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Tatort

Das "Tatort"-Logo ARD

Die Anfänge

 

Ende der 1960er Jahre hätte es sich Gunther Witte wohl nicht träumen lassen, dass aus seiner Idee, einmal die erfolgreichste Krimi-Reihe Deutschlands werden sollte. Günther Rohrbach sollte zu dieser Zeit für den WDR eine neue Krimiserie entwickeln und fragte bei Witte an. Die ARD suchte händeringend eine Antwort auf die erfolgreiche ZDF-Krimiserie „Der Kommissar“. Für den „Tatort“ bedienten sich Witte und Rohrbach bei der Rundfunkserie des RIAS mit dem Namen „Es geschah in Berlin“.

 

Anfangs sollte als Zusatz im Titel noch der jeweilige Handlungsort Erwähnung finden. Zudem gab es von Anfang an die Idee, die verschiedenen regionalen Sendeanstalten der ARD mit ins Boot zu holen, um die Kosten zu senken. Doch fast hätte es den „Tatort“ nie gegeben, denn in ihrer vierteljährlich Sitzung zeigten die Intendanten der ARD zunächst wenig Begeisterung für das neue Konzept. Am 29. November 1970 erschien dann doch der erste „Tatort“ mit dem Titel „Taxi nach Leipzig“. Walter Richter schlüpfte in die Rolle von „Kommissar Trimmel“. Produziert wurde der Film vom NDR. Doch zunächst steuerten die verschiedenen regionalen Rundfunkanstalten bereits vorher produzierte Krimis, die ursprünglich gar nicht als „Tatorte“ angedacht waren.

 

Ein einmalig erfolgreiches Konzept

 

Das Konzept des „Tatorts“ ist so simpel wie genial. In jeder Folge steht ein Ermittler aus einer Stadt bzw. Region im Mittelpunkt. Zudem war es schon immer der Anspruch der Reihe, realitätsnahe Geschichten und Fälle zu erzählen. Zudem sind Vor- und Abspann seit jeher identisch. Ebenfalls ein wichtiges Stilelement: die Filme sind in sich geschlossene, nicht lineare Geschichten. Erst das Dortmunder Team um „Kommissar Faber“ (Jörg Hartmann) hat mit dieser Tradition gebrochen.  Was ebenfalls zum immensen Erfolg des „Tatorts“ beigetragen hat, ist die Pflege des Lokalkolorit. Regionale Besonderheiten von Stadt, Menschen und deren Dialekt sind fester Bestandteil eines jeden „Tatorts“. Der Einsatz fester Ermittler-Teams für zu Anfang ebenso wenig geplant wie die feste Länge der Filme von 90 Minuten.

 

Produktion und Einschaltquoten

 

Pro Jahr erscheinen rund 35 neue „Tatort“-Folgen. Diese werden überwiegend von den einzelnen zuständigen Rundfunkanstalten produziert. Durchschnittlich liegt das Budget für eine Folge bei 1,2 Millionen Euro.  Ein Film verschlingt je nach Aufwand zwischen 21 und 30 Drehtagen. Doch dieser Aufwand lohnt sich, wie die Einschaltquoten eindrucksvoll belegen. Lediglich die Spiele der Deutschen Fußballnationalmannschaft rangieren noch deutlich vor dem „Tatort“. Im Jahr 2010 waren 13 der 15 meistgesehenen Filme im deutschen Fernsehen „Tatorte“. In den 1970er Jahren erreichte man aufgrund mangelnder Konkurrenz Einschaltquoten von 25 Millionen Zuschauern, was rund 70 Prozent Marktanteil entsprach. Aber auch heute noch kann sich die Quote vor allem im Durchschnitt sehen lassen. 2013 sahen im Schnitt 9,32 Millionen Zuschauer die neuen „Tatort“-Folgen.

 

An der Spitze der Beliebtheitsskala stehen die WDR-Ermittler „Thiel“ (Axel Prahl) und „Boerne“ (Jan Josef Liefers) aus Münster. Pro Folge schalten dort mehr als 10 Millionen Zuschauer ein. Im September 2014 schalteten bei der Folge „Mord ist die beste Medizin“ sogar 13,13 Mio. Zuschauer ein. Dicht dahinter folgt Til Schweigers Debüt als Hamburger Kommissar „Nick Tschiller“, welches 12,57 Millionen Leute sehen wollten.

