Was als „gutes“ Gehalt gilt, hängt stark von Lebensstil, Wohnort und Erwartungen ab. Orientierung geben zwei Kennzahlen: das arithmetische Mittel und das Medianeinkommen. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes lag das mittlere Bruttoentgelt für Vollzeitbeschäftigte 2023 bei 4.323 Euro im Monat, also rund 51.876 Euro im Jahr. 2019 waren es noch 3.994 Euro, 2009 etwa 3.141 Euro. In diesen Werten sind weder Urlaubs- noch Weihnachtsgeld berücksichtigt. Zudem verdienen knapp zwei Drittel der Beschäftigten weniger als diese 4.323 Euro, wie wmn.de auf Basis amtlicher Zahlen berichtet.
4.323 Euro laut Statistik, 52.833 Euro laut Kununu
Neben der amtlichen Erhebung existieren große Plattformdatenbanken. Laut news.kununu.com ergibt der Gehaltscheck auf Basis von mehr als 4,4 Millionen Datensätzen ein durchschnittliches Vollzeit-Brutto von 52.833 Euro pro Jahr – umgerechnet rund 4.400 Euro monatlich. Abweichungen zu den Zahlen der Statistikbehörde entstehen, weil andere Branchen- und Jobmischungen in die Auswertung einfließen und freiwillige Angaben dominieren. Für Beschäftigte bedeutet das: Der Vergleich mit beiden Werten liefert nur eine grobe Einordnung. Wer das eigene Einkommen bewerten will, sollte immer Beruf, Region, Qualifikation und Wochenstunden gegenprüfen, statt sich nur am Gesamtwert zu orientieren.
Medianeinkommen: Realistischere Orientierung für Beschäftigte
Für viele Verbraucherinnen und Verbraucher ist das Medianeinkommen die aussagekräftigere Größe. Beim Durchschnitt wird die Summe aller Gehälter durch die Anzahl geteilt – sehr hohe Managergehälter ziehen diese Kennzahl nach oben. Das Medianentgelt markiert dagegen den Wert, bei dem genau die Hälfte mehr und die andere Hälfte weniger verdient. Laut wmn.de ergeben sich dadurch weniger Verzerrungen durch Ausreißer. Für die private Finanzplanung kann der Median daher sinnvoller sein, etwa um zu prüfen, ob Miet- oder Kreditbelastungen zum typischen Einkommen passen. Beschäftigte in unteren und mittleren Einkommensgruppen erhalten so ein Bild, das näher an ihrer Realität liegt als der reine Mittelwert.
DACH-Vergleich: Deutschland zwischen Österreich und Schweiz
Im internationalen Vergleich innerhalb des deutschsprachigen Raums liegt Deutschland im Mittelfeld. Das Jahresbrutto liegt laut news.kununu.com bei knapp 53.000 Euro und damit etwas über Österreich, wo im Schnitt rund 50.200 Euro verdient werden. Die Schweiz erreicht mit etwa 94.400 Franken, umgerechnet rund 88.100 Euro, deutlich höhere Einkommen. Spannend für Verbraucher: Die Gehaltszufriedenheit ist in Österreich mit 62,02 Prozent am höchsten, während Deutschland mit 54,96 Prozent vor der Schweiz mit 51,24 Prozent liegt. Kaufkraftvergleiche relativieren die Unterschiede zusätzlich, da insbesondere die Lebenshaltungskosten in der Schweiz deutlich höher ausfallen als in Deutschland.
Versicherungen zahlen am meisten, Verwaltung am unteren Ende
Starke Unterschiede zeigen sich zwischen einzelnen Wirtschaftszweigen. Nach Auswertungen von kununu führt die Versicherungsbranche mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 62.440 Euro und einer Gehaltszufriedenheit von 74 Prozent. Banken (62.427 Euro) und Energiewirtschaft (61.103 Euro) liegen knapp dahinter. Auch IT, Beratung, Pharma, Chemie und Maschinenbau zahlen im Schnitt über 56.000 Euro. Im Mittelfeld bewegen sich Finanzsektor, Automobilindustrie, Telekommunikation, Elektro- und klassische Industrie. Am unteren Ende der aufgelisteten Branchen rangiert die öffentliche Verwaltung mit 51.267 Euro und 61 Prozent Zufriedenheit. Für Beschäftigte und Bewerbende kann ein Branchenwechsel daher ein wirksamer Hebel für Einkommenszuwächse sein, wie iwkoeln.de für strukturelle Lohnunterschiede zwischen Sektoren meldet.