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Jenke von Wilmsdorff im Interview: „Sucht ist doch immer die Suche nach etwas“

Jenke von Wilmsdorff in „Jenke macht Mut - Der schwere Kampf gegen die Kilos“

Jenke von Wilmsdorffs neue Reportage-Reihe „Jenke macht Mut“ behandelt am Montagabend das Thema Übergewicht. In der Ausgabe mit dem Titel „Der schwere Kampf gegen die Kilos“ reist Jenke in die USA, um dort Abnehmwilligen zu helfen und sie zu begleiten. „Promipool“ hat sich vorab mit Jenke von Wilmsdorff unterhalten.

Jenke von Wilmsdorff (53) wurde für seine letzte Ausgabe „Jenke macht Mut“ mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Damals behandelte die Reportage das Thema Brustkrebs und begleitete Frauen, die mit der Erkrankung leben. Am Montagabend dreht sich bei Jenke alles um das Thema Übergewicht.

Für „Jenke macht Mut - Der schwere Kampf gegen die Kilos“, das am 15. April um 20.15 Uhr auf RTL gezeigt wird, besucht Jenke die USA. Dort begleitet er Übergewichtige und sucht nach der besten Methode, um Gewicht zu verlieren.

„Promipool“: Hallo Herr von Wilmsdorff. Was war der größte und offensichtlichste Unterschied zwischen Deutschland und den USA beim Dreh im Bezug auf den Umgang mit Fettleibigkeit?

Jenke von Wilmsdorff: Ein Besuch in den USA ist immer auch eine Reise in die Zukunft. Was dort angesagt ist, wird in absehbarer Zeit auch bei uns angesagt sein, ob das Musik, Mode oder Lifestyle ist. Durch Instagram hat sich das - was früher Monate bis Jahre brauchte - extrem beschleunigt. Ähnlich verhält es sich mit dem gesellschaftlichen Problem „Übergewicht“.

Die Fast Food (Un-)Kultur kommt schließlich aus den USA und amerikanische Lebensmittelhersteller haben weltweit einen extrem großen Einfluss auf die Ernährung der Menschheit. Aber auch eine große Verantwortung, doch wird diese wirtschaftlichen Interessen untergeordnet.

Jetzt, wo das Gesundheitsproblem nicht mehr wegzudiskutieren ist und wo jeder Konsument weiß, dass Übergewicht gesundheitsschädigend ist, fängt in den USA ein Umdenken statt. Denn das eröffnet neue Märkte. Vielleicht sind wir da in Deutschland diesmal schon einen Schritt weiter.

Sie haben durch Ihr Experiment „rauchfrei“ Schlagzeilen gemacht. Kann man Nikotinsucht und Sucht nach Essen miteinander vergleichen? Was sind die Unterschiede?

Ich denke, alle Süchte haben eins gemeinsam: Sie sind der Versuch, etwas zu kompensieren, ein Problem zu lösen. Das mag für den Augenblick funktionieren, wird aber auf Dauer keinen Erfolg haben und nur zusätzliche Probleme verursachen. Sucht ist doch immer die Suche nach etwas.

Ob man sich nun mit Alkohol, Nikotin, anderen Drogen oder Essen „betäubt“, spielt dabei nicht die wesentliche Rolle. Nur, wenn ich das „Warum“ meiner Sucht verstehe, kann ich sie wieder loswerden.

Wie hat sich Ihr Bild von Übergewichtigen verändert?

Übergewicht ist nicht in erster Linie eine Frage mangelnder Disziplin. Jeder übergewichtige Mensch hat seine Geschichte und seine Gründe, die oft in der Kindheit ihren Anfang nahmen. Das vergisst man oft. Und wenn wir von Adipositas sprechen, handelt es sich um krankhaftes Übergewicht.  

Was sind Ihre eigenen Erfahrungen mit Übergewicht?

Durch mein Ess-Experiment vor ein paar Jahren weiß ich, wie schnell man Übergewicht auf den Rippen hat und wie schnell es der Gesundheit schadet. Ich hatte mich nur über einen Zeitraum von vier Wochen hochkalorisch ernährt, aber bereits nach dieser kurzen Zeit schlug mein Körper Alarm. Die Leber zeigt erste Verfettungsanzeichen, meine Blutwerte waren schlecht und meine Energie war kaum noch vorhanden. Nach nur vier Wochen.  

Warum wird Ihrer Meinung nach so viel gegen die Modeindustrie gehetzt, weil sie Untergewicht propagiert, obwohl überall Fettleibigkeit auf dem Vormarsch ist?

Die Modeindustrie verkauft Träume und für viele ein Ideal. Ein von der Modeindustrie geschaffenes Ideal. Jetzt müsste man sich mal fragen, wer denn die superdünnen weiblichen Models mit ihren herben, teils männlichen Gesichtszügen auf den Laufsteg geholt hat. Ich hätte da eine Vermutung. 

Abgesehen von einigen wenigen Kampagnen, spielen wir Durchschnittsmenschen da keine Rolle. Denn es geht nicht um die Wirklichkeit, es geht um Fantasien. Viele von uns wollen anders sein, wollen mehr: besser aussehen, schlanker und sportlicher sein, nicht mehr alt werden und erfolgreich multitaskable sein und so orientieren wir uns an denen, die es sind, beziehungsweise vorgeben, es zu sein.

Auch hier denke ich wieder an Instagram. Es gibt leider noch genügend Menschen, die das für wahrhaftig halten, für die Realität. Doch, ob zu dick oder zu dünn, beides ist meist eine Essstörung. Das massive Übergewicht ist genauso zu behandeln wie das extreme Untergewicht und mittlerweile hat es die weltweite Unterernährung in seiner medizinischen Bedeutung bereits überrundet.

Vielen Dank!

Jenke von Wilmsdorff in „Jenke macht Mut - Der schwere Kampf gegen die Kilos“ könnt ihr am Montagabend um 20.15 Uhr auf RTL sehen.