 

Der gesellschaftspolitische Auftrag des „Tatorts“

 

Die Intention des „Tatorts“ war es schon seit jeher, auch gesellschaftspolitische Themen anzusprechen. „Horst Schimanski“ (Götz George), der eindeutig dem Arbeitermilieu entstammte, verkörperte Anfang der 1980er Jahre den Konflikt zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Schichten. Bereits in der ersten Episode „Taxi nach Leipzig“ wurden die Folgen der deutschen Teilung in Ost und West thematisiert. Bis heute setzen die Macher der bislang über 950 Folgen diese Tradition fort und beschäftigen sich immer wieder mit brisanten Themen. Sei es Rassismus, Kindesmissbrauch, Flüchtlingen bzw. Migration, staatliche Überwachung oder organisiertes Verbrechen.

 

Die Ermittler-Teams

 

Es ist das wohl kontroverseste Thema im „Tatort“-Kosmos. Die einzelnen Städte und die dazugehörigen Ermittler-Teams. Hier zeigt sich eine Mischung aus Konstanz und schnellen Wechseln. Während manchen Teams seit 20 Jahren auf Verbrecherjagd gehen, werden anderen nach nur wenigen Folgen wieder abgesetzt. Gerade in den sozialen Medien wird deutlich: der Zuspruch der Fans hängt nicht zuletzt von der Sympathie für das jeweilige Team ab.

 

Hamburg: „Nick Tschiller“ (Til Schweiger)

 

Seit 2013 ist Superstar Til Schweiger in der Hansestadt als Ermittler im Einsatz. Orientiert sich eher am klassischen amerikanischen Action-Film mit Vorbildern wie Bruce Willis - atemberaubende Schussgefechte und Kampf-Szenen inklusive. Unterstützung erhält Schweiger dabei von Fahri Yardim („Yalcin Gümer“) und demnächst von niemand geringerem als Helene Fischer. Eine Folge pro Jahr, aber diese hat es in sich.

 

Norddeutschland: „Thorsten Falke“ (Wotan Wilke Möhring)

 

Ein Typ mit Ecken und Kanten. In ganz Norddeutschland seit 2013 Wotan Wilke Möhring für das LKA Hamburg. Ähnelt stark dem legendären „Horst Schimanski“ – Lederjacke, Band-Shirt und das ein oder andere Feierabendbier gehören zu „Falkes“ Grundausstattung. Leider kündigte unlängst Möhrings Sidekick Petra Schmidt-Schaller ihren Abschied an. In ihre Fußstapfen tritt Franziska Weisz. Nach einem kurzen absurd komischen Intermezzo sollen die nächsten Fälle wieder deutlich politischer werden – wir sind gespannt.

 

Franken: „Voss“ (Fabian Hinrichs) und „Ringelhahn“ (Dagmar Manzel)

 

Die neuen im Revier. Fabian Hinrichs und Dagmar Manzel feierten jüngst ihre Premiere und das äußerst erfolgreich. Ermitteln rund um Nürnberg im fränkischen Hinterland. Die Quoten nach dem ersten Fall sprechen eindeutig für das neue Team, das definitiv Potential hat. Wir bleiben am Ball und freuen uns schon jetzt auf die kommende Episode.

 

Hessen: „Felix Murot“ (Ulrich Tukur)

Schwankt häufig zwischen Welt- und Kreisklasse. Dennoch bleibt festzuhalten: Ulrich Tukur ist schauspielerisch über jeden Zweifel erhaben. Als LKA-Kommissar „Felix Murot“ ermittelt er kreuz und quer in Hessen. Nutzt immer wieder erfrischende Stilelemente, wenn er sich durch seine Fälle tanzt oder singt. Die Folge „Im Schmerz geboren“ von 2014 ist mit ihren Shakespeare und Tarantino Elementen zudem einer der besten „Tatorte“ überhaupt.

 

Bremen: „Lürsen“ (Sabine Postel) und „Stedefreund“ (Oliver Mommsen)

 

Seit 1997 ermittelt Sabine Poste als „Inga Lürsen“ in der Hansestadt Bremen. Unterstüzt wird sie dabei seit 2012 von Oliver Mommsen als „Nils Stedefreund“. Die Fälle der beiden behandeln oft politische Themen, wie jüngst die Folgen von Windparks auf offener See. Zwei bis drei Mal pro Jahr sind die beiden im Einsatz und dabei eine verlässliche Bank.

