Für Millionen Beschäftigte rückt eine spürbare Mehrbelastung näher: Der Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung liegt derzeit bei 18,6 Prozent des Bruttolohns, je zur Hälfte getragen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Nach der neuen Frühjahrsfinanzschätzung soll der Satz bis Ende 2027 stabil bleiben, 2028 dann aber auf 19,9 Prozent steigen. 2029 werden bereits 20 Prozent erwartet. Hintergrund sind die alternde Bevölkerung, sinkende Rücklagen und höhere Ausgaben der Rentenkasse. Besonders brisant ist das, weil mit dem Eintritt geburtenstarker Jahrgänge in den Ruhestand das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern weiter sinkt.
Alexander Gunkel nennt 19,9 Prozent für 2028
Die Deutsche Rentenversicherung hält den Anstieg für notwendig. „Um ein Absinken der Rücklage unter die Mindesthöhe von 0,3 Monatsausgaben zu verhindern, wird 2028 eine Anhebung des Beitragssatzes auf 19,9 Prozent erforderlich“, so Alexander Gunkel, Vorsitzender der Deutschen Rentenversicherung, laut Bild. Nach Angaben des Versicherungsträgers sind die Reserven bis 2027 weitgehend aufgebraucht. Zusätzlich droht eine frühere Erhöhung, falls der Bund seine Zuschüsse um vier Milliarden Euro kürzt. Dann könnte die Belastung schon vor 2028 steigen, weil die Stabilisierung des Rentenniveaus zusätzliche Mittel verlangt.
4.500 Euro brutto bedeuten 351 Euro mehr im Jahr
Für Verbraucher lässt sich die Prognose konkret beziffern. Bei einem mittleren Bruttogehalt von 4.500 Euro würde die jährliche Belastung für Arbeitnehmer um 351 Euro steigen, wie deutschlandfunk.de berichtet. Damit läge der persönliche Anteil an der gesetzlichen Rente bei mehr als 5.300 Euro im Jahr. Da Arbeitgeber den Beitrag jeweils zur Hälfte mittragen, steigen auch die Lohnnebenkosten. Wichtig ist dabei: Der Sprung auf 19,9 Prozent wäre die erste Erhöhung seit 2007. Seit 2018 war der Satz durchgehend stabil, was vielen Beschäftigten zuletzt konstante Abzüge vom Bruttolohn gesichert hatte.
417,4 Milliarden Euro Einnahmen, 421,3 Milliarden Euro Ausgaben
Die Finanzlage erklärt, warum die Schätzung so deutlich ausfällt. Im vergangenen Jahr nahm die Rentenkasse 417,4 Milliarden Euro ein, die Ausgaben lagen jedoch bei 421,3 Milliarden Euro, wie versicherungsmagazin.de meldet. Damit überstiegen die Ausgaben die Einnahmen bereits um fast vier Milliarden Euro. Die Projektionen stehen laut Rentenversicherung unter dem Vorbehalt der aktuellen Rechtslage sowie der weiteren Konjunkturentwicklung. Hinzu kommt, dass die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose zuletzt auf 0,5 Prozent gesenkt hat. Schwächere Lohnentwicklung und weniger Dynamik am Arbeitsmarkt würden die Finanzierung zusätzlich belasten.
Von 2,5 auf 1,9 Erwerbsfähige je Rentner
Langfristig ist vor allem die Demografie der Kostentreiber. Derzeit kommen rechnerisch noch 2,5 Erwerbsfähige auf einen Rentner, künftig soll dieser Wert auf 1,9 sinken. Wenn weniger Menschen Beiträge zahlen und gleichzeitig mehr Renten ausgezahlt werden, wachsen die Finanzierungslücken. Die von der Koalition geplante Rentenreform gewinnt damit an Tempo, auch weil die Wirtschaftsweisen vor Sozialabgaben von fast 50 Prozent bis 2040 warnen. Für Verbraucher heißt das vor allem: Das Nettoeinkommen kann unter höheren Abzügen leiden, während private und betriebliche Altersvorsorge als Ergänzung noch stärker in den Blick rücken.