Ein akademischer Abschluss ist in Deutschland längst nicht die einzige Eintrittskarte zu einem attraktiven Einkommen. Daten des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft zeigen, dass junge Beschäftigte mit dualer Ausbildung in bestimmten Fachkraftberufen bereits unter 30 Jahren mehr als 4.000 Euro brutto im Monat erzielen. In der Technischen Produktionsplanung und -steuerung liegt das mittlere Vollzeitgehalt bei rund 4.300 Euro, in Luft- und Raumfahrttechnik, Chemie- und Pharmatechnik sowie im Brandschutz ebenfalls oberhalb der 4.000-Euro-Marke. In den 20 bestbezahlten Ausbildungsberufen bewegen sich die Mediangehälter durchweg über 3.500 Euro – deutlich mehr als der mittlere Lohn aller unter 30-Jährigen von 2.900 Euro.

4.300 Euro in der Industrie: Technische Planung und Metallberufe

Laut einer Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) gehören Metall- und Elektroberufe zu den lukrativsten Feldern für qualifizierte Fachkräfte. Rund die Hälfte der 20 Spitzenpositionen entfällt auf Tätigkeiten in der industriellen Fertigung, Automatisierungstechnik und elektrischen Betriebsanlagen. Ein Beispiel ist die Technische Produktionsplanung und -steuerung: Hier koordinieren Beschäftigte Abläufe, sorgen für reibungslose Fertigungsketten und überwachen Qualität sowie Auslastung der Anlagen. Mit einem Mediangehalt von etwa 4.300 Euro brutto im Monat gehört dieser Bereich zur Spitzengruppe. Für den Einstieg reicht in der Regel eine entsprechende duale Ausbildung, etwa im industriellen Metall- oder Elektrobereich, ergänzt um Weiterbildungen und Praxiserfahrung in der Prozessoptimierung.

Versicherungen und Finanzdienstleistung: Junge Fachkräfte über 4.000 Euro

Überdurchschnittliche Einkommen sind auch im Finanzsektor erreichbar, ohne dass zwingend ein Hochschulabschluss erforderlich ist. Bank- oder Versicherungskaufleute mit Spezialisierung auf Beratung und Vertriebssteuerung können bereits früh im Berufsleben deutlich mehr als 4.000 Euro brutto verdienen, wie Auswertungen von Gehaltsportalen zeigen. Besonders attraktiv sind Positionen mit variablem Vergütungsanteil, etwa im gehobenen Privatkundengeschäft oder im Außendienst. Für Frauen bieten diese Profile einen finanziell interessanten Weg, wenn sie kommunikative Stärke, Zahlenaffinität und Verhandlungsgeschick mitbringen. Eine solide kaufmännische Ausbildung, Produktschulungen und vertriebsorientierte Zusatzqualifikationen sind hier die wichtigsten Hebel.

Gut bezahlt, aber ungleich: Gender Pay Gap bleibt Thema

Trotz dieser Möglichkeiten bleibt die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen groß. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts betrug der unbereinigte Gender Pay Gap zuletzt 18 Prozent, der bereinigte Wert lag bei 7 Prozent. Ein Ranking von gut bezahlten Berufen für Frauen zeigt jedoch, dass gezielte Berufswahl Einkommen deutlich heben kann: Marktforscherinnen erreichen laut gofeminin.de 70.000 bis 80.000 Euro brutto jährlich, Einkäuferinnen und Personalreferentinnen kommen auf 70.000 bis 90.000 Euro. Zwar setzen viele dieser Positionen ein Studium voraus, doch auch Frauen mit Ausbildung finden in Bereichen wie technischer Vertrieb, Immobilienvermittlung oder Finanzberatung Wege in ähnliche Gehaltsregionen – oft unterstützt durch berufsbegleitende Fortbildungen.

Karriere-Tipps: So gelingt der Sprung über 4.000 Euro brutto

Für ein Gehalt ab 4.000 Euro ohne Studium zählen weniger Titel als Spezialisierung, Berufserfahrung und Verhandlungskompetenz. Branchen mit hohem Fachkräftemangel – etwa Industrie, IT-Sicherheit oder Energiewirtschaft – zahlen Aufschläge für praxisnahe Kenntnisse. Gehaltsdaten von Plattformen wie news.kununu.com zeigen, dass große Unternehmen häufig 20 bis 30 Prozent mehr bieten als kleine Betriebe. Regionale Unterschiede sind ebenfalls erheblich: Ballungsräume wie München oder Frankfurt liegen deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Wer gezielt eine technische oder kaufmännische Ausbildung wählt, diese durch Zertifikate ergänzt und bereit ist, den Standort zu wechseln, kann auch ohne akademischen Abschluss ein Einkommen erzielen, das viele Hochschulabsolventen übertrifft.