 

Saarbrücken: „Stellbrink“ (Devid Striesow) und „Marx“ (Elisabeth Brück)

 

Devid Striesow und Elisabeth Brück sind seit 2013 im beschaulichen Saarbrücken im Einsatz. Sorgen bei Fans und in sozialen Netzwerken für regen Diskussionen und sind nicht gänzlich unumstritten. Gerade zu Beginn noch mit sehr vielen Comedy Elementen versprach der Sender jüngst, dass es in den kommenden Episoden durchaus ernster werden wird.

 

Luzern: „Flückinger“ (Stefan Gubser)

 

„Reto Flückinger“ war bereits einige Male im „Tatort“ Konstanz an der Seite von „Klara Blum“ zu sehen, bevor er 2011 seinen eigenen „Tatort“  in Luzern bekam. Die Reaktionen auf das Debüt waren äußerst verhalten. Mit zwei Folgen im Jahr sind die Schweizer Kollegen dem ein oder anderen vielleicht etwas zu sehr präsent, allerdings zeigte die Formkurve zuletzt deutlich nach oben.

 

Hannover: „Lindholm“ (Maria Furtwängler)

 

Seit 2002 ermittelt Publikumsliebling Maria Furtwängler als „Charlotte Lindholm“ für das LKA in Hannover und Umgebung. Mittlerweile gibt es leider nur noch eine Folge pro Jahr. Jedes Mal deutlich über dem Durchschnitt. Mit der Doppelfolge „Wegwerfmädchen“ gab es ein echtes Highlight, das in den Foren für rege Diskussionen und Applaus von Seiten der Kritiker sorgte.

 

Konstanz: „Blum“ (Eva Mattes) und „Perlmann“ (Sebastian Bezzel)

 

Die Auslaufmodelle. Eva Mattes ermittelt als Kommissarin „Klara Blum“ seit 2004 mit ihrem Partner „Kai Perlmann“ alias Sebastian Bezzel rund um den Bodensee. Am Anfang ein sehr erfrischendes Duo haben sich mit der Zeit doch leider Abnutzungserscheinungen breit gemacht. Gehen dann auch wohlverdient 2016 in Frührente.

 

Stuttgart: „Lannert“ (Richy Müller) und „Bootz“ (Felix Klare)

 

Die Buddy-Kommissare: Seit 2008 sind Richy Müller und Felix Klare in der schwäbischen Metropole im Einsatz. Beide haben ihr Päckchen zu tragen und liefern grundsolide Ermittlerarbeit ab. Zwei bis drei Mal pro Jahr im Einsatz mit Luft nach oben.

 

Ludwigshafen: „Odenthal“ (Ulrike Folkerts) und „Kopper“ (Andreas Hoppe)

 

Seit 1989 ist Ulrike Folkerts bereits in Ludwigshafen im Einsatz und bekommt seit 1996 Unterstützung von Andreas Hoppe. In den Anfangszeiten thematisch der experimentellste „Tatort“, doch mit zunehmender Dauer kommen viele Episoden eher bieder und ohne Elan daher. Seit einiger Zeit zeigt die Formkurve wieder deutlich nach oben. Ein Ende ist deshalb zum Glück noch nicht in Sicht.

 

Köln: „Ballauf“ (Klaus J. Behrendt) und „Schenk“ (Dietmar Bär)

 

„Freddy Schenk“ und „Max Ballauf“ ermitteln in der Karnevalshochburg seit 1997. Mittlerweile sind die beiden wie ein gut eingespieltes, altes Ehepaar und lösen ihre drei bis vier Fälle pro Jahr mit stoischer Gelassen und Routine. Ein Einschnitt erfolgte Ende 2014, als Franziska, die langjährige Assistentin der beiden, in einer der besten Folgen der letzten Jahre ermordet wurde. Seitdem ist die heile Welt von „Ballauf“ und „Schenk“ aus den Fugen, was sich auch in der Inszenierung bemerkbar macht.

 

Kiel: „Borowski“ (Axel Milberg)

 

Axel Milberg kommt als „Klaus Borowski“ in Kiel von allen „Tatort“-Ermittler den düsteren, skandinavischen Krimis am nächsten. Wandelt seit 2003 stets am psychologischen Abgrund und wird dabei seit 2011 von „Sarah Brandt“ (Sibel Kekilli) unterstützt. Ironischerweise gehört Borowski nicht zu den absoluten Publikumslieblingen, obwohl er von den Kritikern zumeist gefeiert wird.

