Von Nils Reschke 0
„Ein plötzlicher Todesfall“

Wird Joanne K. Rowlings neuer Roman nach Harry Potter ein Erfolg?

Was macht eine Autorin, die quasi über Nacht von der Sozialempfängerin zur Millionärin und später sogar zur Milliardärin wurde und deren sieben Kinderbücher sich quasi wie warme Semmeln in die ganze Welt verkauften?


Was soll sie denn jetzt machen? Diese Frage wird sich Joanne K. Rowling wohl so manches Mal gestellt haben. Und ganz sicher auch schon, als der letzte Teil ihres Romanhelden Harry Potter noch gar nicht fertiggestellt war. Die Antwort ist vergleichsweise simpel: Die heute 47-Jährige veröffentlicht mit „Ein plötzlicher Todesfall“ ihren ersten Roman für Erwachsene. Und das dieser ähnlich wie die Bücher über Zauberlehrling Harry Potter einschlagen wird, daran hat Rowling keine Zweifel. Aus der eher schüchternen Autorin ist eben auch eine selbstsichere Frau geworden, die den Umgang mit den Medien gelernt hat.

Harry Potter sei ihr einst auf einer Zugfahrt erschienen. Die Idee zu „Ein plötzlicher Todesfall“ kam ihr im Flieger. Es scheint fast so, als müsse Joanne K. Rowling nur reisen, um an eine neue, spannende Idee für ein Buch zu kommen. Ganz so einfach ist das natürlich nicht. Aber ihr ganzer Körper habe „auf diese Idee reagiert, von der man weiß: Die funktioniert bestimmt“, verriet die Erfolgsautorin in einem Interview mit der Bild-Zeitung. „Das Adrenalin kippt ins Blut, das ist ein chemischer Prozess. So ging es mir mit Harry Potter, und hier war es genauso.“

Als erste Autorin überhaupt ist es Joanne K. Rowling gelungen, über eine Milliarde US-Dollar zu verdienen. Das hat vor ihr niemand anderes geschafft, auch kein männlicher Kollege. Da ist der Erwartungsdruck bei einem neuen Werk natürlich besonders groß. Und es scheint, als beinhalte der neue Roman durchaus auch einige Züge aus dem eigenen Leben. Als 15-Jährige erfuhr sie, dass ihre Mutter an Multiple Sklerose leidet. Nach ihrem Tod flüchtete Rowling ins Ausland, führte mehr schlecht als recht eine Ehe mit einem portugiesischen Journalisten – und kehrte mit ihrer Tochter Jessica schließlich zurück auf die Insel. Ohne eine Perspektive.

„Wie tragisch ist das eigentlich, wenn ein Mensch nur in der Stütze die Sicherheit sieht, die er braucht? Was hat ein solches Mädchen denn für ein Leben, wenn das das einzige Ziel ist, das es für sich erkennen kann?“, stellt Rowling nachdenklich Fragen in den Raum, um die es sich auch in „Ein plötzlicher Todesfall“ dreht. Im Mittelpunkt: Die Familie Weedon, wohnhaft in einer heruntergekommenen Siedlung. Tochter Krystal schmeißt den Haushalt, ihre Mutter ist drogenabhängig und droht das Sorgerecht für Krystals kleinen Bruder zu verlieren.

Ihr einzig Verbündeter im kleinen Örtchen Pagford: der Gemeindeverordnete Barry – der stirbt plötzlich, und für Krystal bricht eine Welt zusammen. Joanne K. Rowling weiß, wovon sie da schreibt. Noch als sie ihre ersten Bücher aus der magischen Welt des Harry Potter schrieb, lebte sie von Sozialhilfe. Ein kleines Cafe in der Nähe des schottischen Edinburgh war ihr Zufluchtsort, um in dieses Imperium der Zauberer zu fliehen. 2.500 Pfund verdiente sie für das erste Manuskript vom Bloomsbury-Verlag.

Der Weg zum Reichtum war beschwerlich und natürlich völlig ungewohnt. „Ja. Jetzt bin ich da. Einige Jahre hatte ich wirklich das Gefühl, in einer psychischen Tretmühle gefangen zu sein, als müsste meine Seele noch nachkommen“, verrät Rowling. Die Autorin sagt, „alles hat sich so schnell verändert, alles war so merkwürdig. Ich kannte niemanden, der in der Öffentlichkeit stand.“ Dort steht sie längst selbst. Aber damals gab es eben keinen Menschen, an den sie sich hätte wenden können. So wie Krystal in ihrem neuen Roman.

Am Donnerstag erscheint „Ein plötzlicher Todesfall“ in Deutschland. Wir sind schon ganz gespannt, ob uns Joanne K. Rowling erneut verzaubern kann, wenn auch auf einem ganz anderen Gebiet. Fern der Zauberer und mitten im Muggel-Leben.


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