXA-Versicherung, erhoben direkt vor und nach der Reform. Kern des Pakets ist das Aus für die Riester-Rente. Ein neues staatlich gefördertes Modell soll höhere Renditen ermöglichen, zugleich fallen bisherige Garantien weg. Familien und Selbstständige sollen besonders profitieren.
62 Prozent äußern nach Reform mehr Angst vor Altersvorsorge
Gerade bei Jüngeren fällt die Skepsis noch stärker aus. In der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen stieg der Anteil der Verunsicherten von 56 auf 68 Prozent. AXA-Vorstand Karsten Dietrich verteidigt den Kurs dennoch. „Die Reform war dringend nötig. Für Millionen Sparer sind das gute Nachrichten, denn wir können attraktivere Angebote mit besseren Renditechancen machen", so Dietrich laut Bild. Für Verbraucher bleibt damit ein Widerspruch: Politisch wird ein neues Vorsorgemodell als Fortschritt bewertet, in der Bevölkerung wächst gleichzeitig die Sorge vor weniger Sicherheit beim Sparen fürs Alter.
69 Prozent haben Vertrauen in Rentenpolitik verloren
Neben der Angst vor der eigenen Vorsorge fällt auch das Urteil über die Politik schlecht aus. 69 Prozent der Deutschen geben an, beim Thema Rente ihr Vertrauen verloren zu haben. Dieser Wert blieb vor und nach der Reform unverändert hoch. Zuvor lag er 2025 bei 65 Prozent, 2024 bei 59 Prozent. Dietrich warnt deshalb vor Passivität und sagte: „Das Vertrauen in die Politik sinkt weiter. Vielen jungen Menschen macht das Thema sogar Angst", so Karsten Dietrich. Für viele Haushalte wird private Vorsorge damit noch stärker zur eigenen Aufgabe, statt auf staatliche Lösungen zu setzen.
Rentenbeitrag könnte auf 10,05 Prozent steigen
Parallel zur Debatte über private Vorsorge arbeitet die Koalition an einem größeren Umbau des Sozialstaats. Wie zdfheute.de berichtet, gilt der demografische Wandel als zentraler Grund: Immer weniger Erwerbstätige finanzieren immer mehr Ältere. Aktuell zahlen Beschäftigte 9,3 Prozent ihres Bruttolohns in die Rentenversicherung, denselben Anteil übernimmt der Arbeitgeber. In vier Jahren könnte der Satz laut Deutscher Rentenversicherung auf 10,05 Prozent steigen. Beim Durchschnittslohn entspräche das rund 60 Euro weniger netto im Monat. Für Beschäftigte geht es damit nicht nur um spätere Ansprüche, sondern auch um aktuelle Belastungen.
Rente mit 70 und längere Beitragsjahre im Gespräch
Bis Ende Juni soll eine Expertenkommission Vorschläge für den Umbau des Rentensystems vorlegen. Diskutiert wird unter anderem eine längere Lebensarbeitszeit. Aus der Union kamen mehrfach Vorstöße für ein Renteneintrittsalter von 70 Jahren, auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche nannte diese Richtung. SPD-Chef und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil bringt stattdessen eine stärkere Kopplung an Beitragsjahre ins Spiel. Wer erst spät einzahlt, etwa nach einem Studium, müsste dann länger arbeiten. Daneben stehen Modelle im Raum, nach denen auch Selbstständige und Beamte in das System einzahlen könnten.