 

München: „Batic“ (Miroslav Nemec) und „Leitmayr“ (Udo Wachtveitl)

 

Ein Herz und eine Seele sind seit 1991 Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec im „Tatort“ München. Obwohl „Ivo Batic“ und „Franz Leitmayr“ es wohl nie zugeben würden, kann der eine gar nicht mehr ohne den anderen. Erstaunlicherweise halten die beiden ihr zumeist sehr hohes Niveau und erfreuen sich nicht zuletzt deshalb großer Beliebtheit bei den Fans.

 

Wien: „Eisner“ (Harald Krassnitzer) und „Fellner“ (Adele Neuhauser)

 

Das österreichische Ermittlerduo „Moritz Eisner“ und „Bibi Fellner“ gehört zu den absoluten Lieblingen von Fans und Kritikern – und das vollkommen zurecht. Die Fälle gehen zumeist an die Schmerzgrenze und das Team wurde 2014 sogar mit dem Grimme-Preis belohnt.

 

Münster: „Thiel“ (Axel Prahl) und „Boerne“ (Jan Josef Liefers)

 

Die unangefochtene Nummer eins im „Tatort“-Kosmos – zumindest wenn es nach der Gunst der Zuschauer geht. Jan Josef Liefers und Axel Prahl brechen seit 2002 einen Quotenrekord nach dem anderen und ein Ende ist nicht in Sicht. Kritiker monieren, dass die Fälle der beiden nicht selten ins Absurde abdriften. Die Fans stört es nicht.

 

Berlin: „Rubin“ (Meret Becker) und „Karow“ (Mark Waschke)

 

Traten unlängst die Nachfolge der beliebten Kommissare „Ritter“ und „Stark“ an und konnten auf Anhieb überzeugen. „Robert Karow“ ließ sich gleich in der ersten Folge auf krumme Geschäfte mit der Mafia ein, während seine Kollegin „Nina Rubin“ durch zwielichtige Bars zog. Das Debüt hat definitiv Lust auf mehr gemacht.

 

Dortmund: „Faber“, „Bönisch“, „Delay“ und „Kossik“

 

Das derzeit am meisten diskutierte Team überhaupt. Für die Fans steht fest: entweder man hasst „Peter Faber“ (Jörg Hartmann) oder man liebt ihn. Sein Team um „Martina Bönisch“ (Anna Schudt), „Nora Delay“ (Aylin Tezel) und „Daniel Kossik“ (Stefan Konarske) wandelt ebenfalls an der Grenze zur Dienstuntauglichkeit. Nach amerikanischem Vorbild ist es das einzige Team, in dem die Geschichten der Figuren stringent weiter erzählt werden. Für uns mit das beste Ermittler-Team.

 

Weimar: „Dorn“ (Nora Tschirner) und „Lessing“ (Christian Ulmen)

 

Die Spaßkanonen unter den Ermittler-Teams. Nora Tschirner als „Kira Dorn“ und Christian Ulmen als „Lessing“ geben nicht viel auf die gängigen „Tatort“-Konventionen und treffen damit voll ins Schwarze. Leider nur ein Einsatz pro Jahr. Wir freuen uns bereits auf die nächste unterhaltsame Episode der beiden.

 

Frankfurt: „Brix“ (Wolfram Koch) und „Janneke“ (Margarita Broich)

 

Die Frohnaturen unter der Ermittler-Teams. Ihren ersten Fall lösten „Anna Janneke“ und „Paul Brix“ in der Mainmetropole Frankfurt gutgelaunt und fast schon zu entspannt. Allerdings gab es starke Momente und Stilmittel, wie die Rückblendungen, in denen die Ermittler quasi die Szenen noch einmal miterleben konnten. Ebenfalls stark: der cholerische Chef der beiden (Roeland Wiesnekker). Für uns ein starkes Debüt.

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Informationen

Seit 1970 begeistert der „Tatort“ jeden Sonntag Millionen von Zuschauern vor den TV-Geräten. Die Krimi-Reihe wird von ARD, ORF und SRF produziert. Wir haben für euch alle Infos, Hintergründe und natürlich die Teams der Kult-Produktion zusammengestellt.


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