Hohe Mieten, teure Lebensmittel und steigende Energiekosten belasten viele Haushalte. Armut wird in Deutschland meist relativ gemessen: Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Einkommens zur Verfügung hat. Für Einzelpersonen lag diese Schwelle 2022 bei 1.189 Euro netto im Monat, für Alleinerziehende mit einem Kind unter 14 Jahren bei 1.546 Euro. Entscheidend ist also nicht nur, was am Monatsende übrig bleibt, sondern auch, wie das eigene Einkommen im Vergleich zum gesamtgesellschaftlichen Niveau ausfällt, wie wsi.de berichtet.

1.189 Euro netto für Singles im Jahr 2022

Die Grenzwerte unterscheiden sich je nach Haushalt deutlich. Für ein Paar mit zwei Kindern unter 14 Jahren lag die Armutsgrenze 2022 bei 2.497 Euro netto, mit zwei älteren Kindern bei 2.973 Euro. Frühere Werte aus 2021 fielen teils niedriger aus, etwa 1.074 Euro für Singles und 1.396 Euro für Alleinerziehende mit einem jüngeren Kind. Das zeigt zugleich, wie stark sich Preisniveau und Einkommensentwicklung auf statistische Schwellen auswirken. Wer darunter liegt, gilt nicht automatisch als existenziell mittellos, zählt aber offiziell zur Gruppe mit erhöhtem Armutsrisiko.

Alleinerziehende mit 41 Prozent besonders oft betroffen

Besonders häufig trifft finanzielle Unsicherheit Alleinerziehende. Mehr als 41 Prozent von ihnen gelten als armutsgefährdet, bei Erwerbslosen sind es 48,8 Prozent. Auch Studierende geraten oft in eine prekäre Lage: 2021 waren 37,9 Prozent betroffen, bei Alleinlebenden oder Wohngemeinschaften nur mit anderen Studierenden lag das Risiko sogar bei 76,1 Prozent, laut wmn.de. Zwei von fünf Studierenden konnten ungeplante Ausgaben schon vor Energiekrise und Inflation nicht bezahlen. Das zeigt, wie knapp viele Budgets bereits vor den jüngsten Preissteigerungen kalkuliert waren.

4,6 Millionen Vollzeitkräfte unter 2.750 Euro brutto

Niedrige Löhne betreffen nicht nur Menschen ohne Arbeit. Rund 20 Prozent der Vollzeitbeschäftigten verdienen weniger als 2.750 Euro brutto im Monat, etwa 40 Prozent bleiben unter 3.500 Euro. Dietmar Bartsch, damals Fraktionschef der Linken, formulierte die Kritik scharf: „Deutschland ist kein Hochlohnland, sondern hat ein millionenfaches Lohnproblem", so Dietmar Bartsch laut Focus. Regional sind die Unterschiede groß. In Ostdeutschland liegen rund 60 Prozent der Vollzeitkräfte unter 3.500 Euro monatlich, in Baden-Württemberg sind es 33,6 Prozent. Hamburg verzeichnet bei Einkommen unter 2.750 Euro den niedrigsten Anteil, Mecklenburg-Vorpommern den höchsten.

45 Versicherungsjahre und oft weniger als 1.300 Euro Rente

Für die Altersvorsorge sind diese Einkommen brisant. Nach Angaben aus einer Regierungsantwort braucht es mehr als 3.300 Euro Monatsbrutto, also rund 20 Euro pro Stunde, um später ohne zusätzliche Vorsorge auf eine Rente knapp über der Armutsrisikogrenze zu kommen. Mehr als ein Viertel der Menschen mit mindestens 45 Versicherungsjahren erhält dennoch weniger als 1.300 Euro gesetzliche Rente. Insgesamt stammen bei den über 65-Jährigen 53 Prozent des Einkommens aus der gesetzlichen Absicherung, 7 Prozent aus Betriebsrenten, 6 Prozent aus privater Vorsorge und 13 Prozent aus Erwerbsarbeit. Wer lange wenig verdient, muss deshalb oft auch im Ruhestand mit knappen Mitteln rechnen.