• Home
  • Stars
  • Von wegen altes Eisen: Auf ihrer Global Spirit Tour geben Depeche Mode 2017 noch mal so richtig Gas
15. Dezember 2016 - 13:30 Uhr / Kathy Yaruchyk
Neues Album & Tour

Von wegen altes Eisen: Auf ihrer Global Spirit Tour geben Depeche Mode 2017 noch mal so richtig Gas

Dave Gahan singt immer noch in der Band Depeche Mode

Dave Gahan singt immer noch in der Band Depeche Mode

Sie sind die Pioniere des Synthie-Pop und haben noch lange nicht genug: Depeche Mode begeistern ihre Fans heute noch wie eh und je. 2017 wird ein gutes Jahr für Anhänger der Synthie-Legenden, denn sie bringen nicht nur ein neues Album in die Läden, sondern sind auch endlich wieder live zu sehen.

Seit den achtziger Jahren kommt musikalisch eigentlich niemand mehr an Depeche Mode vorbei. Durch sie hat der Synthie-Pop in den Diskotheken und Tanzschuppen Einzug gehalten und bis heute ist der unvergleichliche Sound der Briten durch nichts zu ersetzen. Auf den Dancefloors sind sie auch heute noch ein Dauerbrenner und verbinden damit musikalisch tatsächlich Generationen. Das Geheimnis von Sänger Dave Gahan (54), Keyboarder Andrew Fletcher (55) und Gitarrist Martin Gore (55)? Dem eigenen Stil treu bleiben und trotzdem Musik machen, die die Massen begeistert. Damit schlagen die britischen Erfolgsmusiker nicht nur die musikalische Brücke von den Achtzigern bis in unsere heutige Zeit, ihnen gelingt auch der Spagat zwischen dem Musikstil einer Kultära und den Ansprüchen einer völlig neuen Generation von Musik-Fans.

Dass sie die Elektromusik maßgeblich geprägt haben, steht wohl außer Frage. Auch die modernen Elektrostücke, die heute in den Clubs durch die Lautsprecher dröhnen, erinnern in ihrem Kern an das, was die Band um Dave Gahan vor 30 Jahren in den Synthesizer gehauen hat. Ihre großen Hits wie „Master and Servant“ oder „People are People“ stehen heute selbst noch oft auf der Playlist und können auch nach all den Jahren noch die junge Generation zum Tanzen bewegen. Echter Synthie-Pop ist eben irgendwie unvergänglich.

Auf Erfolgskurs über die Jahrzehnte hinweg

Wie weit sie es einmal bringen würden und vor allem, wie lange sie sich auf den großen Bühnen der Welt halten würden, hätten sich Depeche Mode wohl kaum träumen lassen. Dabei schlug ihr 1981 herausgebrachtes Erstlingswerk „Speak & Spell“ schon kräftig ein und eroberte die Top 10 der britischen Charts. An diesen Erfolg kann die Band auch mit ihren nachfolgenden Werken anknüpfen und entwickeln sich schnell zu einem Urgestein der Wave- und Pop-Szene. In Deutschland verhallt das erste Album der Briten zwar noch relativ ungehört, aber nur zwei Jahre später können sie mit „Construction Time Again“, ihrem bereits dritten Album, auch hierzulande die Diskotheken und Plattenläden erobern. Der Sprung nach Amerika gelingt den Ausnahmemusikern 1990. Dort werden sie mit ihrem Album „Violator“ und vor allem der Single „They Just Can’t Get Enough“ bekannt und beliebt und haben damit endgültig Weltstatus erreicht.

Nach dem Millennium wurde es um die Band etwas ruhiger. 2001 kam ihr Album „Exciter“ in die Läden. Von diesem Zeitpunkt an mussten eingefleischte Depeche-Mode-Fans deutlich länger auf Neuigkeiten von ihren Stars warten. Erst 2005 folgte „Playing the Angel“ und wieder vier Jahre später „Sounds of the Universe“ (2009). Als 2013 das bisher letzte Album „Delta Machine“ herauskam, schien bei den Musikern und ihren Fans irgendwie die Luft raus zu sein. Der erhoffte Erfolg der neuen Platte blieb nämlich aus. Nachdem „Sounds of the Universe“ noch einmal auf Platz 1 der deutschen Albumcharts gelandet war, hatten sich die Fans von dem neuen Werk aus der Depeche-Mode-Schmiede viel erwartet – und blieben eher ernüchtert und enttäuscht zurück. An frühere Erfolge konnte dieses Album nämlich bei weitem nicht anknüpfen. Die Kritiken fallen teilweise vernichtend aus. So kommentiert die „Zeit“ „Delta Machine“ als eine „traurige Angelegenheit.“ Vor allem die vorab veröffentliche Single „Heaven“ sei „So müde, so schleppend, mit albernen Trommelwirbeln im Vordergrund. Dabei waren erste Singles bislang so eine Art Königsdisziplin von Depeche Mode.“

