Zum 1. Juli 2026 erhalten rund 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland mehr Geld. Die gesetzlichen Renten steigen um 4,24 Prozent, wie laut t-online.de aus Angaben des Bundesarbeitsministeriums hervorgeht. Hinter der jährlichen Anpassung steht eine Formel mit mehreren Bausteinen. Einer davon ist der Nachholfaktor. Für Ruheständler ist er vor allem dann relevant, wenn Renten rechnerisch eigentlich sinken müssten. In diesem Fall verhindert zunächst die Rentengarantie eine Kürzung. Der spätere Ausgleich läuft dann über künftige Erhöhungen.

Nachholfaktor seit 2022 wieder in Kraft

Der Nachholfaktor ist Teil der Rentenanpassungsformel und arbeitet mit der Rentengarantie zusammen. Wenn Löhne sinken und dadurch eigentlich auch die Renten fallen müssten, greift der gesetzliche Schutzmechanismus. Die Bezüge bleiben stabil. Die ausgebliebene Kürzung wird jedoch nicht gestrichen, sondern in späteren Jahren mit anstehenden Erhöhungen verrechnet. Künftige Aufschläge fallen dadurch geringer aus, höchstens bis zur Hälfte der jeweiligen Erhöhung. Reicht das nicht aus, wird der verbleibende Ausgleichsbedarf ins nächste Jahr übertragen. Seit 2022 gilt dieser Mechanismus wieder nach einer mehrjährigen Aussetzung.

1,17 Prozentpunkte weniger im Westen 2022

Praktisch wirkte sich das bei der Rentenanpassung 2022 aus. Damals fiel die Erhöhung für West-Rentner um rund 1,17 Prozentpunkte niedriger aus, als es die reine Lohnentwicklung nahegelegt hätte. Hintergrund war, dass die West-Renten 2021 rechnerisch in ähnlicher Größenordnung hätten sinken müssen. Weil das gesetzlich ausgeschlossen war, wurde die Anpassung ausgesetzt und später nachgeholt. Aktuell ist der Mechanismus kaum spürbar, weil die Löhne seit der Corona-Pandemie Jahr für Jahr gestiegen sind. Eine rechnerische Rentenkürzung steht derzeit nicht an, daher wird der Faktor momentan faktisch nicht gebraucht.

Standardrente steigt auf 1.913 Euro brutto

Mit der Erhöhung steigt auch die Standardrente ab Juli 2026 auf rund 1.913 Euro brutto im Monat. Das entspricht 22.956 Euro brutto im Jahr, wie finanz.de berichtet. Diese Größe ist kein Durchschnitt aller ausgezahlten Altersrenten, sondern ein Rechenwert. Grundlage ist eine versicherte Person mit 45 Beitragsjahren und einem Einkommen genau in Höhe des jeweiligen Durchschnittsverdienstes. Ab Juli 2026 ist ein Entgeltpunkt 42,52 Euro wert. Wer 45 Entgeltpunkte gesammelt hat, erreicht damit den genannten Monatsbetrag. Viele tatsächliche Renten liegen allerdings darunter oder darüber.

Mehr brutto heißt nicht automatisch mehr netto

Für Verbraucher wichtig ist der Blick auf Abzüge und Steuerpflicht. Bei einer Standardrente von 22.956 Euro jährlich bleiben nach den im Quelltext genannten Berechnungen rund 3.672,96 Euro steuerfrei. Hinzu kommen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung von rund 2.812 Euro pro Jahr sowie Pauschbeträge von 102 Euro für Werbungskosten und 36 Euro für Sonderausgaben. Durch die Erhöhung könnten weitere Ruheständler erstmals steuerpflichtig werden, vor allem bei zusätzlichen Einnahmen aus Betriebsrenten, Vermietung oder Kapitalanlagen. Trotzdem bleibt ein Plus: Bei 1.500 Euro Monatsrente steigt der Bruttobetrag um etwa 64 Euro, bei 2.000 Euro um knapp 85 Euro.