Digitalisierung, KI und Automatisierung greifen tief in den Arbeitsmarkt ein. Routinetätigkeiten werden zunehmend von Software und Robotern übernommen, während sich Wertschöpfung in Richtung Daten, Plattformen und vernetzte Dienste verlagert. Für Beschäftigte bedeutet das: Einige Qualifikationen gewinnen an Bedeutung, andere geraten ins Hintertreffen. Eine Auswertung des Job-Futuromaten, auf die sich wmn.de bezieht, zeigt, welche traditionellen Tätigkeiten besonders bedroht sind – von Handwerksberufen wie Fassküfer oder Schuhmacher bis hin zu Dienstleistungsjobs im Reisebüro oder in der Buchhaltung.
Handwerkliche Einzelstücke geraten unter Preisdruck
Klassische Manufakturen wie Fassküfer, Schuhmacher, Juweliere oder Konditoren stehen wirtschaftlich stark unter Kostendruck. Fass- und Schuhproduktion lassen sich industriell erheblich schneller und billiger herstellen, individuelle Anfertigungen bleiben Nischenprodukte für zahlungskräftige Kundschaft. Beim Konditorenhandwerk übernehmen Großbäckereien und automatisierte Anlagen einen Großteil der Massenproduktion, während nur noch spezialisierte Betriebe von Torten, Patisserie und Eventgeschäft leben können. Für Verbraucher:innen heißt das: Standardware wird günstiger und einheitlicher, hochwertige Einzelstücke dagegen teurer – und häufig nur in größeren Städten verfügbar.
Industrie und Lebensmittelproduktion: Maschinen dominieren Abläufe
In der Lebensmittelverarbeitung gelten Milchtechnologen, Brauer und Weintechnologen als stark automatisierbar. So lassen sich bei Milchtechnologen bereits rund 90 Prozent der Tätigkeiten von Anlagen übernehmen, bei Brauern sogar 13 von 14 Arbeitsschritten. Parallel wächst die Bedeutung pflanzlicher Milchalternativen, was den Bedarf klassischer Milchverarbeitung zusätzlich senkt. Auch in der Landwirtschaft erledigen moderne Maschinen viele Arbeitsschritte mit deutlich weniger Personal als vor Jahrzehnten. Für Konsument:innen zeigt sich das an stabilen Preisen trotz steigender Produktionsmengen – allerdings oft zulasten regionaler Kleinbetriebe und traditioneller Herstellungsverfahren.
Büro, Logistik und Qualitätskontrolle im Automatisierungsfokus
Bürojobs mit hohem Routineanteil geraten besonders in den Fokus intelligenter Software. Der Job-Futuromat stuft Finanzbuchhalter und Datentypisten als nahezu vollständig ersetzbar ein. Digitale Buchhaltungssysteme, Scan- und Texterkennungssoftware sowie KI-gestützte Auswertung reduzieren den Bedarf an manueller Dateneingabe und Standardkontrollen erheblich. Ähnliche Entwicklungen gibt es im Lager: Robotik, automatische Kommissionierung und Fördertechnik nehmen Lagermitarbeitenden körperlich schwere Aufgaben ab, zugleich sinkt die Zahl einfacher Tätigkeiten. In der Qualitätskontrolle übernehmen Sensoren und Bildverarbeitung Prüfaufgaben mit höherer Präzision, wodurch menschliche Prüfer seltener gebraucht werden.
Dienstleistungen: Online-Plattformen und Klimaziele verändern Jobs
Auch viele Dienstleistungsberufe stehen vor einem Umbruch. Reisebüroangestellte verlieren Kundschaft an Buchungsportale, Preisvergleichsseiten und Bewertungsplattformen. Klassische Drucker kämpfen mit dem Rückgang von Zeitungen, Tickets und Flyern; 3D-Druck sowie reine Online-Kommunikation treten an ihre Stelle. Zeitungsreporter konkurrieren mit Blogs, Social Media und neuen digitalen Formaten. Postboten verteilen weniger Briefe, dafür mehr Pakete – was andere Qualifikationen erfordert. Flugbegleiter wiederum geraten durch Klimaziele und erwartete Reduktion des Flugverkehrs unter erheblichen Anpassungsdruck, da Airlines Flotten und Streckennetze straffen und Servicepersonal reduzieren.
Hohe Automatisierbarkeit im Bergbau und in der Energiebranche
Im Bergbau ersetzen ferngesteuerte Fahrzeuge, Bohrsysteme und Überwachungstechnik die klassische Arbeit „unter Tage“. Expert:innen gehen laut wmn.de davon aus, dass Tätigkeiten von Berg- und Maschinenleuten technisch nahezu vollständig automatisierbar sind. Das erhöht die Sicherheit, verringert aber gleichzeitig den Bedarf an Beschäftigten. In der Atomenergie kommt ein weiterer Strukturfaktor hinzu: Deutschland steigt schrittweise aus, während einige europäische Nachbarländer neue Reaktoren planen. Wer hierzulande noch in Kernkraftwerken arbeitet, braucht mittelfristig Alternativen, etwa im Rückbau, in erneuerbaren Energien oder in der Industrieautomation. Für Verbraucher:innen beeinflussen solche Umbrüche langfristig Strompreise, Versorgungssicherheit und die Debatte um Qualifizierungsprogramme.