Nach dem eher ernüchternden 13. Studioalbum haben die Fans von Depeche Mode nun wieder vier Jahre auf Neuigkeiten aus dem Synthesizer warten müssen. Für 2017 gibt es aber gute Nachrichten: Depeche Mode sind zurück und machen ihren Anhängern gleich doppelte Freude: Im Frühling soll das neue Album erhältlich sein. „Spirit“ heißt die Scheibe, die selbstverständlich in der gewohnten Mischung aus Dark- und New-Wave daher kommt.

Aber damit hören die guten Neuigkeiten für Depeche-Mode-Fans noch nicht auf. Die Briten werden ihr neues Album diesmal auch wieder im großen Stil live promoten und gehen deshalb im Frühsommer 2017 auf große Tournee. Auch auf acht deutschen Bühnen wird die „Global Spirt Tour“ zu hören, zu sehen und zu erleben sein. In Hamburg sind sogar zwei Konzerte geplant. Der Kartenvorverkauf ist schon in vollem Gange und zeigt, wie heiß die Fans auf den nächsten Live-Auftritt von Depeche Mode sind. Für die Auftritte in Deutschland und der Schweiz wurden bereits über 450.000 Tickets verkauft, wie der Online-Ticketanbieter Eventim verlauten ließ.

Bisher ist noch keines der in Deutschland geplanten Konzerte komplett ausverkauft, aber je nach Location gibt es nur noch einzelne Resttickets. Wer die Synthie-Pioniere aus Großbritannien also im nächsten Jahr gerne live erleben möchte, sollte schnell sein. Es bleibt zu hoffen, dass das neue Album von Dave Gahan und seinen Jungs wieder an alte Erfolge anknüpfen kann und die kleine Schlappe aus 2013 damit schnell vergessen ist.

Musik im Ausnahmezustand

Neben ihrer ausdrucksstarken Musik und einem Rhythmus, der einfach zum Abtanzen gemacht ist, überzeugen Depeche Mode bis heute auch durch ihre Bühnen-Show. Ganz im Stil der Achtziger und Neunziger darf es an reichlich Lightshow und Farben nicht fehlen. So lassen sich die Musiker gerne in Szene setzen. Aber auch die Künstler selbst hatten schon immer Kultstatus. Ein bisschen düster und irgendwie speziell verkörperten sie das Lebensgefühl einer ganzen Musikgeneration und haben sich diesen Stil bis heute bewahrt. Sänger Dave Gahan war in den Achtzigern und Neunzigern sogar ein regelrechter Frauenschwarm und konnte auf der Bühne für wahre Begeisterungsstürme sorgen. Auch heute hat der Brite noch immer dieses ganz besondere Charisma, das seine Fans mitreißt und regelrecht elektrisiert.

In den neunziger Jahren hatte es das Trio von Depeche Mode allerdings zeitweise nicht ganz leicht. Fast schien es, als sei der internationale Erfolg ein bisschen zu viel für die Musiker. Einer Art ungeschriebenem Gesetz in der Musikszene folgend stürzten die Künstler einer nach dem anderen ab. Sänger Dave Gahan kämpfte mit seinem Drogenkonsum. Er wurde abhängig von Heroin und Kokain und unternahm 1995 sogar einen Suizidversuch. Der brachte die Wende, denn er wurde in eine Entzugsklinik eingeliefert, wo er seine Drogenprobleme in den Griff bekam. Auch Keyboarder Andrew Fletcher und Gitarrist Martin Gore hatten mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Gore versuchte, die Spannungen innerhalb der Band mit übermäßigem Alkoholkonsum zu bekämpfen und Fletcher litt zeitweise unter schweren Depressionen.

Trotz einer schweren Krise blieb die Band allerdings zusammen und setzte ihre musikalische Arbeit fort. Sogar in den neunziger Jahren, in einer Zeit, die die Künstler selbst im körperlichen und seelischen Ausnahmezustand erlebten, entstanden mehrere Alben und zahlreiche Hits, die bis heute für die unerschöpfliche Kreativität der Band stehen. So viel Hingabe zur Musik wird belohnt, denn auch heute noch sind Depeche Mode weit davon entfernt, musikalisch zum alten Eisen zu gehören.