Im Interview

Leslie Clio: „Wenn ich deutsche Musik mache, dann mache ich Kindermusik“

Sängerin Leslie Clio

2013 landete Leslie Clio mit der Single „I Couldn’t Care Less“ einen Riesen-Hit. Inzwischen arbeitet die Musikerin schon ihrem vierten Album und sprach mit „Promipool“ über ihre Projekte wie Kinderlieder und „Sing meinen Song“. 

Leslie Clio (34) kennen die meisten vermutlich durch ihren Song „I Couldn’t Care Less“, der 2013 die Charts eroberte. Seither war Leslie bei „Sing meinen Song“ zu sehen, veröffentlichte weiter Musik und singt sogar Kinderlieder. Jetzt bringt Leslie ihre neue Single „Strangers Again“ heraus. 

„Promipool“: Hallo Leslie, was war deine Inspiration hinter der Single „Strangers Again“? 

Leslie Clio: „Strangers Again“ hatte eine sehr konkrete Inspiration, und zwar den Film „Collateral Beauty“ mit Will Smith. In dem Film ist die Zeile „if only we could be strangers again“ gefallen. Der Film dreht sich darum, dass ein Pärchen sein Kind verloren hat und den Schmerz nicht zusammen verkraftet und letztendlich die Beziehung daran zerbricht.  

Die Idee hinter dem Satz „if only we could be strangers again“ ist eigentlich die Hoffnung oder der Wunsch, in einer Beziehung noch mal von vorne anzufangen, sich das erste Mal neu kennenzulernen und nichts über den anderen zu wissen und alle Erfahrungen noch mal neu machen zu können. Den Song habe ich direkt am nächsten Tag in meiner Songwriting-Session geschrieben. Mit dem Satz bin ich reingekommen, das war die Inspiration und das ist die Inspiration hinter dem Song. 

Welche Themen gibt es auf deinem Album noch? 

Das nächste Album geht für mich grundsätzlich sehr viel um das Gefühl vom Weitermachen und Wachsen und Erwachsen – Situationen erwachsen. Das letzte Album „Purple“ war für mich ein bisschen ein Stillstand und ein Moment für Dunkelheit und dafür die Dunkelheit zuzulassen. Eine Momentaufnahme eines emotionalen Tiefs, in dem man auch Trauer, Lehre und Dunkelheit zulässt. 

Und das Neue? 

Das neue Album setzt eigentlich komplett daran an, eine Art Auferstehung, die Sonne geht wieder auf. Es ist kein Neuanfang. Es ist eine Weiterentwicklung einer dunklen Phase. Nach Berg kommt Tal, nach Tal kommt Berg, nach der Sonne kommt der Regen und nach dem Regen kommt die Sonne. Für mich ist das genau die Antwort darauf: Wenn das jetzt ein Winter war, dann ist die nächste Platte ein Frühling. Es fängt alles an. Die Ruhe nach dem Sturm oder der Berg ist überwunden sozusagen und jetzt kommt die Sonne wieder raus. Es ist auch ein sehr großer Weg zu mir selbst und ein Zeichen von im Leben stehen und auferstehen.  

Wie kamst du auf die Idee, auch Kindermusik zu machen? 

Kindermusik war eine relativ organische Entscheidung. Ich habe für die Giraffenaffen 2014 den Song „Anne Kaffeekanne“ eingesungen und der Song ist sehr, sehr, sehr, sehr, sehr weit gereist für mich. 

Also, der hat wirklich sehr viel Anklang gefunden, sehr viele Kinder haben das Lied immer gehört und ich habe sehr viel Zuspruch gekriegt und Feedback für diesen Song, sodass ich mir gedacht habe: Na ja, dann sollte ich vielleicht mal versuchen, Kindermusik zu schreiben. Mit dem Ergebnis, dass das wirklich eine ganz, ganz, ganz leicht von der Hand fließende Arbeit war. Die EP ist schon rausgekommen, aber wir haben auch schon ein ganzes Album geschrieben und auch mehr.  

Was ist für dich der große Unterschied zwischen der Kindermusik und der regulären Musik? 

Es ist wirklich ganz, ganz leicht entstanden und es ist für mich eine zweite kreative Kiste, die ich da aufmache, weil zum Beispiel alles was musikalisch, inhaltlich oder auch lyrisch oder von den Ideen, vom Sound und von den Video-Ideen – alles, was da quasi bei Leslie Clio nie stattgefunden hat, weil es nicht stattfinden konnte, hat jetzt durch die Kindermusik eine Leinwand gefunden.  

Ich kann das alles da reinfließen lassen, was total toll ist so, weil alle Ideen, die bei Leslie Clio nicht reinpassen, vielleicht bei Kid Clio reinpassen. Insofern ist Kid Clio ein weiteres Ventil für einen anderen Farbbaukasten sozusagen und das finde ich eigentlich recht schlau. Da habe ich bisher nicht so drüber nachgedacht, aber das ist das Ergebnis und das finde ich super. 

Wie hat es sich angefühlt, dafür auch mal auf Deutsch zu singen? 

Ich habe immer gedacht, wenn ich auf Deutsch schreibe, dann würde ich wahrscheinlich so Helge Schneider Musik machen, das würde nicht irgendwie ernsthaft poetisch oder ernst gemeint oder emotional sein. Es wäre immer irgendwie mit einem Schalk im Nacken, wenn ich Deutsch singe, weil ich einfach in der deutschen Sprache irgendwie so auch geprägt bin und ich liebe Helge Schneider über alles.  

Deswegen ist mir das in der Kindermusik sehr leicht gefallen, deshalb habe ich auch gesagt, wenn ich deutsche Musik mache, dann mache ich Kindermusik. Und das hat sich bewahrheitet. 

Wie stehst du zu einer möglichen Rückkehr zu „Sing meinen Song“? 

„Sing meinen Song“ würde ich auf jeden Fall jederzeit wieder machen. Es war musikalisch schon eine schöne Erfahrung. Was die Sendung und den Dreh als solches betrifft, war ich ein bisschen überwältigt und weil das vom Format ja schon etwas Neues ist, was ich als sogenanntes Steady TV nicht so richtig kannte. Deswegen würde ich jetzt, glaube ich, mit ein bisschen mehr Erfahrung da noch mehr Spaß haben und das noch mehr genießen können. 

Welche anderen Formate würdest du gerne mal machen? 

Da habe ich noch nicht drüber nachgedacht, es ändert sich auch immer so viel. Es gibt so viele neue Formate. Ich hoffe, es gibt bald mal eine Primetime-Musiksendung, wo man wirklich nerdy Musikwissen braucht, wo man Songs und Melodien erkennen muss oder irgendwelche Musikvideos oder Fun Facts oder Songwriting Facts. Also Musiknerdwissen, denn da wäre ich ganz vorne mit dabei. Da wäre ich gerne Dauergast, das kann ich ganz gut. 

Vielen Dank für das Gespräch!